Relativismus und Wahrheitsanspruch

In der postmodernen Gesellschaft ist der Pluralismus – also die Akzeptanz einer unbegrenzten Vielfalt von Ansichten – konstitutiv. Einige sehen damit einen impliziten Relativismus verknüpft. Also die notwendige Ansicht, dass keine Position eine absolute Wahrheit beanspruchen könne. Gemeinhin wird das nicht durchgehalten und eher als Waffe verwendet, unliebsame Ansichten zu diskreditieren und dessen Wahrheitsanspruch  pauschal zurückzuweisen. Wenngleich sich das als Diskussionskiller oftmals als äußerst erfolgreich erweist, so ist diese Strategie in dieser Form zersetzend und inkonsistent. Hier aber will ich nicht nur diese Strategie als amoralisch und geistlos denunzieren, sondern ernsthaft prüfen, was es mit jedwedem Relativismus auf sich hat und dabei mit einem Zitat aus Rolf Peter Sieferles posthum veröffentlichtem Kurzwerk Finis Germania beginnen:

Allerdings sprengt die moderne Erfahrung des Relativismus und der Perspektivität sämtliche normativen Eindeutigkeiten in die Luft- doch nicht, ohne daß sie durch die Hintertür des Alltags immer wieder zurückkehren würden.

„Relativismus und Wahrheitsanspruch“ weiterlesen

Unzulänglichkeit

Ein Kennzeichen des Lebens schlechthin, und damit auch der Erfahrung jedes Einzelnen, ist die Unzulänglichkeit. Einerseits ist es die absolute Wissensgrenze, dass es eben nicht zu erwarten sei, alle Geheimnisse des Lebens völlig erforschen zu können. Dann die relative Wissensgrenze, denn das aktuell verfügbare Wissen der Menschheit bleibt weit deutlicher begrenzt – auch wenn man noch erheblich mehr wissen könnte. Schließlich aber weiß kein lebender Mensch im Wesentlichen das, was im gesamten Menschheitswissen vorhanden ist, und die meisten Menschen wissen, dass sie weit weniger wissen, als eben gebildetere Leute wissen. Es ist somit von der Erkenntnis der Unzulänglichkeit auszugehen.

„Unzulänglichkeit“ weiterlesen

Realität, Messung, Objektivität

Der Positivismus gilt als die Ansicht, dass nur das objektiv Prüfbare auch Relevanz hätte. Darum ist es eine Paradeposition für den ontologischen Naturalismus, der immerhin die Alleinvertretung beansprucht, das die Naturwissenschaften ja den (methodischen) Naturalismus als Eingangsprämisse ansetzen. Wie schwer es allerdings ist, auch eigentlich einfache Fakten festzustellen … davon handelt beispielhaft dieser Beitrag.

Als Fortsetzung zu Wissenschaft und Erkenntnis will ich ein wenig in die Tiefe des Details dringen. Im Besonderen die Frage: Wie kann man überhaupt eine globale Erwärmung feststellen? Und wie stark ist diese?

„Realität, Messung, Objektivität“ weiterlesen

Wissenschaft und Erkenntnis

Was kann Wissenschaft leisten? Kann uns die Wissenschaft retten? Oder zumindest uns Wegweisung geben, dem kollektiven Tod von der Schippe zu springen?

Die Wissenschaftstheorie ist ein Sonderfall der Erkenntnistheorie. Die Fragestellung und Geistesgeschichte dazu kann Bände füllen. Hier will ich nur einen kleinen Beitrag am Beispiel liefern. Unter Wissenschaft wird oft die objektive Erkenntnis verstanden. Nämlich das intersubjektiv Nachprüfbare. In der Regel werden entweder aus Beobachtungen Hypothesen aufgestellt, und diese dann systematisch untersucht (deduktiver Ansatz), oder die Hypothese wird zum Ausgang genommen, um diese der empirischen Prüfung zu unterziehen (induktiver Ansatz).

„Wissenschaft und Erkenntnis“ weiterlesen

Diskurs und Motive

Philosophieren und Nachdenken schlechthin kann nicht nur eine sehr einsame Sache sein, sondern birgt auch die Gefahr, dass man sich in bestimmte Ansichten verrennt und ohne Korrektiv eben das Ziel aus den Augen verliert. Ein innerer Dialog mag ein Stück weit helfen, aber erst der Diskurs mit anderen vermag hier weiterführende Gedanken einspeisen.

Ebenso ist es auch Sache eines gesellschaftlichen Diskurses über Politik und Gestaltung, welche Themen wie das Leben bestimmen können. Nicht zuletzt ist es im wissenschaftlichen Bereich gerade dann erforderlich, wenn ein einfaches Lehrgespräch nicht mehr hinreichend sichere Erkenntnis bringen kann. Gründe gibt es also genug, einen Diskurs zu suchen.

Allerdings kommen an vielen Orten Zweifel auf, ob es angesichts negativer Tendenzen überhaupt sinnvoll ist, den Diskurs als öffentliche Plattform zu suchen.

„Diskurs und Motive“ weiterlesen

Propaganda und Fake News: Was ist real?

Propaganda ist vermutlich so alt wie die Kriegführung. Man versucht entweder, den Feind zu täuschen, seine Moral zu untergraben oder die eigene Kampfbereitschaft zu stärken. Wahrheit ist für die Propagandisten ein untergeordnetes Kriterium. Erzählt man eine wahre Geschichte, leidet die eigene Glaubwürdigkeit nicht, wenn ansonsten ein Schwindel auffliegt. Aber wenn die passende Geschichte nicht bei der Hand hat, so wird sie erfunden. In Kriegen ereignen sich reale Gräuel. Und es werden massenweise welche erfunden. Unter den Nazis wurde Propaganda systematisch betrieben. Aber auch danach gab es gezielte Bestrebungen der systematischen psychologischen Kriegführung. Die gleichen Methoden werden nun auch in Meinungskrigen und Wahlen eingesetzt.

„Propaganda und Fake News: Was ist real?“ weiterlesen

Selbst schuld

Der Begriff ‚Schuld‘ wird immer schillernder, je mehr man über ihn nachdenkt. Manche meinen, dass man ihnen Schuldgefühle einredet. Die Gesellschaft, das Über-Ich, die Eltern, die Kirche … eigentlich sind die Schuld an den Schuldgefühlen. Und tatsächlich gibt es auch krankhaft übersteigerte Schuldgefühle, die manche in die Verzweifelung treiben.

Im Zuge der Debatte über die Bestimmung des Menschen meinen nicht wenige Zeitgenossen, dass der Mensch vollständig ein Produkt seiner Umwelt sei. Dies bestimmt sein Sein und Empfinden, sein Denken und Handeln. Im Grunde sei der Mensch völlig determiniert. Er kann gar nicht anders handeln, als er handeln muss. Wie könnte er da noch schuld sein, wenn er doch hätte gar nicht anders handeln können? Was bedeutet ‚Schuld‘ dann eigentlich noch? Ist der Täter nicht viel mehr Opfer der Umstände?

„Selbst schuld“ weiterlesen

Erstaunlich selbstverständlich … Erwählung?

Über viele Dinge denkt man gewöhnlich nicht nach. Man hält es für selbstverständlich, dass die Welt ist, was sie ist, oder das man selbst überhaupt existiert.

Warum aber ist überhaupt irgend etwas, und nicht nichts? Ein populärer Ansatz heute ist der Gedanke: Wenn ich nicht wäre, könnte ich diesen Gedanken auch nicht denken. Also wäre die eigen Existenz selbsterklärend. Ist sie aber nicht. Denn es ist nur die Tautologie, die die eigene Existenz anhand der Reflektion im Sinne Descartes erkennt: cogito ergo sum.

„Erstaunlich selbstverständlich … Erwählung?“ weiterlesen

Hybris und Demut

… eine Wahl zwischen Pest und Cholera? Hybris, die Überheblichkeit und Hochmut, galt seit je her als verwerflich. Nicht nur die Bibel hält diese für eine schlimme Sünde, sondern allgemein gilt sie als abstoßende Untugend und Charakterschwäche. Arroganz heißt der Verwandte der Hybris. Allerdings relativiert sich das harsche Urteil in der Praxis, wenn man dem Erfolgreichen den Respekt zollt. So mancher Erfolg aber gründete sich auf Anmaßung, die durch das Motto ‚Frechheit siegt‘ überhaupt erst den Triumph feiern konnte. Und mit der Demut ist es auch nicht besser bestellt.

„Hybris und Demut“ weiterlesen

Unsere penetrante Suche nach absoluten Gewissheiten

Gert Scobels Gedanken zu „Schlaf der Vernunft“ 

Nicht zuletzt der provokante Titel veranlasste mich zu einem Kommentar. Doch eines nach dem Anderen:

Auch die totale ökonomische Verwertung des Menschen in Auschwitz scheint zur Vernunft zu gehören, wenn auch zu einer pervertierten Form der Vernunft. So hilfreich die Vernunft einerseits sein kann, so furchtbar und erschreckend scheinen andererseits manche ihrer kühnen Träume zu sein.

Mich beunruhigt, wenn die Dinge nicht beim Namen genannt werden. Denn wenn wir moralische Werturteile fällen, dann können wir diese auch vollumfänglich vertreten. So kann man ganz im Sinne von Victor Frankl das Gewissen zum Zeugen rufen, wenn wir eine entmenschlichste Grausamkeit aufs schärfste Verurteilen. „Unsere penetrante Suche nach absoluten Gewissheiten“ weiterlesen