Tugend und Gesellschaftsentwicklung

Tugenden – oder allgemeiner gesprochen Werte – unterliegen der Beurteilung. Ein Einzelner mag eine Wertschätzung abweichend von der ihm umgebenden Gruppe abgeben. Dennoch bilden sich in einer Gesellschaft unscharfe Cluster heraus, die für deren Entwicklung eine prägende Rolle spielen. Kurz: Wohl und Wehe der Zukunft liegt in den praktizierten Tugenden!

Das gilt dann für jede beliebige Gruppengröße. So mag ein Clan oder Stamm einen eigenen Codex herausbilden, eine religiöse Gemeinschaft, ein Staatsvolk oder Ethnie, oder ein grenzüberschreitender Kulturraum. Früher sprach man von deutschen Tugenden wie Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Im Zeichen des Wertewandels gilt dies nun nicht nur als verpönt, sondern trifft auch weit weniger flächendeckend zu.

Wir betrachten nun die Hypothese, dass jene Herausbildung und Verflachung von Tugenden und Werten maßgeblich zu einer positiven oder negativen Gesellschaftsentwicklung führt.

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Evolution – Theorie, Tatsache, Glaube und Wahrscheinlichkeit

Kaum eine wissenschaftliche Theorie hat das Selbstverständnis des modernen Menschen so geprägt wie die Evolutionstheorie, die auf Charles Darwin zurück geht. Als Tatsache kann gelten, das die Beobachtungen von Veränderung der Arten gesichert sind (Mikroevolution). Man geht von Mutation und natürlicher Selektion aus – und das erscheint auch einleuchtend. Viele meinen, damit auch den Beleg zu haben, dass alles Leben mehr oder minder zufällig entstanden (chemische Evolution) ist und sich aus der Urzelle zu dem bekannten Formenreichtum entwickelte (Deszendenztheorie, Makroevolution). Die Unterscheidung der Aussagen wird aber häufig nicht mehr gemacht. Man meint, dass DIE Evolutionstheorie eine der bestbelegten wissenschaftlichen Theorien sei. Wer es wagt, hier Zweifel zu äußern oder auch nur leise Rückfragen stellt, gilt schnell als Spinner oder religiöser Fundamentalist … eigentlich ein Häretiker, der das moderne Glaubensbekenntnis in Frage stellt.

Tatsache ist ferner, dass es DIE Evolutionstheorie nicht gibt, sondern viele Teiltheorien, die jeweils unterschiedlich gut belegt sind. Für das Selbstverständnis ist vor allem die Makroevolution, genauer die Deszendenztheorie, dem Kern der Evolutionstheorien, die auf Charles Darwin zurück gehen. Hier kann man allerdings bezweifeln, ob es überhaupt eine wissenschaftliche Theorie ist, geschweige als Tatsache zu verstehen sei.

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Ethik im Zeichen der Pandemie

Tod, Seuchen, Gefahren … wir werden alle sterben. Viele erst in einigen Jahrzehnten. Aber wir werden unser Leben nicht beliebig erhalten können. Manche werden durch das Virus sterben, vielleicht auch ich. Andere sterben wegen schlechter Versorgung, Depressionen, häuslicher Gewalt oder allerlei, was sich durch den gesellschaftlichen Stillstand verschärft. Vielleicht werden die nicht hinreichend zu retten sein, die zu der Risikogruppe gehören, aber die Devise ist die Hoffnung, mit genügend medizinischen und pharmakologischen Fortschritt das Leid zu lindern. Hier aber möchte ich die ethische Problematik erläutern, denn man erkauft sich für diese Hoffnung nicht nur ein wenig Wohlstandsverzicht, sondern letztlich andere Tote.

Welche Maßnahmen sind ethisch geboten? Wenn die Entscheidungen anderes Leid gegen jenes Leid und die Hoffnung auf ein gutes Ende abgewogen wird, neigt der Mensch nicht zu einer nüchternen Überlegung , sondern die emotionale Wahl des Plakativen. Berge von Leichen in China oder Italien wirken schwerer als die zu erwartenden statistischen Auffälligkeiten der anderen Toten. Sie bleiben die eher unsichtbaren Opfer der Entscheidungen, die Dritte treffen.

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Erinnerungskultur, die Zweite

Es ist natürlich scharf abzulehnen, wenn Björn Höcke in der Dresdner Rede forderte, man müsse zur Erinnerungskultur der Naziverbrechen eine 180 Grad Wende machen, also das Gegenteil tun. Wohlwollend könnt man das jedoch für eine Überzeichnung halten und er lediglich sagen wollte, dass die bislang geübte Erinnerungskultur so nicht hilfreich ist. Man wird weder den damaligen Opfern, noch den heutigen Opfern gerecht, sondern man verklärt traumatische Ereignisse und zieht die falschen Lehren daraus. Das weitere Erinnern an die Geschichte, auch der persönlichen Erfahrungen und die eigene Familiengeschichte wird überschattet von diesem Trauma, das für manche identitätsstiftend sei. Fraglos ist es schwer, ein angemessenes Verhältnis der Erinnerungskultur des Holocausts, der sicher kein Vogelschiss ist, zu dem ‚Rest‘ der Geschichte zu gewinnen.

Hier lasse ich auch dieses Verhältnis offen, aber ich will hier genau einen Teil des Rests in den Fokus nehmen.

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Warum sind wir allein im Universum?

Unter diesem Titel ist ein spannendes Video von Ansgar Reiners empfohlen. Im Grunde steht Reiners damit aktuell in der Tradition von Jacques Monod, wie er sie auch in ‚Zufall und Notwendigkeit‘ ausdrückte: Wir können davon ausgehen, dass es anderes intelligentes Leben im Universum nicht gibt, bzw. dass dies für uns immer irrelevant sein muss. Und zwar weniger wegen weltanschaulicher Positionen, sondern aufgrund der wissenschaftlichen Erkennbarkeit. Darüber hinaus haben beide sehr wohl weltanschaulicher Positionen, die ihrerseits im materialistischen Weltbild durchaus Konsequenzen haben. Mehr dazu später. Hier ist es überraschend, dass der Mainstream ja beständig von einer SciFi-Folklore ausgeht, für die außerirdisches Leben eine Selbstverständlichkeit darstellt – ebenso mit weltanschaulichen Konsequenzen. Es vermischen sich religiöse und eschatologische Züge immer mehr – denen aber von der Wissenschaft eine Absage erteilt werden muss.

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Das Leben, Zeit und Ewigkeit

Die Erklärung, was das Leben eigentlich sei, was vielleicht das falsche Leben sei … all das erscheint zunächst selbstverständlich, aber wird schwierig, wenn man darüber nachdenkt. Die Biologie beschreibt das Leben zumeist als Stoffwechselprozesse. Menschen verstehen Leben meist mehr oder minder als die bewusste Existenz. Man mag über die Fähigkeit zur Entwicklung, das Fühlen oder Entscheiden intuitiv für wichtig halten. Aber stets sind damit Prozesse verbunden, die nur auf dem Hintergrund des Zeitablaufs zu verstehen sind. Unser Denken setzt die Zeit voraus.

Ewigkeit wird gemeinhin als Endlosigkeit verstanden. Es geht immer weiter und hört niemals auf. Es ist bereits ein philosophischer Ansatz, diese Vorstellung der Ewigkeit nicht als Antwort auf den Schrecken des Todes zu suchen. Ja, der Tod bleibt schrecklich, aber er verleiht dem Leben eine gewisse Dimension der Kostbarkeit. Eine Endlosigkeit, selbst des Paradieses, wird dann ebenso beängstigend, denn die Perspektive geht verloren. Man kann in der Ewigkeit der Langweile kein Ende bereiten. Dennoch hat die Ewigkeit – in einem anderen und weniger fassbarem Sinn – eine entscheidende Bedeutung als Ziel des Lebens.

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Unverzeihlich?

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte aus Pretoria am 6.2.2020 zu Wahl des Thüringischen Ministerpräsidenten Kemmerich, ‚dass dieser Vorgang unverzeihlich ist‘. Abgesehen davon, dass hier völlig unklar bleibt, wer hier wem wofür verzeihen sollte … oder auch nicht, entsetzt doch die Wortwahl. Unverzeihlich heißt, dass es niemals ein Vergeben geben kann. Es ist schicksalhaft endgültig. Abgesehen davon, dass es sich vermutlich noch nicht einmal um einen Fehler der an dem Vorgang beteiligten handelte und das Wort vermutlich leichtfertig gebraucht wurde, handelt es sich bei Unverzeihlich um etwas, was für allem dem christlichen Glauben mehr als beängstigend erscheint. Was hat das für Konsequenzen?

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Erinnerungskultur und deren Lehre

Sich zu erinnern ist nicht nur menschlich, sondern einer der Grundpfeiler der Kultur. Aus der Erinnerung an vergangene Ereignisse gilt es zu lernen. Das traumatischer Erbe der Nazidiktatur, des Holocausts und des verheerenden 2. Weltkrieges sollte darum nicht nur mit Entsetzen und Trauer gedacht werden, sondern auch zur Erweiterung unseres Denkens führen, aber nicht zur Lähmung. Bundespräsident Steinmeier sagte anlässlich des Gedenkens in Yad Vashem:

Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten.

Irgendwas passt hier nicht. Und was genau können wir lernen?

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Ignoranz, Überheblichkeit, Selbstbetrug

Es gibt viele Menschen auf der Welt, die sind klüger und besser gebildet. Wissenschaftler und Intellektuelle, aber auch einfache Menschen können mit erstaunlichen Fähigkeiten und Kenntnissen aufwarten, die den eigenen überlegen sind. Dennoch wird himmelschreiender Unsinn die Menge zum Besten gegeben, auch von vermeintlichen Koryphäen. Einiges davon kann man klar erkennen, bei anderen Dingen liegt der Verdacht nahe. Wie kann das sein? Die intellektuellen Fallstricke scheinen da bei vielen ein akutes Problem zu sein, natürlich nur bei den anderen … wirklich?

Hier will ich über die Frage nachdenken, wie ich es verhindern kann, dass ich derartigen intellektuellen Lastern erliege. Offensichtlich ist niemand, auch nicht der Klügste, davor gefeit, und man kann auch für die eigene Zukunft nicht garantieren. Um so wichtiger ist die theoretische Überlegung, die eigene Reflektion und die Lehren, die man daraus zieht. Brennend wäre ich daran interessiert, was Sie, lieber Leser, dazu herausgefunden haben. Vielleicht Kritik an meinem Denken, eigene Erfahrungen oder praktische Tipps. Und schon sind wir beim Thema …

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Klimamoral

Stellen Sie sich vor, die Menschheit und die Erde steht vor einer großen Katastrophe … und sie können sie retten. Oder – andere Variante: Sie sind schuld! Das klingt irgendwie nach einer abgedrehten Hollywood-Produktion, die Motive aus einer Comix-Story re-iteriert. Im Zeichen der medial verbreiteten Klimakrise scheint dieses Denken aber größere Mengen von Menschen zu betreffen. Massenbewegungen werden herbeigerufen und tatsächlich kommen Massen. Was treibt sie an? Eine kollektive Zukunftsangst? Oder ist es ein moralischer Impetus, der geradezu aus einer Verpflichtung zum Handeln geboren wurde? Anstoß zu den weiteren Überlegungen gab der Artikel Klimamoral von Dr. Joachim Dengler .

Natürlich kann man sich mit den Sachargumenten und den Inhalten beschäftigen, mit Ursachen und Konsequenzen von Handlungen und Maßnahmen zum Klimawandel und Klimaschutz. Das ist hier aber nicht Gegenstand, sondern die Frage, was das Verhalten im Kontext wirklich bestimmt. Menschen handeln vor allem aus wenigen Antrieben. Das eine sind biologisch-psychologische Befindlichkeiten, wie Grundbedürfnisse und gesellschaftlich-sozialisationsbedingte Rollenmuster. Das andere sind bewusste Entscheidungen, die auf einem ethisch-moralischen Modell aufsetzen. Um letzteres geht es hier. Und die Methode ist das Durchspielen in diversen Szenarien.

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