Sinn des Lebens … und der Zufall

Hat das Leben überhaupt einen Sinn? Oder ist doch alles sinnlos und leere Illusion? Kann man dem Leben, das von Sich aus keinen vorgegebenen Sinn haben könnte, im nachhinein einen Sinn geben? Die Fragen entstehen vor allem dann, wenn wir den Zufall eine bestimmende Rolle in unserer Existenz beimessen. Sind wir allerdings gegründet in dem Schöpfungswillen Gottes, hat unser Leben den von Gott vorgegebenen Sinn. Es gilt dann, diesen zu erkunden.

Hier wollen wir uns in beiden Richtungen einige Gedanken machen. Sich selber Ziele im Leben zu geben, Werte zu erkennen und ein Streben nach dem Glück alleine ist nicht zu verwechseln mit dem Sinn des Lebens. Ein Gerät, das Menschen erbauen, hat seinen Sinn darin, dass es bestimmten Funktionen dient. Auch ein Kunstwerk hat den Sinn, sich auszudrücken, einen Gedanken oder Gefühl zu vermitteln, oder schlicht Ästhetik zu realisieren. Doch was ist mit mir selbst?

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Es gibt richtiges Leben nur im Falschen

Dieser sperrige Titel ist die trotzige Gegenthese zu :

Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Theodor W. Adorno: Minima Moralia, I, 18 S.42

Das dieser Satz höchst unterschiedlich verstanden werden kann, durchleuchtet Florian Roth und gibt einige Beispiele:

Wenn deine Lebensführung, deine Lebensform in ihrem internen Gesamtzusammenhang und in ihrem Eingebettetsein in einem gesellschaftlichen Kontext infiziert ist durch das Falsche, das moralisch böse, den Menschen beschädigende, in entfremdende, zur Falschheit und Unaufrichtigkeit treibende – wie können dann eben Teilbereiche, Lebensbereiche, einzelne Handlungen z.B. privater Art wahrhaftig und moralisch aufrecht sein.

Florian Roth

Das wäre gänzlich pessimistisch, da es ein ‚richtiges‘ Ganzes eben in dieser Welt nicht gibt, sondern lediglich das Streben nach der Heilung der Welt, dem Dürsten nach Frieden und Gerechtigkeit. Adorno bliebe gefangen in einem selbstgestrickten Modell, dass keine Auflösung zulässt. Denn dieses Streben mag zwar zu punktuellen Verbesserungen führen, öffnet aber zugleich neue eklatante Schwächen. Eine Welt, die sich asymptotisch dem ‚Richtigen‘ annähert, bleibt eine fragwürdige Hoffnung, die im Diesseits grundsätzlich unerfüllt bleiben muss.

Die Gegenthese verweist auf die Möglichkeit, dass trotz der Schwere der Belastungen in einer wahrlich unvollkommenen Welt sich neue Dimensionen aufspannen, die eben die Flachheit der Adorno’schen Erde hinter sich lässt. Das Richtige Leben benötigt geradezu die Emanzipation von einer unvollkommenen Welt. Dies gilt es zu erläutern.

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Offener Brief an Björn Höcke

Sehr geehrter Herr Höcke

Spätestens seit der Lektüre ihres Buches ‚Nie zweimal in den selben Fluss‚ sind Sie mir ausgesprochen sympathisch. Dennoch sehe ich einige ihrer Aussagen eher kritisch. Hier geht es mir aber nicht um kontroverse Positionen, sondern ihre Einstellung zum christlichen Glauben (Seite 49 ff), die ich vor einigen Jahrzehnten voll und ganz teilte, und mich nun gerade in ihrer differenzierten Darstellung beschäftigt.

Zum Einen geht es mir darin um die argumentative, denkerische Aufbereitung, zum Anderen um den Beziehungsaspekt. Nicht zuletzt, da Sie ja auf die Dialogphilosophie Martin Bubers (Seite 83 ff) eingehen.

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Kirche – Quo Vadis?

In Deutschland wird Christentum meist als in Vertretung durch Amtskirchen angesehen. Persönlicher Glaube und freikirchliche Gemeinschaften passen da zwar weniger ins Bild, aber diese Dissonanz wird oft nicht aufgelöst. Um so mehr sind die Entwicklungen der Amtskirchen auch dann von Interesse, selbst wenn ein distanziertes Verhältnis besteht. Sind es dann, auch bei aller Kritik, dennoch fehlbare Schwestern und Brüder, die die Solidarität der Christen brauchen, die ihnen fern stehen? Oder sollte man den Niedergang der Institution auf Raten auch aus christlicher Sicht begrüßen, denn die Amtskirche erweist sich möglicherweise nicht-reformfähige Institution, die ihre Berechtigung verloren hat?

Einige interessante Aufsätze beschäftigen sich mit der Frage, die durch die Corona-Krise an Brisanz gewonnen hat: Was wird aus der Kirche? Es ist schwer, von der Kirche in Deutschland zu sprechen, denn die Gliederung in evangelisch und katholisch zeigen zuweilen recht unterschiedliches Gepräge. Eine Ökumene , die ihre Verbindung in dem gemeinsamen Glauben als dem Apostolischen Bekenntnis verpflichtet erkennt, wäre zu begrüßen. Leider hat man aber den Eindruck, dass es nicht der gemeinsame Herr ist, die die Gliederungen zusammenführt, sondern eine konvergente Gesellschaftsentwicklung, die zugleich den Jesus-Glauben nicht mehr im Mittelpunkt hat, sondern lediglich als historisches Beiwerk behandelt. Die 11 Leitsätze der EKD/ Z-Team, Gebrauchsanleitung für das Endspiel? von Günter Thomas (Professor für Systematische Theologie ) und Bischöfliche Anleitung zum Kirchen-Suizid von Johannes Eisleben werden diskutiert.

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Engel – Bilder – Vermittlung

Dem naturwissenschaftlich denkenden Menschen erscheint die Vorstellung von unsichtbaren Geistwesen, die hier im Zeitlauf der Welt wirken, abstrus und ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Dennoch glauben einigen Umfragen zufolge mehr Menschen an die Existenz jener Engel als an die Existenz eines Schöpfergottes. Dem Theologen sind die Engelvorstellungen auch eher schwierig. Wofür braucht ein allmächtiger Gott noch zusätzliche Geistwesen als Gehilfen? Aber genau so könnte man fragen: Wozu braucht er Menschen? In wie weit sind Engelsvorstellungen Bilder von einer anderen Realität? Oder sind diese Vorstellungen reine Illusion, ohne wahren Bezug zur Realität?

Wer zur Existenz oder Nichtexistenz jener Engel bereits eine feste Meinung hat, wird wohl kaum weiter darüber nachdenken wollen. Aber letztlich führt dies zurück in die Frage: Was ist überhaupt real? Was hat überhaupt ‚Existenz‘? Gemäß Platons Höhlengleichnis ist das, was wir gemeinhin für die Realität halten, nur wie ein Schatten an der Wand. Durch die Quantenmechanik wissen wir, dass die vermeintlich festen Stoffe nicht nur aus sehr vielen Molekülen und Atomen bestehen, sondern diese wiederum aus unglaublich schnell rotierenden Energiefeldern. Es ist ein Wunder, dass diese Stoffe über Jahrmillionen bestand haben können, wenn sie sich doch innerhalb von Nanosekunden tausendfach verändern. Auch Einstein wusste, dass es keine feste Grenze zwischen Materie und Energie gibt. Gibt es nun eine feste Grenze zwischen dem Bild und der Realität?

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Große Lebensentwürfe – kleines Glück

Was fange ich mit meinen Leben an? Vorwiegend in der Jugend stellen sich Menschen die Frage. Viele wollen was bedeutendes tun. Forscher, Entwickler sein, die Welt und die Gesellschaft voran bringen. Vielleicht ein Held, der die Welt verbessert. Es muss nicht der einsame Held sein, der sein Leben opfert, aber Teil von etwas Großem zu sein … das wäre doch was. Vor allem die Postmoderne, die traditionelle Lebensentwürfe gering schätzt, dürstet nach Auswegen aus der Sinn-Leere.

Früher war es die Revolution und der Freiheitskampf in fernen Ländern, heute ist es die Klimarettung, der Kampf gegen Rechts und Rassismus, der sich in beachtlichen Jugendbewegungen zeigt … und Menschen, die sich selbst als junggeblieben verstehen. Ein psychosoziales Phänomen?

Dagegen verblassen kleinbürgerliche Lebensentwürfe mit Familie, Enkel und Eigenheim. Peter Fox überzeichnet es in Haus am See als ein Glück, das ihm zufällt. Für viele ist es weniger das spektakuläre Glück, sondern etwas, das man sich erarbeiten muss … wenn es denn überhaupt als Ziel erkannt wird. Was aber ist tragfähig? Was ist erstrebenswert? (Einige weitere Songs illustrieren das Thema …)

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Erinnerungskultur und deren Lehre

Sich zu erinnern ist nicht nur menschlich, sondern einer der Grundpfeiler der Kultur. Aus der Erinnerung an vergangene Ereignisse gilt es zu lernen. Das traumatischer Erbe der Nazidiktatur, des Holocausts und des verheerenden 2. Weltkrieges sollte darum nicht nur mit Entsetzen und Trauer gedacht werden, sondern auch zur Erweiterung unseres Denkens führen, aber nicht zur Lähmung. Bundespräsident Steinmeier sagte anlässlich des Gedenkens in Yad Vashem:

Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten.

Irgendwas passt hier nicht. Und was genau können wir lernen?

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Totensonntag

Heute wird in den Kirchen der Toten und der eigenen Sterblichkeit gedacht. Manch einer erschrickt und verdrängt den Gedanken, so wie in dem Song:

Come in here, dear boy, have a cigar,
You’re gonna go far,
You’re gonna fly high,
You’re never gonna die,
You’re gonna make it if you try,
They’re gonna love you.

‚Have a Cigar‘ von Pink Floyd

Andere haben sich mit dem Gedanken des – auf kurz oder lang -kommenden Todes bereits angefreundet. Manche versuchen fast zwanghaft, ihr Leben zu verlängern, dem Tod zu entkommen. Und wieder Andere fragen: Gibt es ein Leben vor dem Tod?

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Trennschärfe und Unschärfe

Ordnung fragt nach Unterscheidung von Ungleichem und Feststellung der Gleichheit. Was ist richtig – was falsch? Was ist wahr oder unwahr? Was ist gut oder böse? Nun ist es modern geworden, Grauzonen zu entdecken. Also nicht mehr klar zu unterscheiden, was richtig oder falsch ist. Darin liegt einerseits eine neue Ehrlichkeit, die sich gegen Simplifizierung wehrt, zugleich eine erschreckende Indifferenz zur Auflösung der Werte. Es lohnt sich, diesen Sachverhalt, den unerfüllten Wunsch nach Trennschärfe von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten.

Im Laufe dieser Betrachtung werden wir dies anhand von zwei Beispielen untersuchen, der Sünde und der nationalen Identität.

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Identität

Wer bin ich? Diese Grundfrage, die zugleich auch als Konkretisierung der Frage ‚Was ist der Mensch?‘ angesehen werden kann, beschäftigt das Denken nicht nur in der Adoleszenz. Einige sehen es als ihre Aufgabe, ihrem Leben einen Sinn zu geben, sich selbst zu erfinden und damit zu Werden. Die Frage der eigenen Identität ist untrennbar mit der Sinnfrage verknüpft – vielleicht die Kehrseite der Medaille. Manche erkennen ihre Bestimmung als Lebensziel. Viele begnügen sich mit unbefriedigenden Antworten, perpetuieren ihre offenen Fragen oder resignieren an dieser Frage.

Man kann die Frage nach der eigenen Identität als Schlüssel zu vielen menschlichen Motiven ansehen, sozusagen als blinder Fleck, um den sich alles dreht, aber kaum als zentral wahrgenommen wird. Alle Eitelkeiten … ein Wunsch, sich selbst zu identifizieren. Streben nach Macht, respektiert zu werden, geliebt zu werden, reich zu sein … alles letztlich Ausdruck davon, eine substanzielle Person sein zu wollen.

Diejenigen, die diese Frage individuell bedenken, werden als Philosophen angesehen. Andere suchen ihre Identität als Teil einer Bewegung, Mitglied einer Gruppe. Man sucht weniger nach Wahrheit und Erkenntnis, sondern nach sinnstiftendem Selbstverständnis, Anerkennung und Eitelkeit, Reichtum, Macht und Glück. Hier wollen wir nach der Bedeutung der relevanten Ideologien der Zeit fragen. Doch vorher wollen wir Einwände diskutieren

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