Christentum unethisch?

Philipp Möller, bei Sandra Maischberger (ab 4:50): ‚Ich persönlich halte das Christentum vor allen für eine unethische Lehre, weil sie die Selbstbestimmung verhindert, und damit auch persönliches Glück verhindert.‘ Es erscheint vor dem inneren Auge ein verknöchertes und moralinsaures Männchen, das anderen Menschen und sich selbst das Leben schwer macht und in ein rigides Joch zwängen will. Eine zulässige Meinungsäußerung, gar eine treffende Analyse, oder doch ein absurdes Zerrbild?

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Politik und persönliche Moral

Dazu fällt sicher jedem viel ein, weit mehr als man es erschöpfend in einem kurzen Artikel behandeln könnte. Hier nur einige Gedanken. Sprichwörtlich ist der Verdacht gegen Politiker, dass ihre Reden nicht zu ihrem Leben passen. Heuchelei ist immer nahe dabei, denn gemeinhin fordert man einen in sich konsistenten Menschen, nämlich der seine moralischen Überzeugungen in Wort und Tat umsetzt. Kaum ein Lösung kann sein, seine persönliche Ansprüche eben so weit runter zu schrauben, dass das volle Programm Machiavellis widerspruchsfrei umgesetzt werden kann. Ist es dann aber nicht die Öffentlichkeit, die gerade ein Satz aktueller Tugenden vom Politiker einfordert, die aber aber für sich betrachtet gar nicht will, und darum eine Heuchelei erzwingt?

Sei es drum … ein Ansatz zur Moral bietet der kategorische Imperativ von Immanuel Kant:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Ist das nun zwingend so? Oder ist es überhaupt gut, das zu fordern?

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Du sollst lieben!

Die Lehre von Jesus fokussiert sich gemäß der Evangelien auf das Doppelgebot der Liebe – hier nach Markus 12:

Welches ist das höchste Gebot von allen?
29 Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,
30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose 6,4-5).
31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.
Es ist kein christliche Erfindung, denn der Bezug zum Tanach ist offensichtlich. Aber was heißt das und wie ist denn die Umsetzung zu verstehen?
Manche sehen die Liebe als das höchste Ideal und messen ihr Denken und Tun an eben jener Forderung. Andere verstehen es als aktiven Imperativ – und kritisieren diesen.

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Grundgesetz und Leitkultur: Gleichheit oder Gleichberechtigung

Weiter in meiner Reihe zum Grundgesetz: Der Artikel 3 behandelt die Gleichberechtigung.

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
Damit sind jedoch nicht menschen unterschiedlicher Bürgerschaft gleichgestellt – Ausländer haben kein Wahlrecht. Auch gelten für Kinder andere Rechte als für Erwachsene. Darum geht es hier nicht, sondern um die grundsätzliche Gleicheit der Menschen. Aber ab wann ist jemand Mensch? Der lebend geborene Säugling sicherlich – aber was ist mit dem ungeborenen Menschen? Gelten jenem auch die Rechte? Was ist mit Dementen oder Komatösen? Hier besteht offensichtlich Auslegungsbedarf.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
Hier wird bereits 1948 die Gleichberechtigung eingefordert, die auch heute nicht voll umfänglich besteht. Aber viele gesetzliche Regelungen wurden geändert. De jure ist die Gleichberechtigung erreicht, nicht aber de facto.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Während uns nun einiges selbstverständlich erscheint, gibt doch dieser Satz sowohl in Praxis als auch in der Theorie komplexe Probleme auf. Wenn jemand religiöse Propaganda betreibt, die in der Konsequenz zu Totalitarismus führt, kann er nicht die Meinungsfreiheit beanspruchen … oder doch? Wenn sein Glaube ihm die Befolgung eines Gesetzes verbietet, wird entweder dieser Nichtbeachtung freigestellt, was bedeutet, dass das Gesetz ausgehebelt wurde. Die Freiheit des Glaubens kann nur so weit gewährleistet werden, wie dieser sich auf persönliche Ansichten ohne Widerspruch zu den Gesetzen beziehen kann.
Hier ist zunächst vom Glauben die rede, nicht vom Bekenntnis. Denn Glaube bleibt persönlich, so lange er nicht öffentlich bekannt wird. Man kann aufgrund folgender Artikel – im Besonderen der Meinungsfreiheit – auch davon ausgehen, dass das Bekenntnis hier eingeschlossen ist. In jedem Fall handelt es sich aber um Persönlichkeitsrechte. Es ist kein Imperativ für den Respekt für jedwede Ideologien, vor allem, wenn sie sich als religiös titulieren. Denn eine Kritik an jenen Lehren ist ebenso freigestellt. Dies kann dann nicht als Diskriminierung jener verstanden werden, die eben jene Lehre vertreten.
Auch problematisch: Rasse – denn wenn der Mensch keiner ‚Rasse‘ angehören kann, weil es diesen Begriff in der Realität gar nicht gibt, kann er auch nicht deswegen  diskriminiert werden. Rassismus meint dagegen eine zugeschriebene ‚Rasse‘, also irgend welche Kriterien, die zur einer Gruppenidentifikation eignen und damit zur Begründung einer Ungleichbehandlung führen. Klassisch sind hier genetische Kriterien – ggf. im Phänotyp – gemeint.
Offen bleibt darin, dass Menschen, sein Charakter und Wesen von der Genetik beeinflusst sind. Diese bestimmen aber eben nicht sein Wesen und denken, sondern sind als individuelles Vermächtnis zu verstehen. Es bleibt beim jedem Menschen, was er daraus macht. Darum ist ein Urteil aufgrund sekundärer Indikatoren in keinem Fall moralisch zu rechtfertigen.
Abgesehen davon, dass diese Bestimmungen in mehrfacher Hinsicht offen bleiben und ggf. missbraucht werden können, ist an diesem Artikel der Geist der Freiheit erkennbar: Zunächst geht es um die Grundlagen des Rechts, das entsprechend den Prinzipien der blinden Justizia folgt. Nicht die Stellung oder bestimmte Attribute bestimmen die Rechte, sondern vor dem Gesetz ist jeder gleich.
Dies zieht sich auch als moralische Leitlinie in das Miteinander und den gesellschaftlichen Diskurs: Unbegründete Urteile aufgrund sekundärer Attribute sind scharf abzulehnen. Die Gleichheit bezieht sich eben nicht auf alle Attribute, einschließlich Herkunft, Genetik und Glaube, sondern auf die Rechte, die der Mensch in der Gesellschaft und vor dem Gesetz genießt.

Wird Religion zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht?

Immer mehr Medienberichte erklären, dass Religion missbraucht würde, um Gewalttaten zu legitimieren, z.B. hier und hier . Die Gegenthese von John Lennon war, das Religion ursächlich für die Gewalt sei. Was ist nun richtig?

Vorweg geschickt sei die Bemerkung, dass der gebräuchliche Begriff der Religion äußerst unscharf ist. Ist die Inbrunst am Leningrab religiös? Gibt es wirkliche Gemeinsamkeiten von Religiösen die sie von den Nicht-religiösen unterscheiden? Je nach Definition ist hier mal das Eine, mal das Andere ‚religiös‘. Ohne belastbare Definition kann man aber gar nichts missbrauchen, weil auch der Gebrauch undefiniert ist.

Vermutlich wird aber der Religionsbegriff aus Lessings Ringparabel unterstellt. Demnach wären alle Religionen mehr oder minder gleich – eigentlich eine christliche Variante, die die Deutungshoheit über das Judentum und den Islam beansprucht – was aber von jenen Gläubigen meist abgelehnt wird.

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Moralische Verpflichtung und die Flüchtlingskontroverse

Angesichts des Elends in vielen Krisenregionen in der Welt erreichen uns Menschen, die in Deutschland eine sichere Wohnung oder ein besseres Leben erhoffen. Das Gebot der Nächstenliebe, dass den Hilfsbedürftigen nicht im Stich lassen soll, scheint hier ein moralische Imperativ zu setzen. Selbst der Wegfall des christlichen Glaubens, der ja gerade dieses Gebot überhaupt propagierte, führte nicht dazu, dass dieses Imperativ Fortbestand hat. Anders herum: Es lässt sich auch durch die Goldene Regel begründen, dass es eine Verpflichtung zur Hilfe von Menschen in Not gibt.

Das aber kann in einer globalisierten Welt nicht mehr Eins zu Eins umgesetzt werden, denn das übersteigt die Möglichkeiten bei weitem. Ist aber der Verweis auf begrenzte Ressourcen der Trumpf im Ärmel, der die Verpflichtung aufhebt? Wie weit reicht die Verpflichtung im Besonderen?

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Selbst schuld

Der Begriff ‚Schuld‘ wird immer schillernder, je mehr man über ihn nachdenkt. Manche meinen, dass man ihnen Schuldgefühle einredet. Die Gesellschaft, das Über-Ich, die Eltern, die Kirche … eigentlich sind die Schuld an den Schuldgefühlen. Und tatsächlich gibt es auch krankhaft übersteigerte Schuldgefühle, die manche in die Verzweifelung treiben.

Im Zuge der Debatte über die Bestimmung des Menschen meinen nicht wenige Zeitgenossen, dass der Mensch vollständig ein Produkt seiner Umwelt sei. Dies bestimmt sein Sein und Empfinden, sein Denken und Handeln. Im Grunde sei der Mensch völlig determiniert. Er kann gar nicht anders handeln, als er handeln muss. Wie könnte er da noch schuld sein, wenn er doch hätte gar nicht anders handeln können? Was bedeutet ‚Schuld‘ dann eigentlich noch? Ist der Täter nicht viel mehr Opfer der Umstände?

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Heil für Gottlose … ?!

Die Spannungen hinsichtlich des Heils innerhalb des Christentums und auch davor bei den Juden ist unauflösbar. Während das Judentum und viel stärker das Christentum nicht nur vom guten Leben und der Gottesbeziehung spricht, liegt in der Heilshoffnung ein inhärentes Exklusives. Es war stets ein Zusammenprall von Lebenseinstellungen: Jenen, die sich auf dem Weg zum Heil sehen und jenes erwarten … und jenen die darauf pfeifen.

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Spannung – Irgend was passt nicht …

Viele Menschen streben nach Frieden, Freude, Harmonie … eben Glück. So sagt man zumindest. Aber in den Kinos und Fernsehen laufen allzu oft nicht Teletubbies, sondern Horror, Thriller und allerlei Abgründiges. Und auch im Alltag, in den Familien, Ehen, Arbeitsplatz und Freundeskreisen gibt es nicht selten Dissonanzen. Man macht sich aber oft nicht nur gegenseitig das Leben schwer, sondern wir stehen uns meist selbst im Weg. Warum ist das eigentlich so? Was reizt uns an der Dissonanz, der Spannung, dem Übel?

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Gleichheit und Diskrimierung

Gleichheit – im Besonderen der Rechte vor dem Gesetz – ist uns heute eine moralische Notwendigkeit und Tugend. Diskriminierung erscheint uns moralisch verächtlich. Aber ganz so einfach ist es nicht.

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