Verschwörungsleugner und Framing

Können toxische Begriffe aus dem öffentlichen Diskurs durch Offenlegung entschärft werden? Denn allenthalben wird mit pejorativen Begriffen der Meinungsgegner diskreditiert und ausgegrenzt. Argumente scheinen nicht mehr zu zählen. Argumenten wird generell mit Skepsis begegnet: Seien diese nicht grundsätzlich nur Ergebnisse von tendenzieller Positionen – vor allem, wenn sie der eigenen Meinung widersprechen? Negative Attribuierung stößt dagegen seltener auf pauschale Zurückweisung, sondern zeigt Wirkung.

Wir erinnern uns an das aus der Mode gekommene Ideal der Erkenntnis und des Diskurses: Wir suchen möglichst offen und vorurteilsfrei nach der Wahrheit, auch wenn wir Irrtümer nicht ausschließen können. Der Diskurs kann durch einen offenen Austausch der Argumente helfen, die Erkenntnis fortschreiten zu lassen und eigene Fixierungen in Irrtümern zu lösen. Tendenziell aber finden wir dagegen einen Grabenkrieg, in dem vorgefertigte Meinungen mit allen Mitteln verteidigt und durchgesetzt werden. Ist das der gordische Knoten, den es zu durchschlagen gilt?

„Verschwörungsleugner und Framing“ weiterlesen

Der Reiz des Aktuellen

Ist es nicht eine Binsenweisheit, dass eben das, was gerade on Vogue ist, viel mehr begeistert? Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Neugier nach News den Hang zu Banalem und Oberflächlichen verstärkt. Immer weniger ist die Grundlagenforschung Thema, denn die kostet Zeit und Anstrengung. Sie ist nicht Hipp und passt auch nicht zu den Top-Themen des Tages. Zumindest bei mir selbst habe ich diesen Trend wahrgenommen. Wie angenehm, wenn man ein wenig über den Tellerrand der eigenen Kurzsichtigkeit gehoben wird. Einen derartiger Artikel von Rob Henderson, der beim Aktuellen startet, dann aber mehr nach den Gründen fragt, habe ich unter dem Titel Wer ist leichtgläubiger: Feine Leute oder gemeines Volk? gefunden.

Er schreibt: „In den 1980er Jahren entwickelten die Psychologen Richard E. Petty und John T. Cacioppo das „Elaboration Likelihood Model“, um zu beschreiben, wie das Überzeugen funktioniert.“ Und da steht dann doch sehr wichtiges, auch wenn der Ausgangstext schon rund 40 Jahre alt ist.

„Der Reiz des Aktuellen“ weiterlesen

Der Fall des Menschen

Zuweilen ist es mir nur ein Anliegen, meine Gedanken zu fixieren. Natürlich würde ich es begrüßen, wenn andere etwas davon hätten, aber das ist zumeist sekundär. Hier will ich versuchen, einen Text so zu schreiben, dass er auch in einer Predigt verwendet werden könnte, also die Vermittlung der Idee steht als Anliegen gleichwertig neben der Substanz. Der Gegenstand hier ist die Geschichte vom Sündenfall.

„Der Fall des Menschen“ weiterlesen

Ungewissheit, Ungehorsam und der freie Wille

Alle diese Begriffe haben nicht nur gemeinsam, dass sie eine gewisse Ambivalenz verbindet, sondern dass sie auf eine seltsame Weise untrennbar verknüpft sind .. wie wir im Folgenden sehen werden. Einerseits gibt es einen Dualismus zwischen Gut und Böse, andererseits das falsche Dilemma zwischen zwei Extremen, die sich aber beide als schlecht erweisen. Einerseits ist das Streben der Menschen stets nach Gewissheit über das Vertrauen hinaus … und das ist auch gut so. Andererseits führt das Verwerfen des Vertrauens in eine kalte Leere, in der der Mensch stirbt, und zudem jene Gewissheit nicht erreichen kann.

Um diese Spannungen ein wenig zu erleuchten werden wir höchst seltsame Quellen zu Rate ziehen, nicht nur die Aporien des Platon, die Kritik der reinen Vernunft und Poppers kritischen Rationalismus, sondern auch die Bibel, zeitgenössische Philosophen wie Gunnar Kaiser und Hollywood-Produktionen wie Assassin’s Creed. Fangen wir von hinten an …

„Ungewissheit, Ungehorsam und der freie Wille“ weiterlesen

Hässliche Physik und Erkenntnis

Sabine Hossenfelder spricht über ihren Ansatz, den sie mit dem Buchtitel programmatisch umreißt: ‚Das hässliche Universum: Warum unsere Suche nach Schönheit die Physik in die Sackgasse führt‚. Darin bringt sie Fragen auf den Punkt, die für unser Weltverständnis eine wesentliche Rolle spielen. So ist es erstaunlich, dass es keinen wesentlichen Erkenntnisfortschritt in der Physik seit mehreren Dekaden gibt. Sicher, es gibt Verfeinerungen, aber die wesentlichen Grundlagen haben sich nicht mehr geändert. Die allgemeine Relativitätstheorie ist bereits über 100 Jahre alt. Das Standardmodell der Teilchenphysik existiert seit den 70er Jahren. Das wäre nicht weiter überraschend, wenn unsere Erkenntnis sich der Realität eben annähert. Das Problem aber, dass die unterschiedlichen Ansätze sich nicht vereinbaren lassen. Und darin gibt es keinen Fortschritt.

Kurz: Wir müssten befürchten, dass der wissenschaftliche Fortschritt in einer Sackgasse angekommen ist … in einem unbefriedigenden Zustand … und dass wir eben keinen Zukunftsoptimismus begründet sehen. Und dann ist da noch die Ästhetik … Was ist wahr, schön oder hässlich?

„Hässliche Physik und Erkenntnis“ weiterlesen

Klimakirche

Mich beschäftigen Fragen nach Gott, Kirche und Klimawandel. Darum ist es unvermeidlich, sich mit der Predigt von Luisa Neubauer, prominente Klimaaktivistin, am Abendgottesdienst in der Fastenpredigtreihe, Sonntag Reminiscere, 28.02.2021, 18 Uhr (32:57 bis 50:04 ) zu befassen. Im Umfeld und in der Kritik wurde das jugendliche Alter, der persönliche Lebensstil und die Ideologie kritisiert und die Frage nach der Rolle der Kirche in der Politik. Dies alles mögen berechtigte Fragen sein, aber man muss den Beitrag direkt wahrnehmen, anstelle durch Vorurteile nicht mehr zuzuhören. Darum ist die Originalquelle unverzichtbar.

Vorab: Die Predigt ist besser als zu befürchten war, zumindest formal. Sie hat einen klaren Bezug zum christlichen Glauben und ist rhetorisch kaum zu kritisieren. Sie ist eine differenzierte Beschäftigung mit der Sorge, der Vorsorge und der Fürsorge. Die Kritik muss sich zuerst mit den Inhalten beschäftigen. Theologische Aussagen, Tatsachenbehauptungen und Konsequenzen für das eigene und gesellschaftliche Leben sind zu prüfen. Und da tut sich Bedenkliches auf.

„Klimakirche“ weiterlesen

Schöpfung und Evolution

Für unser Selbstverständnis ist es maßgeblich, wie wir unsere Herkunft denken. Aktueller Anlass dieses Aufsatzes ist ein Artikel in der FAZ – Natur und Wissenschaft- vom 24. Februar 2021. Der Autor Joachim Müller-Jung behauptet im Untertitel: ‚Vor genau 150 Jahren stieß Charles Darwin den Menschen endgültig vom Thron der Schöpfung‘. Abgesehen davon, das der Mensch nie als der Schöpfer oder Regent der Schöpfung behauptet wurde, meint der Verfasser wohl, dass es eine Schöpfung als intentionaler Akt Gottes widerlegt sei. Das wäre jedoch falsch. Darwin hat lediglich die Behauptung aufgestellt, dass natürliche Auslese ein hinreichender Grund für die Entwicklung der Arten sei. Dies aber ist bislang unzureichend belegt, denn Modelle der Makroevolution, also von evolutiven Innovationen, bleiben ohne starke Indizien. Hier wollen wir uns mit dem Gedanken der Schöpfung, der Quellen und der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse beschäftigen.

„Schöpfung und Evolution“ weiterlesen

Was treibt die Menschen an?

Menschen verhalten sich zuweilen seltsam. Nicht nur bei Dritten erscheint es so, dass sich ihr Verhalten oft nicht nach ihren vermeintlichen Interessen ausrichtet. Wäre nicht ein Leben in Liebe und Frieden das höchste Ziel? Warum suchen sie dennoch nach Streit, Gefahr, Krieg und Ungemach? Wer kennt nicht streitende Kinder? Wer wundert sich nicht über Drogenabhängige oder Menschen, die sich Horrorfilme anschauen? Freud sprach vom Destruktionstrieb und die Religionen geben dem Bösen einen Namen. Gibt es eine Lust am Bösen? Doch stets bleiben alle Erklärungen unbefriedigend: Was treibt den Menschen wirklich an, und vor allem: Warum?

„Was treibt die Menschen an?“ weiterlesen

Fake – Philosophen

Kann es wahr sein? Der von mir hoch geschätzte Gegenwarts-Philosoph Gunnar Kaiser schockierte mit der Forderung nach einem staatlichen Gütesiegel zur Berechtigung von Philosophen zum Auftritt in Massenmedien. Die Kritik an Zeitgeist-Adlaten wie Precht, und auch die inhaltlichen Forderungen wirkten durchaus bedenkenswert. Er wollte Fake-Philosophen disqualifizieren … Tatsächlich sind die Prediger der regierungsamtlichen Wahrheit und des Zeitgeistes fragwürdige Gestalten, wenn sie gar den Duktus der autoritativen Wahrheit vermitteln wollen. Aber eine staatliche Prüfung? Das kann doch nur im Missbrauch enden! Natürlich war es tatsächlich eine Persiflage basierend auf seinen Beitrag maiLab liebt die Technokratie.

Da es aber nicht nur komisch war und eine Überzeichnung, hat er die Argumentation der zu recht kritisierten Positionen von Mai Thi Nguyen-Kim umgedreht. Die ernst gemeinten Argumente verdienen die Diskussion.

„Fake – Philosophen“ weiterlesen

Vom Wesen des Zufalls

Öfters schon stieß ich auf den Zufall als eine gebräuchliche Welterklärung, zuletzt hier: Glaube vs. Rationalität? Ich halte es allerdings für notwendig, genauer zu ergründen, was es damit auf sich hat, und was andere dazu denken. Immerhin handelt es sich ja um ein mögliches Grundprizip des Seins, soweit zumindest Peter Möller. Aristoteles führt das Sein auf den ersten Grund, den unbewegten Beweger zurück. Möller sieht hier keinen zwingenden Grund, sondern sieht in der Kausalität lediglich eine menschliche Rationalisierung, die das Sein nicht hinreichend erkennen kann.

Um das zu diskutieren ist vor allem die Rolle des Zufalls zu verstehen.

„Vom Wesen des Zufalls“ weiterlesen