Was Wahrheit und Realität sei, meinen viele Menschen intuitiv zu wissen, zumindest so ungefähr. Auch wenn es in den Rändern noch Unklarheiten gibt, so meint man doch zumeist in einer stabilen Welt und Realität zuhause zu sein. Aber diese Gewissheiten zerbröckeln oft bei genauerem Hinsehen. Persönliche Lebenskrisen, massive Verunsicherungen bei der Faktenlage, erkannte Propagandamechanismen und philosophische Reflektionen wecken grundsätzliche Zweifel. Der Wunsch nach Erkenntnis ohne Fremdbestimmung oder selbstgemachter Projektionen ist dann zu einem handlungsbestimmenden Motiv … nicht zuletzt auch der Wissenschaften.
Heute ist es Allgemeingut, das Weltbild nicht von Märchenerzählungen prägen zu lassen, sondern auf robuste Fakten zu setzen. Bezogen auf die Vergangenheit wird die Faktenlage aber recht dünn: Was ist denn die reale Geschichte? Entsteht diese nicht eher in der Projektion von mehr oder minder gut belegten historischen Zeugnissen und dem gerade gültigen Weltbild? Es gilt als Allgemeinplatz, Ansichten, die man für falsch hält, als Mythos zu bezeichnen und so in die Nähe von Märchen und Fantasie zu rücken. Dies trifft auch auf den Glauben an Gott zu. Aber jede unreflektierte Ansicht – auch wenn sie sich noch so sehr als modern und wissenschaftlich tarnt – kann dem Anspruch der Erkenntnis nicht genügen und führt zu fatalen Irrtümern. Eine systematische Durchdringung der Grundfragen mag mühsam und unmodern erscheinen, bleibt aber unabdingbar notwendig, wenn man Irrtümern und Selbstlügen nicht zum Opfer fallen will.
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