Intellektualismus und Jörg Bernig ››Habe Mut …‹‹. Eine Einmischung

Jörg Bernig, ein deutscher Erzähler und Lyriker, anerkannt im Kulturbetrieb, hat einen Eklat ausgelöst mit o.g. Rede. Weniger vor dem Publikum der 3. Kamenzer Rede, das sich mit reichlich Applaus bedankte, sondern mit dem Umgang damit. Ein Anlass, genauer hinzuschauen.

Hier ging es um die Aufklärung, Toleranz, deutsches Selbstverständnis, Medien und aktuelle Politik – aus Perspektive Lessings und Kants. Die Anregungen waren dicht und sollten in mehreren Artikeln behandelt werden. Hier aber vom Ende her – Der öffentlichen Rezeption: Der MDR wollte diese Rede aus dem Programm nehmen, machte sie dann aber dennoch öffentlich, nachdem es Kritik hagelte.

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Propaganda und Fake News: Was ist real?

Propaganda ist vermutlich so alt wie die Kriegführung. Man versucht entweder, den Feind zu täuschen, seine Moral zu untergraben oder die eigene Kampfbereitschaft zu stärken. Wahrheit ist für die Propagandisten ein untergeordnetes Kriterium. Erzählt man eine wahre Geschichte, leidet die eigene Glaubwürdigkeit nicht, wenn ansonsten ein Schwindel auffliegt. Aber wenn die passende Geschichte nicht bei der Hand hat, so wird sie erfunden. In Kriegen ereignen sich reale Gräuel. Und es werden massenweise welche erfunden. Unter den Nazis wurde Propaganda systematisch betrieben. Aber auch danach gab es gezielte Bestrebungen der systematischen psychologischen Kriegführung. Die gleichen Methoden werden nun auch in Meinungskrigen und Wahlen eingesetzt.

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Moralische Verpflichtung und die Flüchtlingskontroverse

Angesichts des Elends in vielen Krisenregionen in der Welt erreichen uns Menschen, die in Deutschland eine sichere Wohnung oder ein besseres Leben erhoffen. Das Gebot der Nächstenliebe, dass den Hilfsbedürftigen nicht im Stich lassen soll, scheint hier ein moralische Imperativ zu setzen. Selbst der Wegfall des christlichen Glaubens, der ja gerade dieses Gebot überhaupt propagierte, führte nicht dazu, dass dieses Imperativ Fortbestand hat. Anders herum: Es lässt sich auch durch die Goldene Regel begründen, dass es eine Verpflichtung zur Hilfe von Menschen in Not gibt.

Das aber kann in einer globalisierten Welt nicht mehr Eins zu Eins umgesetzt werden, denn das übersteigt die Möglichkeiten bei weitem. Ist aber der Verweis auf begrenzte Ressourcen der Trumpf im Ärmel, der die Verpflichtung aufhebt? Wie weit reicht die Verpflichtung im Besonderen?

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Selbst schuld

Der Begriff ‚Schuld‘ wird immer schillernder, je mehr man über ihn nachdenkt. Manche meinen, dass man ihnen Schuldgefühle einredet. Die Gesellschaft, das Über-Ich, die Eltern, die Kirche … eigentlich sind die Schuld an den Schuldgefühlen. Und tatsächlich gibt es auch krankhaft übersteigerte Schuldgefühle, die manche in die Verzweifelung treiben.

Im Zuge der Debatte über die Bestimmung des Menschen meinen nicht wenige Zeitgenossen, dass der Mensch vollständig ein Produkt seiner Umwelt sei. Dies bestimmt sein Sein und Empfinden, sein Denken und Handeln. Im Grunde sei der Mensch völlig determiniert. Er kann gar nicht anders handeln, als er handeln muss. Wie könnte er da noch schuld sein, wenn er doch hätte gar nicht anders handeln können? Was bedeutet ‚Schuld‘ dann eigentlich noch? Ist der Täter nicht viel mehr Opfer der Umstände?

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Heil für Gottlose … ?!

Die Spannungen hinsichtlich des Heils innerhalb des Christentums und auch davor bei den Juden ist unauflösbar. Während das Judentum und viel stärker das Christentum nicht nur vom guten Leben und der Gottesbeziehung spricht, liegt in der Heilshoffnung ein inhärentes Exklusives. Es war stets ein Zusammenprall von Lebenseinstellungen: Jenen, die sich auf dem Weg zum Heil sehen und jenes erwarten … und jenen die darauf pfeifen.

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Spannung – Irgend was passt nicht …

Viele Menschen streben nach Frieden, Freude, Harmonie … eben Glück. So sagt man zumindest. Aber in den Kinos und Fernsehen laufen allzu oft nicht Teletubbies, sondern Horror, Thriller und allerlei Abgründiges. Und auch im Alltag, in den Familien, Ehen, Arbeitsplatz und Freundeskreisen gibt es nicht selten Dissonanzen. Man macht sich aber oft nicht nur gegenseitig das Leben schwer, sondern wir stehen uns meist selbst im Weg. Warum ist das eigentlich so? Was reizt uns an der Dissonanz, der Spannung, dem Übel?

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Gleichheit und Diskrimierung

Gleichheit – im Besonderen der Rechte vor dem Gesetz – ist uns heute eine moralische Notwendigkeit und Tugend. Diskriminierung erscheint uns moralisch verächtlich. Aber ganz so einfach ist es nicht.

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Humanismus zeitgemäß oder verstaubt?

Unter dem Titel Mehr Humanismus wagen fordert Frank Furedi sich auf den Humanismus zurückzubesinnen. Getrieben von einer politisch liberalen Haltung, die auf Selbstbestimmung und Verantwortung setzt, erscheint der Sozialstaat suspekt:

Die Tendenz, Politik und Gesellschaft mit Regulierung und technokratischer Aufsicht gleichzusetzen, geht einher mit einer Missachtung der Mündigkeit erwachsener Menschen.

Allerdings beginnt Furedi mit einer fragwürdigen These:

Ursprünglich entstand der Humanismus als Antwort auf die fatalistische Kultur des europäischen Spätmittelalters. Eine der bedeutenden Errungenschaften des Humanismus ist die Einsicht, dass die Menschen nicht dem Schicksal unterworfen sind.

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Zeitgeist und Klimawandel

In der Philosophie gibt es ein Klima, das man Zeitgeist nennt, und der philosophische Klimawandel ist die Geistesgeschichte. Aber diese hat auch was mir dem sogenannten Globalklima zu tun. Denn die behauptete Erderwärmung mit den befürchteten Nachteilen und Katastrophen wirft einen Schatten auf die Zukunftserwartungen und prägt zeitgenössisches Denken. Immerhin wird das globale und persönliche Konsum- und Wirtschaftsverhalten massiv in Frage gestellt. Viele fordern auch ein politischen Wandel im Zeichen der plakatierten Klimakatastrophe. Hier aber wollen wir zwei Aspekte genauer betrachten, worin sich die Philosophie mit Klimawandel schneidet:

  • Erkenntnistheorie: Was können wir zum Sachstand wissen? Haben wir ein gigantisches Problem oder nicht? Sicher?
  • Ethik und Moral: Was folgt aus dem Klimawandel für unser Handeln? Gibt es eine Klimagerechtigkeit?

Mich stört, wenn man diese Themen unreflektiert irgendwie und beliebig beantwortet. Ebenso wenn man dies Antworten irgend welchen ideologischen Fixierungen oder persönlichen Interessen unterordnet. Aber es gibt Abhilfe …

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Unsere penetrante Suche nach absoluten Gewissheiten

Gert Scobels Gedanken zu „Schlaf der Vernunft“ 

Nicht zuletzt der provokante Titel veranlasste mich zu einem Kommentar. Doch eines nach dem Anderen:

Auch die totale ökonomische Verwertung des Menschen in Auschwitz scheint zur Vernunft zu gehören, wenn auch zu einer pervertierten Form der Vernunft. So hilfreich die Vernunft einerseits sein kann, so furchtbar und erschreckend scheinen andererseits manche ihrer kühnen Träume zu sein.

Mich beunruhigt, wenn die Dinge nicht beim Namen genannt werden. Denn wenn wir moralische Werturteile fällen, dann können wir diese auch vollumfänglich vertreten. So kann man ganz im Sinne von Victor Frankl das Gewissen zum Zeugen rufen, wenn wir eine entmenschlichste Grausamkeit aufs schärfste Verurteilen. „Unsere penetrante Suche nach absoluten Gewissheiten“ weiterlesen