Dugin’s politische Philosophie

Alexander Dugin gilt als einflussreicher Denker Russlands. Was unterscheidet ihn von einem gewöhnlichen Publizisten oder Politiker, dass er als Philosoph bezeichnet wird? Er schreibt nichts zur Ontologie des Menschen und des Seins, man findet keine grundsätzlichen Arbeiten zur Ethik oder Ästhetik, auch bei Sprachanalysen wird man nicht fündig. Was ihn als Philosophen qualifiziert ist die Herleitung geistesgeschichtliche Entwicklungen auf das wirkmächtige Denken politischer Trends. Und in der Tat kann er damit erstaunliche Deutungen liefern, die plausible Hintergründe von Ereignissen und Entwicklungen zeigen, die ansonsten nur an Orwells 1984 oder die scheinbare Absurdität Kafka erinnern.

Am Bespiel Dugins wird auch ein verhängnisvoller Trend deutlich: Man will erst gar nicht mehr verstehen, sondern zuerst urteilen und einordnen: Ist Dugin gut oder böse? Ist er rechtsextrem oder Kommunist? Gehört er zu den verhassten Feinden?

Hier werden einige Grundaspekte zur Person und seines Denkens diskutiert. Folgeartikel werden auf bestimmte Aspekte vertieft eingehen. Zunächst zur Methode der Verfemung, die nicht nur Alexander Dugin im öffentlichen Diskurs trifft.

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Kategorien des Denkens

Intellektuelle, im Besonderen Philosophen, sind geneigt, das Denken schlechthin für die vornehmste Tätigkeit des Menschen zu halten. Es setzt den Menschen vom Tier ab. Wie sonst könnte Wahrheit, Erkenntnis und Weisheit gewonnen werden?

Andere halten das für naiv, denn Denken wird allzu oft als Instrument der Durchsetzung von Interessen verwendet, zur Rechtfertigung von Motiven die nicht im Denken ihren Ursprung haben. Denken sei vielmehr der Überbau, die Firnis auf irrationalen Beweggründen, die nur die Oberfläche veredelt.

In der Tat stellt Denken an sich noch keine moralische Qualität dar. Es gibt sowohl das Motiv des reinen Erkenntnisgewinns und Suche nach dem Guten, als auch die Perfektion des Bösen, das mit intelligenter Anreicherung um so mächtiger wirkt. Intelligente und gebildete Menschen sind darum in moralischer Hinsicht keineswegs dem schlichten Menschen überlegen. Aber auch die Arten des Denkens, ein Nachdenken, Vordenken, Querdenken – mal mehr oder weniger originell, mögen je eine Rolle spielen. Neben dem Selbstbetrug kommen wir schließlich zu den wirkmächtigen Kerngedanken …

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Erklärung der deutschen Bischöfe zur AfD

Mir ist der Glaube an Jesus Christus äußerst wichtig. Ich bin auch deswegen aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil ich da diesen unverfälschten Glauben nicht mehr hinreichend fand, aber ich blieb im Respekt vor anderen Glaubensvorstellungen der katholischen Kirche positiv zugewandt. Nun hat die Deutsche Bischofskonferenz unter dem Titel: Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar eine Stellungnahme zur AfD herausgegeben, die ich hier anhand der Bibel und der Stichhaltigkeit überprüfen möchte.

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Erasmus, Luther und der freie Wille

Das Thema der Willensfreiheit ist bedeutsam in der Philosophie und des Glaubens. Denn es entzündet sich daran die Frage, was denn der Mensch sei. Ist er eine eigene moralische Instanz oder nur Spielball anderer Kräfte?
Für den Naturalisten ist die Frage nach der Seele und der Eigenständigkeit des Menschen eher fremd. Viele versuchen die naturalistische Einflüsse auf das Denken als vollständig anzusehen. Nichts bleibt dann vom Menschen, als ein triebgesteuertes Tier, dass sich zusätzlich ein moralisches Bewusstsein als Illusion leistet. Kann dann der Mensch selbst schuld sein? Dies wurde bereits diskutiert in Ungewissheit, Ungehorsam und der freie Wille und Keine Sternstunde der Willensfreiheit.

Hier aber wollen wir im Besonderen dies im Licht des christlichen Glaubens betrachten, zumal ein denkwürdiger Disput bereits vor 500 Jahren stattfand, der zwischen Erasmus von Rotterdam und Martin Luther in zwei Aufsätzen erschien und sich erstaunlich modern anfühlt. 1524 verfasste Erasmus die Schrift ‚Vom freien Willen‘ (Original De libero arbitrio) , der auch heute noch in Klarheit zu folgen ist. Luther erwidert mit seiner Schrift ‚Vom unfreien Willen‘ 1525.

Der Argumente sind es viele und es ist notwendig, diese detailliert zu betrachten. Man mag es als eine anstrengende akademische Übung ablehnen, für mich ist es jedoch hilfreich zur Erkenntnis der eigenen Überzeugungen, die sich daran schärft.

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Keine Sternstunde der Willensfreiheit

Es ist bitter zu sehen, wenn sich besondere Menschen selbst verzwergen. Sabine Hossenfelder ist eine herausragende theoretische Physikerin, Wissenschaftsjournalistin und Webvideoproduzentin, die sich durch unkonventionelle und hervorragende Beiträge empfohlen hat. Ihr Ansatz ist geprägt von einem unbändigen Interesse am Verständnis der Wirklichkeit und verfügt über beachtliche intellektuelle Ressourcen. Sie scheint sich nicht durch Vorgaben und äußere Zwänge beeindrucken zu lassen. Also beste Voraussetzungen, wesentliche Beiträge zur Philosophie zu liefern.

Was aber ist passiert? In der Reihe SRF Kultur Sternstunden wurde am 03.12.23 ein Gespräch mit ihr und Yves Bossart veröffentlicht unter dem Titel: «Freier Wille – das macht keinen Sinn» | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur Wäre es nicht ratsam, die vorgetragenen Argumente respektvoll zu würdigen, anstelle ein harschen Urteils darüber abzugeben? Damit wäre man aber nur dann gut beraten, wenn denn stichhaltige Argumente vorgetragen worden wären … aber das war nicht der Fall. Hier eine Replik, die sich nicht nur auf die eingeengte Mono-Perspektivität bezieht, sondern auch auf die Dogmatik und Inkonsistenz ihres eigenen Ansatzes. Zunächst der Reihe nach …

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Auf der Suche nach Glück

Für manche mag das Glück der Inbegriff des Lebenssinnes sein … oder: Der Sinn des Lebens ist die Grundlage des Glücks. Ist das also das höchst Ziel? Fraglos erscheint es das Recht jedes Menschen zu sein, sein Glück zu suchen und zu finden. So findet es sich auch in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung:

The Declaration of Independence identified “the pursuit of happiness” as one of our unalienable rights, along with life and liberty. Rosen profiles six of the most influential founders—Benjamin Franklin, George Washington, John Adams, Thomas Jefferson, James Madison, and Alexander Hamilton—to show what pursuing happiness meant in their lives.

The Pursuit of Happiness: How Classical Writers on Virtue Inspired the Lives of the Founders and Defined America

Aber ist dies tatsächlich über allem? oder ist es nur ein untergeordnetes Ziel? Und was ist dieses Glück eigentlich? Gibt es das wahre Glück überhaupt? Oder ein Falsches?

Zu einer Diskussion über das Glück im metaphysischen Kontext verweise ich auf Gerechtigkeit, Gott und das Glück

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Rache – Recht – Gewaltverzicht

Der Begriff der Rache ist in unserer Kultur zumeist negativ konnotiert, als eine archaische Leidenschaft, die eingedämmt werden muss. Recht hingegen gilt als positive Leitschnur der Moral. Darum ist auch von Gewalttätigkeiten Abstand zu nehmen, denn der Staat hat mittels dem Recht das Gewaltmonopol. Soweit eine zentrale Vorstellung.

Dies alles bedarf der Reflektion und geschichtlichen Herleitungen. Im Besonderen, da die Rechtsstaatlichkeit immer fragwürdiger wird und der Staat den Schutz vor fremder Gewalt immer weniger sicherstellt. Nicht zuletzt stehen dies Begriffe in enger Beziehung zur christlichen Ethik.

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Imperative des Geistes

Ein kurzer Text mit gewaltiger Sprengkraft in konzentrierter Form – nicht nur für jeden persönlich, sondern auch für die gesamte Geistesgeschichte. Dennoch wurde er oft unterschätzt … warum? Wird er schlicht nicht verstanden oder gar absichtlich umgedeutet? Erscheint er allzu selbst-evident? Ist der Text nur eine Sammlung allgemeiner Weisheit? Er ist es nicht, sondern ein logisches Kunstwerk:

19 Den Geist löscht nicht aus. 20 Prophetische Rede verachtet nicht. 21 Prüft aber alles und das Gute behaltet. 22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.

1.Thessalonicher 5

Diese Grundregeln haben die Geistesgeschichte des Westens geprägt … und darüber auch den der übrigen Welt. Sie sind an Christen adressiert, die den Geist als Gabe Gottes verstehen. Aber selbst säkulare Menschen, die Gott und den Heiligen Geist ablehnen, finden einen Wiederhall, wenn sie ihr eigenes rationales Denken und ‚Intuition‘ oder andere Formen irrationaler Erkenntnis darunter verstehen.

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Rationalisiertes Gottvertrauen

Die Science Fiction Serie ‚3 Body Problem‘ wirft eine Reihe von philosophischen und moralischen Fragen auf. Hier geht es um die strukturelle Gleichheit eines jeden Gottvertrauens, einschließlich des Christentums, mit jenem Vertrauen in die überlegene Macht der Trisolarier. Diese seien in diesem Gedankenexperiment erwiesener Weise real (im Gegensatz zu Gott der jeweiligen Religionen) und nahezu allmächtig und allwissend, den Menschen weit überlegen. Als nun die Sekte auffliegt und weitgehend ausgelöscht wird, beginnen die Gläubigen zu zweifeln. Wie konnte ihr Lord das zulassen?

Sowohl  die Astrophysikerin Ye Wenjie, als auch der US-Milliardär und Umweltaktivist Mike Evans erklären es den Zweiflern so: Die Intelligenz der Trisolarier ist den Menschen so weit überlegen, dass sie den Plan der Trisolarier nicht verstehen können, aber das sollte das Vertrauen in die Trisolarier nicht erschüttern.
Der Zuschauer erfährt aber, dass sich die Trisolarier von jener Sekte abgewandt haben und sie schlicht nicht mehr beschützen. Somit liegt eine klassische Rationalisierung vor, um den Glauben gegen Zweifel zu schützen. Die Parallelen zum christlichen Gottesglauben sind offensichtlich … oder doch nicht?

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Wissenschaftlichkeit und Lagerbildung

Dr. Andreas Schmitz betreibt einen Kanal auf YouTube als ​ @Akkudoktor, der zu Fragen von Wissenschaft und Technik interessante Beiträge liefert, die meist gut recherchiert und argumentiert werden. Nichts desto Trotz schlägt zuweilen Voreingenommenheit stark durch, die den Wert seiner Arbeit in Frage stellt. Im Besonderen diskutierte er in diesem Video

Dieses Beispiel zeigt so UNFASSBAR gut, was in Medien & Politik schief läuft!

das Problem der Voreingenommenheit und Verzerrungen im Wissenschaftsbetrieb. Ein wichtiges Thema, das jedoch auch Schmitz an die Grenzen seine Voreingenommenheit führte. Im Besondern in den Kommentaren verstieg sich Schmitz in eine propagandistische Rhetorik, die die Problematik von Wissenschaft und Bias sehr deutlich macht … und das nicht als positives Beispiel.

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