Sinn des Lebens … und der Zufall

Hat das Leben überhaupt einen Sinn? Oder ist doch alles sinnlos und leere Illusion? Kann man dem Leben, das von Sich aus keinen vorgegebenen Sinn haben könnte, im nachhinein einen Sinn geben? Die Fragen entstehen vor allem dann, wenn wir den Zufall eine bestimmende Rolle in unserer Existenz beimessen. Sind wir allerdings gegründet in dem Schöpfungswillen Gottes, hat unser Leben den von Gott vorgegebenen Sinn. Es gilt dann, diesen zu erkunden.

Hier wollen wir uns in beiden Richtungen einige Gedanken machen. Sich selber Ziele im Leben zu geben, Werte zu erkennen und ein Streben nach dem Glück alleine ist nicht zu verwechseln mit dem Sinn des Lebens. Ein Gerät, das Menschen erbauen, hat seinen Sinn darin, dass es bestimmten Funktionen dient. Auch ein Kunstwerk hat den Sinn, sich auszudrücken, einen Gedanken oder Gefühl zu vermitteln, oder schlicht Ästhetik zu realisieren. Doch was ist mit mir selbst?

Zufall und Sinn

Wer davon ausgeht, dass unser Leben eben nicht von Gott gewollt ist, sondern wir ohne Plan und Absicht auf die Erde kamen, hat ein Problem mit dem Sinn seines Lebens. Es wäre nicht viel mehr als ein Illusion, das Leben für sinnvoll zu halten, denn dazu fehlt die Grundlage nach jener Prämisse. Ohne vorgegebenen Sinn wäre die Frage, ob wir dem Leben denn einen Sinn geben können, sozusagen etwas an sich sinnloses im Nachhinein zu adeln. So könnte ein guter Mensch vielleicht das Lob seiner Mitmenschen verdienen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Staub der Geschichte verweht ist. Auch die Kindeskinder werden sterben.

Ziele zu verfolgen, einfach nur das Leben genießen oder eine selbst gewählte Mission zu verfolgen mag an sich durchaus sinnvoll sein, aber es ist nicht der Sinn an sich, sondern bestenfalls ein Sinnersatz.

Obwohl der Zufall oft auch bei jenen Zeitgenossen, die an die Schöpfung Gottes glauben, oft selbstverständlich erscheint, so kann doch der Zufall als beliebiger Freiheitsgrad dennoch einem Ziel dienen. Denken wir an viele moderne Künstler, die bewusst erratische Element in ihre Werke einbauten, Kleckse oder Collagen aus Objekten, die zunächst keineswegs dem Ziel des Kunstwerks dienten. In der Zusammenstellung wird diesem Werk der Status der Kunst und damit des Sinns erzeugt. In einer Natursteinmauer hat auch nicht der einzelne Stein an sich einen Sinn, die Mauer aber sehr wohl.

Somit kann Schöpfung auch ungeachtet der Existenz von Zufällen gedacht werden und das eigenen Leben im Kontext der Schöpfung sinnvoll erkannt werden. Dann aber würde sich der Zufall nicht als letztes Prinzip auswirken, sondern wäre nicht viel mehr als eine Zwischenschicht, die an der Sinnfrage nicht wirklich rüttelt.

Wenn nun jener Naturstein einen Sinn in einer Mauer erst erhält, wäre es dann mit dem Menschen nicht ebenso, auch wenn der Gottesgedanke nicht akzeptiert würde? Wer aber baut dann die Mauer? Wenn es der Mensch selber ist der den Sinn stiftet, wäre es, als würde sich Münchhausen selbst an Schopfe aus dem Sumpf ziehen – es fehlt an dem Bezugspunkt. Zudem wäre dieser Sinn sehr beliebig. Wenn es ein Mensch zu Wahlspruch macht: ‚Macht kaputt, was euch kaputt macht!‘ … dann wäre die ein völlig anderer Sinn und beliebig austauschbar mit jenem, der sein Leben für andere hingeben will … oder viele andere vorstellbare Ziele. Warum nun das Eine und nicht das Andere wählen?

Gott als Sinnstifter

Wenn wir gottgewollt sind, ob nun als Einzelner in unserem So-Sein, oder als Ganzes der Menschheit, so denken wir, dass diese Intention auch den Sinn vorgibt. Dieser wäre völlig unabhängig davon existent, ob wir dem zustimmen und diesen wahrnehmen oder nicht. An uns wäre es, diesen Sinn auch zu erkennen und uns dem entsprechend auszurichten. Die Freiheit des Menschen ermöglicht ihm, diesen Sinn auch denn zurückzuweisen, auch wenn er ihn erkannt hat, oder wenn sich ein Mensch weigert, diesen Sinn zu erkennen.

Wer die Rebellion als Option nicht wählt, wird sich fragen, was denn nun der Sinn ist. Wozu bin ich geschaffen? Die Antworten finden sich in der Bibel, aber auch die reine Überlegung kann zu den gleichen Ergebnissen führen. Die Existenz schlechthin, also die des Universums und allem was darinnen liegt, also auch uns selbst, kann als Schöpfungstat nur verstanden werden, dass es die geronnene Liebe ist, dem Willen zum Leben. Dies ist auch nach der Bibel das Wesen Gottes. Die Liebe ist der Selbstzweck. Das Leben-wollen eine Grundbejahung dieser Existenz. Damit ist das bloße Dasein und die Freude am Leben bereits Ausdruck dieses Sinns. sie unterscheidet sich durch die davon ausgehende Harmonie mit dem Schöpfer von einer trotzigen Eigensinnstiftung, auch wenn diese im Praktischen sehr ähnlich sein kann. Liebe als Kind des Zufalls mag ehrenhaft sein, aber sie ist dann völlig beliebig, wenn hinter diesem Ziel nicht nur das Unvermögen der bewussten Erkenntnis liegt.

Die Liebe deckt vieles zu und hilft auch jenen, der sich der Erkenntnis Gottes verschließt. Dies aber ergibt nur dann Sinn, wenn die Tiefe der Realität genau von jener Liebe getragen ist. Liebe ohne diese Erkenntnis wäre dann immer noch wertvoll, aber sie beraubt sich ihrer Wurzel. Unter diesen Mangel an Erkenntnis kann die Liebe weit leichter verdorren. Wenn die Last auf den Liebenden zu groß wird, wird er sich fragen, warum er sich nicht dem Hass oder der Depression hingeben soll. Dagegen kann der schwache Gläubige auch in Not seinen Trost in Gott auch dann finden, wenn alles andere zerbricht.

Ist Gott real?

Dies alles mag ja stimmig sein, aber der Glaube wird zur Illusion, wenn er nicht der Realität entspricht. Gerade um der Freiheit willen ist es möglich, die Realität Gottes im Glauben anzunehmen … oder auch nicht. Dazu müssen beide Optionen zumindest plausibel denkbar sein. Ich selbst halte die Existenz schlechthin ohne den unbewegten Beweger mit Aristoteles für unplausibel. Aber andere Menschen, vor allem im Westen, teilen diese Überzeugung nicht. Nach Prüfung deren Argument bleibt m.E. nicht viel übrig außer dem, dass sie von einem realen Gott eben andere Erkenntnismöglichkeiten und weit weniger Leid erwarten.

Selbst die volle Akzeptanz aller wissenschaftlicher Erkenntnis, auch derer, über die wir heute noch gar nicht verfügen können, gibt es keinen Grund, die Existenz Gottes für falsch zu halten. Denn jedes Wissen über die Mechanik der Welt, auch der Quantenmechanik, kann zwar viel Wissen über das Wie kompilieren, aber nichts über das Warum. Ein Lückenbüßer-Gott ist darum ein Kategorie-Fehler jener, die dies für eine berechtigte Kritik halten. Wenn an alles über das konkrete Mensch-Ärgere-Dich nicht spiel weiß, die chemische Zusammensetzung, alle Moleküle, sogar über den wilden Tanz der Elektronen und der Quanten, wenn man den Herstellungsprozess im letzten Detail kennt, die Druckerpressen, deren Herstellung, die Papiermühlen und die Herkunft der Grundstoffe … man wüsste nicht über den Sinn des Spiels. Den aber kann jedes Kind verstehen, denn die Regeln des Spiels sind gewollt erfunden worden und keineswegs zufällig. Eine detaillierte wissenschaftliche Erkenntnis ist dazu nicht erforderlich.

Sagt aber nicht die Evolution und die Lehre vom Urknall nicht, dass eine Schöpfung Gottes nicht erforderlich wäre, um unsere Existenz zu erklären? Die Bejahung ist allerdings ein verbreiteter Irrtum, der eben jenem Kategoriefehler folgt. Denn auch der Zufall an sich bedarf der Ursache. Ein zufälliges System zu erstellen, einen Zufallsgenerator, ist ein schwieriges Unterfangen. Wenn der letzte oder erste Grund der Existenz im Zufall beruhte, wäre es erstaunlich dass etwas derartiges ohne weitere Ursache entstehen konnte. Der Glaube an Gott dem Schöpfer, der ebenso ohne einen Grund existiert, ist aus wissenschaftlicher Sicht keineswegs weniger plausibel. Im Gegenteil: Der Glaube, dass unsere Existenz aus einer langen Kette von nahezu unmöglichen Zufällen entstand ist auch nicht mit großen Zahlen zu erklären. Dies kann man relativ leicht wissenschaftlich überprüfen.

Halten wir fest: Der Glaube an den Gott der Liebe, dem Schöpfer und Sinnstifter, wird offensichtlich nicht von allen Menschen geteilt. Aber es gibt keine zwingenden Gründe, dies nicht für den Urgrund der Wirklichkeit zu halten. Durch die Kohärenz der Welt, im Besonderen mit seinem Sinn, wird dies Weltsicht vorzüglich. Sie sollte uns erleichtern, den Weg zur Liebe zu finden.

Ein Gedanke zu „Sinn des Lebens … und der Zufall“

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