Identität – Gruppendenken – Ideologie

Ganz offensichtlich ist es eine Grundfrage für jeden, wer er eigentlich sei. Manchmal explizit und bewusst, oftmals implizit durch die Suche nach Identifikationsfiguren. Zumeist ist darin die Einordnung in die soziale Bezugsgruppe ausschlaggebend. Dies ist für gewöhnlich verbunden mit Adaption des vorherrschenden Gruppen-Selbstverständnis. Stabilisierend für diese gruppendynamische Prozesse ist die Beimessung der Loyalität zu dieser Gruppe als hohen Wert. Wie weit passt dies zur Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit des Menschen?

Da viele gruppendynamische Prozesse unabhängig von der konkreten Ideologie und Wertvorstellungen ablaufen, stellt sich die Frage: Sind Ideologien zumeist nur ein Überbau, der inhaltlich fast keine Bedeutung hat, sondern sozioökonomische und politische Prozesse das Denken prägen? Frei nach der marxistischen These: Das Sein bestimmt das Bewusstsein?

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Keine Sternstunde der Willensfreiheit

Es ist bitter zu sehen, wenn sich besondere Menschen selbst verzwergen. Sabine Hossenfelder ist eine herausragende theoretische Physikerin, Wissenschaftsjournalistin und Webvideoproduzentin, die sich durch unkonventionelle und hervorragende Beiträge empfohlen hat. Ihr Ansatz ist geprägt von einem unbändigen Interesse am Verständnis der Wirklichkeit und verfügt über beachtliche intellektuelle Ressourcen. Sie scheint sich nicht durch Vorgaben und äußere Zwänge beeindrucken zu lassen. Also beste Voraussetzungen, wesentliche Beiträge zur Philosophie zu liefern.

Was aber ist passiert? In der Reihe SRF Kultur Sternstunden wurde am 03.12.23 ein Gespräch mit ihr und Yves Bossart veröffentlicht unter dem Titel: «Freier Wille – das macht keinen Sinn» | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur Wäre es nicht ratsam, die vorgetragenen Argumente respektvoll zu würdigen, anstelle ein harschen Urteils darüber abzugeben? Damit wäre man aber nur dann gut beraten, wenn denn stichhaltige Argumente vorgetragen worden wären … aber das war nicht der Fall. Hier eine Replik, die sich nicht nur auf die eingeengte Mono-Perspektivität bezieht, sondern auch auf die Dogmatik und Inkonsistenz ihres eigenen Ansatzes. Zunächst der Reihe nach …

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Unschärfe des Glaubens

Über Jahrtausende rangen mehr oder weniger ernsthafte Denker um die wahre Lehre, im Besondern im Judentum und Christentum, aber auch in fast allen weltanschaulichen Lehren, die sich nicht unter dem Label ‚Religion‘ bezeichnen lassen. Offensichtlich gab es auch stets die Irrlehren, die auf gegebenen Dogmen aufbauend zu verdrehten und verfälschenden Ergebnissen kamen. Das gilt für politische Ideologien ebenso wie für philosophische Ansätze.

Es ist darum unverzichtbar, jene falschen Lehren zu identifizieren und auszuschließen. In der ruhmreichen Suche nach der Wahrheit bildete sich stets jeweils eine Orthodoxie heraus, die oftmals gute Argumente und beachtliche Denkgebäude vereinten, aber die zumeist in unerbittlichen Ausschlüssen von Querdenkern führte … die oft berechtigte Einwände oder Alternativen vertraten.

Es wäre fatal, eine Orthodoxie stumpf gegen eine andere zu setzen und diese mit geistfernen Mittlen – im Besonderen durch Gewalt – durchsetzen zu wollen. Eine Meta-Orthodoxie muss also von der Unschärfe ausgehen, dass es den verengten Wahrheitsanspruch nicht geben kann. Vielmehr weist gerade die Struktur der Erkenntnis auf die faktische Unklarheit hin: Ist diese Unschärfe gar gottgewollt? Beziehungsweise dem Wesen der Realität geschuldet?

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