Das Gefühl der Gerechtigkeit

Man mag die Ursprünge jenes Gefühls darin sehen, dass man sich selbst als zurückgesetzt erfährt. Weiter fragt sich der Mensch dann: War das vielleicht berechtigt? Oder was ist eigentlich gerecht … und was ist gut und böse? Kann das Gute ungerecht sein oder das Böse gerecht? Dieses Gefühl wird dann mit Nachdenken und Reflektion einerseits, andererseits durch Sozialisation und Kultur geprägt.

Könnte man nicht einfach sagen: Wer die Macht hat, kann das tun was er will. Bzw. jeder kann willkürlich im Rahmen seiner verfügbaren Macht handeln. Ob das nun nach seinem Gerechtigkeitsempfinden entspricht oder nicht ist allein seine Sache. Gerechtigkeit wäre dann nur eine persönliche Geschmacksfrage.

Offensichtlich gibt es aber sehr wohl überpersönliche Normen, die dem Gerechtigkeitsempfinden mehr oder minder entsprechen. Das fängt bei Sitten und Gebräuchen und religiösen Geboten an. Schließlich werden diese in Gesetze gefasst, aber sie verändern sich und unterscheiden sich zwischen den Völkern und Religionen. Was ist dann generell verlässlich gerecht oder nicht? Was ist mit dem Völkerrecht und der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte? Oder gibt es über den mehr oder minder demokratischen Konsens hinaus eine robuste Begründung? Eine Referenz zum Absoluten?

Die These von der absoluten Gerechtigkeit

Auch Kant nahm den moralischen Gottesbeweis für gültig: Gäbe es keinen absoluten Gott, wäre alles beliebig und sinnentleert. Gerechtigkeit wäre nur der verschleiernder und sentimentaler Mantel für Willkür. Ethik bliebe dann beliebig und letztlich unverbindlich.

Eine reine Vernunftethik kann auch nicht wirklich befriedigen, denn was denn vernünftig sei, gibt es teils konträre Ansichten, die oft noch weiter auseinander liegen als die gefühlte Gerechtigkeit … und wer wäre dann Richter?

Ein Konsens der Mehrheiten scheint der gegenwärtige Kompromiss zu sein, in dem die demokratisch gewählte Legislative zur Hüterin der kodifizierten Moral wird. Allerdings zweifeln nicht wenige, dass diese Veranstaltung immer mehr zur Farce verkommt, da die Beispiele jener beobachtbarer Gerechtigkeit oft im krassen Gegensatz zum eigenen Gerechtigkeitsempfinden stehen.

Zurück zur Idee das absoluten Guten, die nicht von fragwürdigem Empfinden oder umstrittenen Vernunfterzeugnissen abhängig ist: Ist nicht die beobachtbare Tatsache, dass es auch in den Überzeugungen der Religionen und dem Empfinden der Menschen große Unterschiede gibt, der unschlagbare Beweis, dass diese Idee nicht zutreffend sei? Tatsächlich argumentieren viele Atheisten und säkulare Menschen so, aber das ist ein gedanklicher Kurzschluss:

Die Existenz Gottes und des absolut gerechten Guten ist nicht notwendiger Weise daran gebunden, dass man es auch unverfälscht erkennen kann. Gerade um der Freiheit willen ist es sogar eine Notwendigkeit, eben jene Unschärfe und Ungewissheit zu haben, die erst das eigene Denken und die Willensfreiheit ermöglicht. Sonst wäre es praktisch ein Zwang, das Gute zu tun und das Böse und Falsche zu lassen. Jeder wüsste, dass der Übeltäter eben nur Ungehorsam gegen Gott sei.

Ebenso wenig stichhaltig ist der Gedanke, dass jede Behauptung, eine Offenbarung Gottes zu sein, falsch sein müsse, denn es gäbe ja auch diesen entgegenstehende Behauptungen. Wir wissen von einfachen Faktenbehauptungen, dass diese völlig zutreffend, leicht verzerrend und unvollständig oder gar völlig falsch sein können. Aus der Existenz der Lüge und des Irrtums lässt sich nicht auf die Nichtexistenz der Wahrheit schließen. Darum kann jede Grundlage einer Ideologie und Religion, die sich auf eine absolute Wahrheit und deren Offenbarung bezieht, entweder völlig falsch, teilweise zutreffend oder vollständig korrekt sein. Da aber die Wahrheit nur eine sein kann, können eine Vielzahl von deren unvereinbaren Behauptungen nur überwiegend unzutreffend sein. Sich dieser Wahrheit zu nähern ist fraglos die Aufgabe des Menschen, sofern er von der Existenz der Wahrheit überzeugt ist, die nicht nur als Geschmackssache gilt. Die meisten, die das bestreiten, sind merkwürdig inkonsistent, wenn sie falsche Behauptungen und Lügen nicht einfach als alternative Wahrheiten stehen lassen wollen.

Und ebenso verhält es sich mit der Gerechtigkeit. Neben den unterschiedlichen Empfinden und Ansichten entdecken wir auch viele Gemeinsamkeiten. Kann es sein, dass jenes Empfinden eine Gabe des Menschen ist, sich dem Absoluten zu nähern, ohne jedoch die zweifelsfreie Gewissheit jenseits des Glaubens zu erlangen?

Wie erkenne ich die Gerechtigkeit?

Wenn das Empfinden zwar kein sicherer Indikator ist, was nun gerecht sei, sondern möglichen Überformungen und Verzerrungen unterliegt, so kann es doch in seiner Rohform als eine Hilfe sein, die davor schützt, sich vom Wind der Worte allzu leicht hinters Licht führen zu lassen. Weiter ist die Vernunft alleine kein hinreichendes Werkzeug der Erkenntnis, denn auch hier lassen sich keine eindeutigen Ergebnisse feststellen. Aber die Vernunft kann mit der entsprechenden Denkdisziplin und der Reflektion der Gefühlswahrnehmung dazu beitragen, Irrwege zu vermeiden.

Wer nun davon überzeugt ist, dass es eine Wahrheit über das subjektive Empfinden hinaus gar nicht gibt, oder man sich dieser nicht annähern kann macht jenes Bemühen um einen Erkenntnisprozess zu einer sinnlosen Übung. Eine subjektive Wahrheit wäre dann nur eine Überzeugung der Beliebigkeit. Diese Position können wir also bei weiteren Überlegungen ausschließen.

Menschen, die einen Gedanken an einen Gott oder spirituelle Realitäten ablehnen, können aber dennoch von einer verbindlichen Realität und Wahrheit ausgehen und daraus eine ethische Pflicht herleiten. Zwar bleibt die metaphysische Ausprägung hier offensichtlich lückenhaft und die Begründung schwach, doch das hindert jene nicht, dennoch zu Ergebnissen in der Ethik zu kommen, die sich denen der Gottgläubigen ähneln. Es wäre darum falsch, die Moralität eines Menschen allein von seinem metaphysischen Glauben her zu beurteilen. Gerade im Beispiel des guten Samariters zeigt Jesus, dass die moralische Tat eben nicht an den spirituellen Überbau geknüpft ist. Gleichsam werden jene, deren Glaube eigentlich nicht kritisiert wird, deren Handeln sich aber mit diesem nicht deckt, als Heuchler scharf gegeißelt.

Dem Erkenntnisprozess der Gerechtigkeit ist es aber wenig hilfreich, sich auf schwache Grundlagen zu beziehen. Das Irrtumsrisiko wird dadurch vergrößert. in der Tat gibt es auch viele sogenannte Gutmenschen, die sich selbst zwar für die Guten halten, von Dritten aber keineswegs als Täter des Guten eingeschätzt werden. Sicher ist es als Tugend zu betrachten, wenn man nicht nur die eigenen Interessen ohne Rücksicht auf Dritte zur Handlungsgrundlage erwählt, sondern nach dem Guten und Gerechten strebt. Gleichsam ist es aber offensichtlich, dass eine Gesinnungsethik, die ja nur das Gute will, aber dennoch das Böse schafft, in der Geschichte oft belegt ist. Anstelle von Skrupellosen richten oft die ‚moralischen‘ Menschen zum Teil noch größeren Schaden und Verbrechen an. Es ist ein Mittel der Herrschaft, die Menschen mit dem vermeintlich guten zu verführen. Der absolute Herrscher versuchte zunächst die Menschen mit Terror und Angst einzuschüchtern, aber am nachhaltigsten ist es, die Menschen dazu zu bringen, das Gefühl nach Gerechtigkeit so zu steuern, dass es im Sinne des Herrschers ist. Nur so kann der Totalitarismus funktionieren. Die Propaganda zielt nun darauf, das Gefühl der Gerechtigkeit so zu instrumentalisieren, dass es im Sinne der Herrschaft ist. Darin ist es gleichgültig, ob hier perfide Massenpsychologen gezielt am Werk sind, oder ob die Täter als intuitive Überzeugungstäter mit reinem Gewissen selbst für gutwillig halten. Wenn sich die Wirkung nicht unterscheiden lässt, kann dem Überzeugungstäter keine Entlastung zugebilligt werden.

Wer nicht in jene Falle tappen will, sich massiv zu irren oder verführen zu lassen, um nicht doch zum Werkzeug des Bösen zu werden, muss sich fragen, wie er dies vermeiden kann. Ein selbstkritischer Umgang kann hier sehr hilfreich sein. Der Glaube an das absolute Gute kann dann zur Gefahr werden, wenn man sich der Erkenntnis jener Wahrheit allzu sicher ist. Hier sind religiöse Eiferer nicht minder gefährlich wie säkuläre Revolutionäre, die weder vor staatlichen Anmaßungen, noch individuellen Terroranschlägen zurückschrecken. Die unverzichtbare Selbstkritik soll aber auch nicht in einem lähmenden Zweifel verharren, der sich nichts mehr traut, sondern den Mut zur Gerechtigkeit trotz des Zweifels befördern. Es gilt also, eine Balance zwischen dem eigenen Empfinden und der Vernunft, die sich in der selbstkritischen Reflektion zeigt, zu finden.

Beispiele im Politischen

Wie wir gesehen haben, mag die Gerechtigkeit absolut sein, das Empfinden jener ist es nicht. Es bilden sich stets gewisse Varianten heraus, ob aus der eigenen Überlegung oder aus den sozialen Dynamiken heraus, im Besonderen der Peer Group. Zumindest die Betonung, was denn nun wichtig sei, und was eben eher vernachlässigbar, kann man vor allem in den politischen Lagern finden. Hier mag vereinfacht auf die wesentlichen Empfindungen referenziert werden, die in der Realität aber zuweilen Mischformen oder Übergänge ausweisen. Im Besonderen ist es wenig klärend, wenn man beim klassischen Rechts-Links-Schema bleibt. Doch zunächst mal anhand dieses.

Die Linke

Soziale Gerechtigkeit ist hier das Kernempfinden. Die Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen durch andere Menschen wird als zutiefst ungerecht empfunden. Daraus leitet sich dann die moralische Pflicht her, dies nicht untätig als gegeben hinzunehmen, sondern dagegen zu handeln. Die Idealvorstellung ist dann die absolute Gleichheit, die offensichtlich nicht erreicht werden kann. Aber einmal auf der Spur ist das linke Empfinden immer stärker sensibilisiert, echte und vermeintliche Ungerechtigkeit aufzuspüren. Ungleiche Einkommensverteilung ist selbst dann noch kaum erträglich, wenn auch die Ärmeren noch in Wohlstand leben.

Dem Linken ist die Moral sehr wichtig, auch wenn dies zuweilen zu Inkonsistenzen führt, wenn jener Linke überdurchschnittlichen Wohlstand erreicht. Er neigt dann nicht dazu, jenes Mehr einfach an die Armen abzugeben, sondern sieht es eher als gesellschaftliche Aufgabe, jene Verhältnisse so zu ändern, dass die Gleichheit eher erreicht werden kann. Dieses Bewusstsein der moralischen Überlegenheit, die er damit gegenüber Andersdenkenden gewinnt, verleiht ihm eine innere Identität: Ich gehöre zu den Guten.

Das schließt ein, dass man sich stets solidarisiert mit den echten oder vermeintlichen Opfer jener Anderen, den Bösen – Menschen oder Strukturen. Alle jene, die aus dem Gut-Böse-Schema fallen (Unterdrückte und deren Anwälte vs. Ausbeuter und Unterdrücker), werden weitgehend ignoriert. So sind vor allem Andersdenkende, Menschen die ihr privates Glück und Wohlstand suchen, Kleinbürger und Arbeiter, dann eher suspekt und moralisch fragwürdig, wenn sie sich nicht klar auf die Seite der Kämpfer für soziale Gerechtigkeit stellen. Sie unterstützen damit ja den als ungerecht empfundenen Status Quo. Wenn ein als ‚Opfer‘ identifizierter Mensch dann etwas tut, was als böse empfunden wird, setzt ein Rechtfertigungsmechanismus ein: Der Übeltäter sei gar nicht verantwortlich, sondern die Verhältnisse, die ihn zum Opfer machten. Die Opfer jener Opfer passen daher nicht so recht ins Bild: Es sind sozusagen die Opfer jener, die ursprünglich den Täter zum Opfer machten. Das Empfinden von Gerechtigkeit wird dadurch ideologisch kanalisiert, dass man sie stets einer Deutung unterordnet.

Der Begriff der Freiheit wird vor allem als die Freiheit vor Unterdrückung verstanden. Meinungsfreiheit ist dann das Recht, gegen jene Unterdrückung aufzubegehren. Persönliche Freiheit, gar der Widerspruch zu jener Deutung, ist weniger von der Meinungsfreiheit gedeckt, sondern ist ja lediglich Ausdruck des Bösen, also Hass und Hetze. Eigentlich ist es bereits Faschismus, von der linken Ideologie abzuweichen, und Faschismus ist keine zulässige Meinung. Jeder, der sich im Wiederspruch zu jenem Empfinden und Priorisierung befindet, hat offensichtlich keine linke Identität und damit per se rechts. Und der ‚Kampf gegen Rechts‘ ist unverzichtbare Mission des Linken, gleichsam der Kampf gegen das Böse schlechthin. Der Staat wird als Erfüllungsinstanz des Guten verstanden, darum braucht es den starken Staat,

Stets kann beobachtet werden, dass dies zu einer Unterdrückung der Andersdenkenden führt. Alle sozialistischen Realisierungsversuche endeten in einem Unterdrückungsstaat – bzw. perpetuierten diesen, dem jedem normalen Gerechtigkeitsempfinden zuwider läuft. Ob dies in der französischen Revolution mit dem mörderischen Terrorregime war, die russische Revolution oder das Reich Maos: Die Tendenzen sind auch in allen jenen Systemen, die sich der sozialen Gerechtigkeit verschrieben haben, widerkehrend und führen diese ad absurdum.

Im Westen sind gegenwärtig noch nicht die klassischen gewalttätigen Methoden der ’sozialen Gerechtigkeit‘ zu beobachten (Mord, Folter, Inhaftierung), sondern zunehmend die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, der Propaganda und Ausgrenzung gegen Andersdenkende (Kampf gegen Rechts). Gemeinhin fällt es unter den Begriff der Cancel Culture. Sarrazin nennt das ‚Tugendterror‘. Diese Methode hat sich bislang als recht effektiv erwiesen. Das Rechtsempfinden jener Linker wird zuweilen belastet, aber man sieht das als notwendiges Übel an, um letztlich der sozialen Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

Grüne

Ökologie ist das Kernthema jener, die ansonsten starke Ähnlichkeit mit Linken haben. Zumal auch Linke das Thema der Ökologie weitgehend übernommen haben und Grüne faktisch die soziale Gerechtigkeit fast gleichwertig zur Erhalt der Natur ansehen. Mit Konservativen teilen sie den Ansatz, dass die Bewahrung der Natur ein wesentlicher Impuls ist. Zunehmend wird aber bei den Grünen der Erhalt der Natur dem sogenannten Klimaschutz untergeordnet.

Der Gedanke des Naturschutzes und Klimaschutzes wurde auch von vielen anderen politischen Richtungen betrieben, zum Teil bereits vor der Gründung der Linken. Jedoch bildet die Priorisierung dieses Fragenkomplexes den Markenkern der Grünen.

Liberale

Freiheit vor Unterdrückung ist ein wichtiges Ziel, ebenso wie bei den Linken. Liberale reduzieren den Freiheitsbegriff aber nicht sondern sehen vor allem bürgerliche Freiheiten und wirtschaftliche Freiheit als Kernpunkt. Von der Freiheit der Märkte versprechen sie sich einen größeren Gesamtnutzen der Bevölkerung, die sie nicht zugunsten einer vermeintlichen sozialen Gerechtigkeit opfern wollen. Es geht auch um die Leistungsgerechtigkeit, die klar zeigt, dass sich Arbeit, Innovation und Risikoübernahme auch lohnt. Nur so lässt sich dem Verständnis nach der Wohlstand erhalten und mehren. Liberale teilen die Welt üblicherweise nicht in gut und böse ein, sondern empfinden andere Meinungen nicht selbstverständlich für falsch und böse.

Liberale haben konzeptionell eine schwache Position, da sie gerade den Feinden der Freiheit selbst viel Raum gewähren: Deren Freiheiten stark einzuschränken wäre ein Widerspruch in sich selbst. Liberale haben keine spezielle Ideologie und können lediglich an Vernunft appellieren. Sie halten einen schwachen Staat für eine Tugend, da dieser weder die Freiheiten stark beschneidet, noch die Abgabenlast sehr hoch treibt. Liberale haben zwar einen anderen Schwerpunkt als Konservative, haben aber mit jenen die meisten Überschneidungen.

Konservative / Rechte

Der Erhalt des Erreichten ist ein wesentliches Motiv, denn jede Veränderung birgt das Risiko, dass sich die Dinge verschlechtern und man gerade das erarbeitete verliert. Gerechtigkeitsempfinden konzentriert sich darin auf den Schutz des Erreichten. Dabei ist der Konservative keineswegs radikal gegen jede Veränderung, sondern weiß das der Erhalt des erreichten stete Erneuerung bedarf. Damit haben Konservative eine Nähe zu liberalen. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen vor allem in den Prioritäten. Konservative haben ebenso keine geschlossene Ideologie, sondern streben meist un-programmatisch nach einem Gemeinwohl.

Beziehung zur Nation und Volk ist dem konservativen wichtig, Patriotismus eine Tugend, in dem sich der einzelne den Aufgaben zum Gemeinwohl stellt. Dabei bleibt der Konservative jedoch der Einzelne, der sich als Individuum und nicht nur als Teil eines Volkskörpers identifiziert. Freiheit wird hier auch unter dem Gesichtspunkt der Bürgerlichen Freiheit identifiziert. Bevormundung und Zwang empfindet der Konservative als ungerecht.

Faschisten / Nationalsozialisten

Gemeinhin bezeichnet man diese als Rechtsextreme, völkisch oder rechtsradikal. da man die politische Eistellung nur auf der Skala durch Einstellung zur Nation einordnet. Gegenüber den Konservativen betont empfinden jene eine Identifikation mit dem Volkskörper, hinter dem das Individuum mit seinen persönlichen Freiheit zurücktreten muss. Das Kollektiv wird hier – ähnlich wie bei den Linken, als ungleich wichtiger verstanden. Das Empfinden von Gerechtigkeit orientiert sich dann am Gemeinwohl: Was der Nation vermeintlich nutzt, wird als gerecht verstanden, was ihr schadet ist ungerecht. Der Unterschied zwischen Konservativen / Rechten – die ebenso die Nation als positiven Begriff sehen, und Faschisten ist vor allem die Rolle des Staates und die Freiheit des Einzelnen – und der entsprechenden Staatsordnung. Allerdings ist hier zuweilen ein fließender Übergang zu beobachten.

Der Unterschied zwischen linken und faschistischen Ansätzen besteht vor allem in der Ab- und Ausgrenzung von Menschen, die entweder per Genetik, Kultur oder Meinung nicht zu jenem Kollektiv gehören. Innerhalb des Kollektivs sind sich die Programme zur sozialen Gerechtigkeit sehr ähnlich zwischen Linken und Faschisten. Hier will man mit den Linken einen starken Staat, der das Kollektiv ordnet. Man ist damit auch bereit, den Einzelnen in diese Spur zu zwingen, auch unter Anwendung von Gewalt. Gerade in der deutschen Geschichte finden sich erschreckende Auswüchse einer volksmörderischen Ideologie, die sich aber weder durch die Zahlen der Opfer und der Grausamkeit, noch durch den angestrebten Totalitarismus von Linksextremen Umsetzungen unterscheidet (Stalinismus, Maoismus etc.)

Politische Einordnung der Gerechtigkeit

Das Empfinden von Gerechtigkeit wird stark von der Ideologie überformt. Welche empfundene Ungerechtigkeit man als notwendiges Übel versteht und welche entscheidende und identitätsstiftende Bedeutung hat, richtet sich an der politischen Orientierung aus. Das klassische Rechts-Links-Schema bezieht sich auf die französische Nationalversammlung, in der die Konservativen und Royalisten eben rechts im Parlament saßen und die Revolutionäre links.

Dies passt eigentlich nicht mehr zum aktuellen Sprachgebrauch, die Faschisten rechts einordnen, weil man die Skale auf National / international geeicht hat. Dabei wollen die Faschisten ja sehr wohl eine Veränderung und Erhalt einer sozialen Ordnung, die mit dem bürgerlichen Verständnis von Freiheit und Individuum (= Konservativismus) wenig zu tun hat, aber mehr den linken Staatsverständnis ähnelt.

Im Meinungskampf gilt es für jede Person, dass diese nach Durchsetzung der eigenen Vorstellungen strebt. In diesem Sinn wird der aktuell propagierte ‚Kampf gegen Rechts‘ als Errungenschaft der Deutungshoheit verstanden. Wenn die entsetzlichen Verbrechen der Nationalsozialisten mit ‚Rechts‘ identifiziert werden und damit den Konservativen und Liberalen jenes Stigma des Bösen verliehen wird, kann sich die Linke gegen alles, was nicht ihrer Ideologie folgt, disqualifizieren. Natürlich empfinden das jene Andersdenkenden als Ungerecht, und auch einigen Linken beschleicht das Gefühl, dass die Ausgrenzung politisch Andersdenkender mit Demokratie nicht viel zu tun hat.

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