Was treibt die Menschen an?

Menschen verhalten sich zuweilen seltsam. Nicht nur bei Dritten erscheint es so, dass sich ihr Verhalten oft nicht nach ihren vermeintlichen Interessen ausrichtet. Wäre nicht ein Leben in Liebe und Frieden das höchste Ziel? Warum suchen sie dennoch nach Streit, Gefahr, Krieg und Ungemach? Wer kennt nicht streitende Kinder? Wer wundert sich nicht über Drogenabhängige oder Menschen, die sich Horrorfilme anschauen? Freud sprach vom Destruktionstrieb und die Religionen geben dem Bösen einen Namen. Gibt es eine Lust am Bösen? Doch stets bleiben alle Erklärungen unbefriedigend: Was treibt den Menschen wirklich an, und vor allem: Warum?

Biologie und Evolution

Die Wissenschaft kann einiges über Adrenalin und Endorphine sagen, die beim Menschen psycho-aktive Prozesse steuern. Doch das ist nur eine Erklärung zum Wie, nicht dem Warum. Denn Endorphine gibt es auch bei beruflichen, sozialen oder sportlichen Erfolgen. Die Entwicklungs- und Tiefenpsychologie kann Thesen zu Traumata und frühkindlichen Prägungen machen … doch auch das sagt nicht wirklich etwas zur allgemeinen menschlichen Befindlichkeit.

Die Allzweckwaffe zur Erklärung aller Fragen ist für viele die Evolution: Es sind Ergebnisse evolutiver Prozesse! Diese These lässt natürlich viele Fragen offen, denn etwas, mit dem man alles Erklären kann, auch das mögliche Gegenteil, ist keine wirkliche Erklärung … und: Was treibt die Evolution? Letztlich der Zufall? Siehe dazu: Vom Wesen des Zufalls

Wie könnte die evolutive Erklärung aussehen? Der Mensch war in seiner Vorgeschichte vor allem Jäger und Entdecker. Ohne Jagderfolge und Entdeckungserlebnisse wäre er untergegangen: Entsprechend ‚belohnte‘ die Evolution den Erfolgreichen: Die Verbindung mit der Adrenalinausschüttung und dem Jagderfolg verankerte eine positive Konnotation im Gedächtnis der Menschheit. Vergleichbares gilt für die sexuelle Ekstase und die Endorphinausschüttung. Damit wäre die chemo-mechanische Grundlage geschaffen: Klar, dass auf der Basis einiges schief gehen kann und zu ernsten Störungen führen kann. Aber was erklärt das? Bestenfalls das, was wir Krankheit nennen können. Aber auch das Gute könnte doch – wie eingangs festgestellt – sich eben dieser Mechanismen bedienen: Das gute Gefühl, das richtige getan zu haben, Liebe, Anerkennung und Respekt zu bekommen. Und Adrenalin gibt es auch beim Sport.

Darum sind wir mit diesem Ansatz nicht viel weiter als am Anfang: Warum führte die Evolution nicht ausschließlich zum Verfolgen des Guten?

Freiheit und Christentum

Diese auffällige Diskrepanz wurde an prominenter Stelle so beschrieben:

19 Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 20 Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. 21 So finde ich nun das Gesetz: Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an. 22 Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. 23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?

Römer 7

Paulus nennt es Sünde und eine Bindung an eine gottesferne Existenz. Diese Bindung ist nicht einfach durch Entschluss zu lösen.

19 Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.

Römer 6

Diese Aufforderung beruht auf die heilsgeschichtliche Sicht von Paulus: Jesus schuf die Grundlage zur Freiheit, sich zum Guten zu wenden. Dies ermöglicht dem Menschen zur neuen Gemeinschaft Gottes, dass der Sinn der Freiheit ist, aber auch letztlich keinen Zwang dazu bedarf. Und dami ist das Problem noch nicht gelöst. Denn einerseits hat das Leben und die Wahl, die wir treffen, sehr wohl Konsequenzen:

22 Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben. 23 Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Römer 6

Wenn also biologisch-evolutive Ansätze beides erklären könnte: Das gute Gefühl, das Gute getan zu haben, wie auch das Verlangen, das Böse zu tun, dann liefert Paulus hier auch noch keine abgeschlossene Erklärung für unser So-Sein – ganz gleich, ob wir hier der Grundlage des paulinischen Denkens folgen wollen oder nicht.

Die Bibel liefert zahlreiche Bilder und Metaphern vom Bösen: Die Schlange, der Versucher, der Teufel, Satan … aber viele Menschen fragen sich nach dem Grund des So-Seins, auch wenn wir dieses biblische Denken – zumindest um des Argumentes Willen (for the sake of argument) – akzeptieren: Wenn Gott doch stärker als jener Satan ist, warum gibt es dann jenen überhaupt noch? Und: Wenn doch Gott der Ursprung von allem ist, wie kam dann das Böse überhaupt in die Welt?

Fündig wird jener, der nach einer Antwort sucht:

19 Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen

5.Mose 30

Wenn der Mensch Wahlfreiheit haben soll, muss er gangbare Alternativen haben. Das Leben zu wählen angesichts eines sicheren und unabwendbaren Todes ist wohl kaum eine derartige wählbare Alternative. Es benötigt die Unsicherheit, was dieses Leben wirklich bedeutet, und wie die Gefahr des Todes zu beurteilen ist. Gläubige nehmen diese Warnung vor dem Tod sehr ernst, und messen der Verheißung des Lebens einen hohen Wert bei. Ungläubige, sehen die Verheißung des Lebens und die Drohung des Todes offensichtlich nicht so. Sie haben also die Wahl, ob sie der Botschaft glauben schenken wollen oder nicht.

Dies Wahlfreiheit scheint der Schlüssel zum So-Sein der Welt. Aber auch wenn die metaphysischen Einstellungen erheblich das Verständnis bestimmen, so gibt es dennoch unabhängig davon viele Gemeinsamkeiten, mit denen wir uns nun beschäftigen wollen. Dann nahezu jeder einzelne und jede Kultur verfügt über eine Moral, die sich mehr oder minder überschneidet. Der Begriff der Sünde, also der Übertretung moralischer Grundsätze oder Regeln, ist in der einen oder anderen Form stets vorhanden. Und die Grundbestimmtheit des Menschen ist auch eine Gemeinsamkeit, die eine Zusammenschau ermöglicht.

Grundmotive: Das Kräfte-Dreieck

Nahezu jedes Handeln lässt sich in ein Drei-Pol einordnen:

  • Begehren
  • Bewahren
  • Moral

Die Lust, die nach einem befriedigten Begehren folgt, Ist fraglos eine starke Antriebskraft. Das Begehren ist nicht nur die reine Triebsteuerung, auch der Wunsch nach Erlebnissen, Liebe, Reichtum, Geld und Macht, Leben und Nachkommen, Anerkennung und Erfolgen ist diesem Grundmotiv zuzuordnen. Auch die Neugier – also das Begehren nach neuen Erkenntnissen und Erlebnissen – ist diesem Grundmotiv zuzuordnen.

Es ergänzt sich mit Grundmotiv des Bewahrens, also des Lebens und Gesundheit, der Familie, der Natur, des Reichtums, des Volkes und der Kultur. Hier gilt es sich der Bedrohung und des allgemeinen Zerfalls entgegen zu stellen. Meist ist dieses Motiv auch mit Ängsten verbunden. Ängste sind nicht selten wohl begründet. Angstreaktionen verweisen dann auf die Notwendigkeit zur Vorsicht. Oft aber werden Ängste irrational übertrieben und dienen der Machtentfaltung in Gruppen: Wer Menschen Angst machen kann, kann auch Macht über sie gewinnen.

Die Moral modifiziert die beiden Grundmotive: Sie erlegt jenen Grenzen auf und gibt ihnen Richtung und Ziel. Zugleich wird sie aber auch vom Begehren und Bewahren modifiziert. Es handelt sich also um eine dynamische, keine statische Grundbefindlichkeit.

Biologische Antriebe, wie Hunger, Aggression oder den Sexualtrieb lassen sich ebenso in diesem Interpretationsschema verstehen:

Der Hunger ist ein Begehren, das im Mangel sehr stark sein kann. Zugleich dient es dem Bewahren, denn fehlende Nahrungsaufnahme führt zum Tod. Die Weise, wie der Hunger umgesetzt wird, steht oft unter einem moralischem Diktum: Man kann nicht ohne ein Regelwerk die Nahrungsbeschaffung vornehmen. Diebstahl, Erpressung, Betrug und Raub sind unakzeptabel.

Aggressionen können die Erreichung eines Begehren zum Ziel haben, oder durch aktive Verteidigung das Bewahren der Werte ermöglichen.

Sexuelle Antriebe sind gar das klassische Beispiel des Begehrens. Doch auch diese dienen der Erhaltung der Familie und letztlich des menschlichen Lebens. Die moralische Kontrolle ist darin ebenso klassisch eine Selbstverständlichkeit.

Mit der Moral kommen reflektive, kognitive Momente ins Spiel. Der Mensch denkt darüber nach, was richtig und falsch, gut und böse, erstrebenswert und verwerflich ist. Wie sehr die Moral einer soliden Begründung und Herleitung bedarf, und in wie weit die Tradierung von Werten über die Kultur im Kontext der Sozialisation prägend ist, bleiben offene Diskussionspunkte. Unzweifelhaft ist Moral aber nicht fix im engen Sinn, sondern wird teils bestimmend, zumindest modifizierend vom Denken gesteuert. Moral ist aber nicht völlig wahlfrei, sondern nimmt Bezug auf das absolute Gute, dass aber nur eingeschränkt erkannt werden kann, andererseits aber eben keine rein persönliche Ansichtssache ist.

Offensichtlich gibt es in diesem Kräftefeld Störungen. Menschen, die skrupellos Ihre Interessen durchsetzen, verletzen wahrscheinlich nicht nur die kulturellen Regeln, sondern setzen vermutlich auch ihre eigenen moralischen Grundsätze außer Kraft. Da dieser Regelbruch zumeist das Risiko einer Gegenreaktion birgt, kann es selten mit dem Motiv des Bewahrens in Übereinstimmung gebracht werden.

Ist das Motiv des Bewahrens dominant, wird das Leben statisch. Es fehlt der Anreiz und die Fähigkeit, den stets neuen Herausforderungen adäquat zu begegnen. Letztlich ist wegen der Menge der Bedrohungen, zumindest der Vergänglichkeit alles Seins, ein finaler Erfolg des Bewahrens nicht möglich.

Psychische Störungen, Traumata und Zwangsneurosen, verändern das Begehren und setzen bestimmte Kontrollinstanzen außer Kraft.

Moral und Ideologie

Werte und moralische Prägungen sind zumeist Ergebnisse kultureller Entwicklungen, die über die Sozialisation tradiert werden. Aber durch Reflektion und Ergebnisse des Denkens können diese Werte deutlich modifiziert werden, bis hin zum Gegenteil der ursprünglichen Wertetradition.

Dies ist zunächst nicht grundsätzlich gut oder schlecht, denn Traditionen können durchaus positiv sein, deren Verlust ein Schaden wäre. Zugleich aber ist nahezu nichts auf der Welt ideal. Historische Fehlentwicklungen können einen Zustand erzeugen oder konservieren, der zu verbessern ist.

Im Besonderen ist das individuelle Eigeninteresse und das daraus abgeleitete kollektive Interesse, welches durch die jeweilige Ideologie modifiziert werden, von Interesse. Für selbstverständlich kann gelten, dass der Einzelne ein gutes Leben in Sicherheit und Wohlstand anstrebt. Ebenso wünscht er ein Gedeihen der Gemeinschaft, in der er lebt, also die Familie, Freundeskreis oder der Staat, letztlich die gesamte Menschheit und Natur. Aber gerade in den immer weiter zu ziehenden Kreisen kommt es verstärkt zu Zielkonflikten. Das, was für die Gemeinschaft gut ist, kann dem Einzelnen unter Umständen schaden. Es ist darum nicht selbstverständlich, von einer Interessenharmonie auszugehen. Welche Interessen überprägen also dann die Moral? In jüngerer Zeit wird verstärkt das persönlichen Eigeninteresse als moralisch minderwertig verpönt. Damit verbunden besteht der Trend, die Eigeninteressen nicht mehr zu respektieren, auch nicht die Interessen der Anderen. In Folge dessen wird auch der Wert der Freiheit abnehmend eingeschätzt.

Es bilden sich aber nicht nur persönliche Überzeugungen durch Reflektion aus, sondern es entwickeln sich ideologische Strömungen, die mehr oder minder als Fremdsteuerung verstanden werden müssen. Dies kann durch aktive Akzeptanz von Lehren geschehen oder subtil durch Massenkommunikation und Propaganda, die dann einen sozialen Druck aufbauen. Besonders augenfällig ist der Einfluss religiöser oder politischer Überzeugungen.

Moralische Fehlprägungen führen zu ideologischen Wahn in religiösen Sekten oder politischen Ideologien, die letztlich weder bewahren, noch einem nachvollziehbaren Begehren dienen. Die Eigeninteressen werden weitgehend außer Kraft gesetzt. Dies ist auch in den sogenannte Öko-Bewegungen wahrzunehmen. Ausgehend von der These, dass der praktizierte Wohlstand, die Natur und Lebensgrundlagen der Menschheit nachhaltig schädigen, wird ein radikales Umsteuern gefordert, dass letztlich zu erheblichen Wohlstandsverlusten und Gefährdungen führt. Bereits die Diskussion, ob und in welchem Maße die These überhaupt zutrifft, und wie es sich mit den Wohlstandsverlusten und Gefahren der angestrebten Änderung verhält, ist unter diesem Trend bereits moralisch verdächtig.

Das Verhalten der Menschen zwischen tradierten Werten, ‚egoistischen‘ Eigeninteressen und konträren moralischen Forderungen neuer Ideologien wird darum zunehmend unbestimmt.

Folgerungen und Ziele

Es ist viel mehr Ziel, die Grundmotive in Harmonie zu bringen, Zielkonflikte zu entschärfen und so einzuhegen, dass die Gesamtsicht zu einem anstrebenswerten Ganzen wird. Ist dieses Grundverständnis erreicht, wird man diverse Gefahren der Störung grundsätzlich vermeiden können und andere Störungen des Gleichgewichtes effektiv adressieren können. Auf dieser Grundlage kann die Moral justiert werden, das Begehren und das Erhalten auf ein vernünftige Basis gebracht werden, und destruktive Tendenzen punktgenau adressiert werden. Dies gilt sowohl beim Einzelnen, der Peer-Group (Familie, Gemeinschaft) als auch im Politischen.

Dieses Grundverständnis ist zwar ein gute Basis, aber die konkrete Ausprägung von Verhalten, Moral und Zielen ist damit noch nicht bestimmt. Einerseits gibt die Realität und deren Erkenntnis die Rahmenbedingungen. Da Erkenntnislücken und Irrtümer nicht zu vermeiden sind, wird ein völliger zielführender Konsens nicht erreicht werden, sondern durch stetes Streben bestenfalls in Annäherung gebracht. Neben der Realität und seiner Ungewissheit sind es die nicht erreichten Zielvorstellungen, die der Entwicklung eine Richtung geben.

Bespiele für Erklärungsansätze

Mit diesem Modell lässt sich menschliches Verhalten leichter deuten und reflektieren. Das heißt, aus der Selbstbeobachtung lassen sich Erkenntnisse gewinnen. Seltsames Verhalten kann dann einen verständlichen Kontext bekommen und politische Mechanismen werden durchschaubar. Dies wollen wir uns an Beispielen ansehen.

Filme, Belletristik

Das Erleben von Situationen, die eine Identifikation ermöglichen, zugleich aber harmlos sind, dienen mehreren Motiven: Das Erlebnis-Begehren wird gestillt, zugleich aber das Motiv des Bewahrens gewahrt: Es ist zumeist ungefährlich, sich nur in der Vorstellung einer gefährlichen Situation auszusetzen. Ferner können dann moralische Herausforderungen bewältigt werden.

Krimis, also die Beschäftigung mit dem Verbrechen, ermöglicht eine doppelte Identifikation, das Erleben aus der Sicht des Verbrechers, mit dem man sich ungefährlich identifizieren kann, die Bewältigung der Herausforderung im Sieg der Ordnung und des Bewahrens, wenn der Mörder gefangen und unschädlich gemacht wird. Die Stärkung des moralischen Empfindens, zuweilen auch in einem Dilemma wird als anregend empfunden.

Katastrophenfilme und Horrorfilme scheinen ein seltsames Vergnügen zu bereiten. Der Schauer bleibt zumeist ungefährlich, denn das Geschehen lässt reale Ängste klein aussehen gegen eine existenzbedrohende Situation, die aber virtuell bleibt. Hier ist das Motiv der Neugier mit dem Bewahren – also Erleben im Safe Space der Vorstellung besonders deutlich ausgeprägt-

Die Gattung der Vampirfilme hat eine besondere Ausprägung: Die Absurdität von Vampirvorstellungen, verbunden mit der beängstigenden Bedrohlichkeit, kann die Projektion eines destruktiven Begehrens sein. Der Durst nach dem Blut der Opfer lässt sich mit keiner Moral vereinbaren und ist erschreckend. Eigene Süchte und Schwächen, zwanghaftes Begehren finden so eine übersteigerte Abbildung. Die Projektion auf Leinwand, Bildschirm oder den Buchseiten werden dann als metaphorische Problembewältigung verstanden, die zugleich für das eigene reale Leben weitgehend ungefährlich bleiben.

Politik

Wer versteht, was die Menschen zutiefst wollen, wird ihnen am besten dienen können. Andererseits kann es jenen als Werkzeug dienen, macht über sie auszuüben. Dritte wieder können das – unter Umstanden perfide – Spiel der Macht zu verstehen und zu entlarven. Das Wort von dem Brot und den Spielen, dem Teilen und Herrschen und schließlich mit dem Schüren der Ängsten ist nahezu ein Gemeinplatz. Aber was davon ist durchaus ehrbar, und was nicht? Ist es verwerflich, wenn es den Menschen nach Brot und Spielen dürstet, dass diese dann auch befriedigt werden? Sind nicht reale Ängste als ernste Bedrohungen auch zu adressieren?

Hier gibt es keine einfache Regel, die immer passt. Denn wenn das Verlangen nach Kultur und Sport im Volk besteht, ist es berechtigt, diesem auch z begegnen. Wenn diese jedoch als billige Befriedigung instrumentalisiert wird, um begründetes Aufbegehren wegen anderer Ziele – z.B. der Teilhabe an Entscheidungsprozessen, Ausübung von Freiheit etc. – im Keim zu ersticken, it der Verdacht an einem üblen Machtinstrument virulent.

Ebenso die Ängste: Gibt es reale Gefahren, dann sollten diese eben nicht mit falschen Methoden unter den Teppich gekehrt werden, sondern zielorientiert behandelt werden. Verharmlosungen könnten sich als gefährlich erweisen. Andererseits ist das Aufblasen realer, aber moderater Gefahren oder das Schüren von Ängsten erfundener Gefahren ein verwerfliches Mittel, sich die Massen gefügig zu halten. Wie aber kann man echte Gefahren in angemessenen Umfang behandeln, wie kann man diese von erfundenen oder überzogenen Gefahren unterscheiden?

Beispiel: Überfremdung

Dieses, vor allem der rechten Gruppierungen zugewiesene Angstmotiv adressiert die Erwartung des Erhalts und moderate Anpassung des eigenen Lebensstiels, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Dies sein durch den ‚massenhaften‘ Zuzug und die unterschiedliche Vermehrungsrate der Bevölkerungsanteile allzu offensichtlich, ja nahezu unvermeidlich. Die Ängste appellieren an das Motiv des Bewahrens.

Die Gegenmeinung geht davon aus, dass eben die zugezogenen Neubürger eben zu Deutschen werden und damit nicht genuin fremdes mehr wären. Sie würden aus einer anderen Prägung heraus den gesellschaftlichen Wandel bereichernd beeinflussen. Diese Einstellung der sogenannten progressiven Kräfte ist zumeist gepaart mit einer Geringschätzung der eigenen Kultur: Sie sei nicht schützens- und bewahrenswert. Zuweilen wird behauptet, dass es jene deutsche Kultur, oder Leitkultur, gar nicht gäbe, weil sich diese nicht scharf abgrenzen ließe. Demnach wären die Ängste vor eine Überfremdung gegenstandslos. Zugleich aber dominiert ein moralisch-ideologisches Motiv der allgemeinen Menschenliebe, der Respekt vor dem Anderen, woher er auch kommt – so lang der Andere aber nicht einer ist, der schon länger hier lebt. Immerhin wäre der Erhalt der eigenen Kultur nd des eigenen Wohlstandes ja sehr an den Eigeninteressen orientiert, und diese sind per se zunächst unmoralisch.

In diesem Themenkomplex geht es weniger darum, ob und in welchem Maße und Tempo die Gesellschaft sich verändert. Vielmehr steht die moralische Bewertung des Problems im Raum. Ist der Mensch den Erhalt des Eigenen überhaupt zu fordern?

Beispiel: Wirtschaftlicher Niedergang

Die Ängste, dass eine massiver Wirtschaftszusammenbruch bevor steht, mit kaum absehbaren Konsequenzen, werden genährt durch eine weiterhin wachsende Schuldenlast und Strukturveränderung: Wirtschaftszusammenbrüche gab es wiederholt in der Geschichte. Eine Volkswirtschaft, und die immer enger verflochtene Weltwirtschaft ist mit einem komplizierten Getriebe zu vergleichen. Wenn dies Voraussetzungen für dessen funktionieren wegbrechen, droht ein unübersichtliches Chaos mit dramatischen Wohlstandsverlusten. Bislang wird das System, welches nach Ansicht vieler Experten massiv in Schieflage ist, Durch Maßnahmen mit weiteren Schuldenanhäufungen und Null-Zins-Politik über Wasser gehalten. Wie lange das noch gut geht ist ungewiss.

Ferner ist die Ansicht, dass der Strukturwandel an den Weltmärkten den komparativen Vorteil der deutschen Wirtschaft annulliert und darum dem eigene Wirtschaften das Wasser abgräbt. Dies führt nicht notwendig zu einem großen Knall, aber zu einem Degradieren der eigenen Wirtschaft. Dies ist um so dramatischer, da dem Strukturwandel ungleich schwerer begegnet werden kann.

Allerdings werden jene Ängste oft verharmlost mit der Begründung, dass es uns doch sehr gut ginge, und das Unkenrufe sich immer weder finden, die darum aber nicht bedrohlich seien. Da man die Herausforderung der – jüngeren – Vergangenheit immer lösen konnte , wird nicht weniger für die Zukunft erwartet. Das aber erinnert an die Vogel-Strauß-Politik, die sprichwörtlich den Kopf in den Sand steckt.

Beispiel: SARS Cov2 – Virus

Aktuell steh das weltweite Leben im Schatten dieser Pandemie. Auch die Menschen in Deutschland haben überwiegend Angst sich zu infizieren. Das Motiv des Bewahrens ist hier klar erkennbar. Unbestritten sterben Menschen an diesen Infektionen … was keiner will. Doch ist der Umgang mit dieser Erkrankung angemessen? Immerhin gibt es viele andere Krankheiten, und eine sogenannte Übersterblichkeit wegen dieser Infektion kann bislang kaum, bzw. nur temporär nachgewiesen werden. Auch sind die Anzahl der Todesfällen bei Grippeepidemien gar nicht so verschieden. Die meisten Menschen sterben nach wie vor an Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Selbst Suizide haben eine bedenkliche Todesrate, die durchaus in den Dimensionen der Viruserkrankung liegt. Ebenso ist zu befürchten, dass es Todesfälle durch die Maßnahmen kommt – schlechtere ärztliche Versorgung, Depressionen, Folgen von privaten wirtschaftlichen Notsituationen.

Häufig wir der Vorwurf erhoben, dass die Maßnahmen auch darum ergriffen werden, weil sie stärkere Bevormundung und Einschränkung der Freiheitsrechte ermöglichen. Angst vor einer Epidemie als Machtinstrument. Immerhin gibt es andere Länder, z.B. Schweden, die bei weit weniger rigiden Maßnahmen vergleichbare Ergebnisse hat.

Beispiel: Klimawandel

Das linksgrüne Establishment und mit ihr die aktuelle CDU unterstützen Ängste vor einem gefährlichen Klimawandel, der von Menschen verursacht sei und die Lebensgrundlage von uns allen gefährde. Darum sei ein radikaler Wandel der Gesellschaft erforderlich – der große Transformation. Nur so könne die dräuende Gefahr abgewandt werden. Hier ist sowohl das Motiv des Bewahrens – Lebensgrundlage, Klima – als auch des Begehrens – Gesellschaftsveränderung, Machtzuwachs – gepaart mit ideologischen Motiven: Weltrettung, Schutz der Umwelt. Doch wie weit sind die Gefahren real und zielführend beherrschbar?

Die These ist in viele Teilthesen zu gliedern und zu überprüfen – und das mach sie unüberschaubar und zur Spielwiese von (vermeintlichen) Experten:

  • Haben wir überhaupt einen bedrohlichen Klimawandel? Fraglos ändert sich das Klima, dann ein völlig statisches Klima ist bei Betrachtung der historischen Klimaentwicklung nicht zu erwarten. Doch befinden wir uns zur Zeit in einem Optimum: Als die besten Bedingungen zum Leben und Ernährung der Menschheit. Entgegen gegenteiliger Propaganda haben sich weder Extremwetter und Katastrophen nicht vermehrt. Der befürchtete Meeresspiegel-Anstieg bleibt seit der kleinen Eiszeit in einem niedrigen linearen Bereich, der auch nicht sonderlich bedrohlich ist. Die Ausrufung des Klimanotstandes besteht also nicht auf einen aktuellen Zustand, sondern auf die Erwartung einer dramatischen Verschlechterung. Die Vorhersage hierzu steht allerdings auf tönernen Füßen.
  • Ist der Mensch dafür verantwortlich? Der Mensch beeinflusst nicht nur über die Landnutzung das Klima. Auch die Emission von CO2 und anderen IR-aktiven Gasen, Ruß, und anderen hat einen Einfluss auf das Klima. Aber es ist nicht klar, wie groß dieser Anteil ist. Sind es 100%? Oder haben gar natürliche Faktoren einen Anteil von der Hälfte oder mehr? Es gibt viele Gründe, den natürlichen Faktoren eine dominante Rolle zuzuweisen.
  • Selbst wenn der Mensch überwiegend verantwortlich wäre: Ist es überhaupt durchführbar, dass de Emissionen der wachsenden Menschheit, die noch gesteigerten Wohlstandsforderungen gerecht werden will, dramatisch zu reduzieren? Dies ist fraglich, da große Teile der Welt, Im Besonderen China und Indien mit weiteren massiven Emissionssteigerungen rechnen. Der Anteil Deutschlands an den Emissionen beträgt rund 2 %. Selbst eine völlige CO2 Neutralität Deutschland oder Europas hätten kaum eine spürbare Wirkung auf das Klima – schon gar nich die Abwendung einer vermeintlichen Katastrophe. Auch die behauptete Vorbild-Funktion für den Rest der Welt ist nicht festzustellen.

Der Kampf gegen den Klimawandel wirkt angesichts der Fraglichkeit der Grundlagen und der fast völlig fehlenden Erfolgschancen skurril. Immerhin belasten die Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Wirtschaft und Kosten enorme Summen, d.h. unmittelbare Wohlstandsverluste. Einzelne könnten sich jedoch als ‚Kriegsgewinnler‘ erweisen: Macht und Einfluss und direkte Profite aus den Maßnahmen. Überwiegend wird angesichts der Irrationalität in der Sache dem ideologisch-moralischen Motiv eine dominante Rolle zugewiesen. Das Gefühl der Weltrettung schreit nach Opfern, und der wirkliche Erfolg oder dessen Unmöglichkeit, wird unwichtig.

Beispiel: Gendergerechtigkeit und Antirassismus

Auch hier ist es offensichtlich ein rein ideologisch-moralisches Motiv. Die Mehrheit der Menschen hat kein eigenes Problem mit Transsexualität – weder dem Bewahren noch dem Begehren. Nach Jahren der Emanzipationsbewegungen besteht ebenso eine rechtliche Gleichstellung der Geschlechter. Noch bestehende Ungleichbehandlungen finden sich eher als Marginalität oder in Nischen vor. Dennoch wird es als großes Thema aufgepeppt. Eine Erklärung kann lediglich darin gefunden werden, dass man dieses Thema als Identifikationsschlüssel zum moralischen Gutsein versteht.

Nicht viel anders ist es mit einem vermeintlichen Rassismus, dem nur durch eine schwammige Definition überhaupt eine Rolle zugewiesen werden kann. Die absolute und überwältigende Mehrheit in den westlichen Ländern hat nichts mit Rassismus, auch nichts mit dem sogenannten Alltagsrassismus zu tun. Echten Rassismus findet man vielleicht vereinzelt vor, der jedoch gesellschaftlich bedeutungslos ist. Die Dramatisierung des Rassismus als allgegenwertiges Problem der übelsten Sorte führt ehe zu Vergleichen mit dem Hexenwahn. Um dem Verdacht zu entgehen, man selbst sei ein Rassist, wird man vermutlich damit am besten begegnen, wenn man sich als glühenden Anti-Rassisten inszeniert. Um bei der dürftigen Problemlage die überhaupt erfolgreich tun zu können, muss man immer mehr in den Krümeln suchen. Dadurch bekommt die Bewegung den Charakter eines Selbstläufers, in der es anscheinend nur Gewinner gibt:

  • Jeder, der sich als Mitglied einer (vermeintlich) diskriminierten Gruppe identifiziert, kann damit Sonderrechte einfordern.
  • Protagonisten des Anti-Rassismus und Genderismus ohne Diskriminierungsanspruch ernten das gute Gefühl, moralische Überlegenheit erworben zu haben. Das sie ihre eigenen Interessen vorgeblich verleugnen, ernten sie gerade den begehrten Respekt und Anerkennung.
  • Mächtige haben die Möglichkeit, den Gegner als moralisch verwerflich zu stilisieren, in dem jener Gegner vermeintlicher Rassist sei oder die berechtigten Forderung der Gendergerechtigkeit missachtet.

Angesichts realer Bedürfnisse der Bevölkerung und begründeter Ängste ist augenfällig, wie mit diesen Scheinproblemen der Fokus verschoben wird. Echte Probleme werden nicht mehr adressiert, dazu fehlen die Ressourcen, im Besonderen Aufmerksamkeit und Geld. Statt dessen arbeiten sich beträchtliche Teile der Gesellschaft an Scheinproblemen ab. Ich nenne das dekadent.

Ein Gedanke zu „Was treibt die Menschen an?“

  1. Der Angst vorm Klimawandel und die Wissenschaft: Gemeinhin wird behauptet, dass die Wissenschaft hier eine klare Antwort habe … man solle der Wissenschaft folgen! Tatsächlich gibt es auffällige Diskrepanzen, zwischen wissenschaftlichen Fachartikeln und der medialen Darstellung. Es gibt eine Menge von wissenschaftlichen Artikeln, die hier erhebliche Zweifel an der geschürten Panik begründen. Selbst bei den Wissenschaftlern, die auch vor einem gefährlichen Klimawandel warnen, sind die wissenschaftlichen Arbeiten oft wenig geeignet, dies robust zu belegen. Eine etwas leicht verdauliche Darstellung im Video findet man z.B. hier: Klimawandel im Faktencheck

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