Sehnsucht nach Selbstzerstörung

Wir leben in seltsamen Zeiten. Einerseits leben wir in Westeuropa in einer Periode des Wohlstands und Friedens, die vielleicht beispiellos ist. Andererseits häufen sich die Indikatoren, dass diese Periode zu Ende geht, und zwar aus eigenen, innergesellschaftlichen Antrieben heraus. Alexander Meschnig bezog diesen gesellschaftlichen Trend auf die These Freuds, dass es im Menschen einen Todestrieb gibt, der einen Erklärungsansatz für diese Entwicklungen geben kann.

In seinem 1920 erschienen Werk Jenseits des Lustprinzips hat Sigmund Freud, auf dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, den in der psychoanalytischen Diskussion von Anfang an umstrittenen Begriff des Todestriebs eingeführt. Letzterer strebt danach, so Freuds theoretische Annahme, in den anorganischen Zustand zurückzuführen. Denn: „Das Ziel alles Lebens ist der Tod.“ Zu dieser Triebgruppe gehört ein Streben nach Selbstzerstörung und, daraus abgeleitet, eine Neigung zu Aggression und Destruktion.

Alexander Meschnig

Es ist nichts ungewöhnliches, wenn aus inneren individuellen Befindlichkeiten auf gesellschaftliche Relevanz geschlossen wird, wenn diese inneren Antriebe entsprechende Resonanz in der Gesellschaft erhalten, entwickeln sich Massenbewegungen. Auch das kollektive Unbewusste (C.G. Jung) ist ein ähnlicher Erklärungsansatz. Aber trifft die These Meschnigs auch zu?

Bevor man die These diskutieren kann, ist eine Analyse des gesellschaftlichen Zustandes erforderlich. Meschnig setzt beim Trend der letzten Dekade an. Hier soll der Rahmen auf die Generation ausgeweitet werden. Die Frage der Perspektive mag hier bedeutsam sein. Ausgangspunkt ist hier die westliche Welt, ihre Gesellschaften und Trends, im Besonderen Deutschland. In wie weit dies auch für andere Kulturkreise gilt ist fraglich, aber der Eindruck entsteht, dass zumindest einiges eine weltweite Resonanz hat, auch wenn die Ausgangslage und gesellschaftliche Problemstellung erhebliche Unterschiede aufweisen.

Geschichtliche Dimensionen des Westens

Nach dem zweiten Weltkrieg haben wir eine Phase von 75 Jahren des Friedens und des Wohlstands. Die leidvollen Erfahrungen des Wiederaufbaus führten recht schnell zum Wirtschaftswunder, zur Zuversicht, zu Demokratiebewegung und einer beispiellosen Sozialentwicklung. Sicher gab es weltweit viele Kriege (Korea, Algerien, Vietnam, die Golfkriege, Falkland, Somalia, Serbien, Libyen, Syrien uvm.), aber diese erleben die Westeuropäer aus dem Fernsehen und Filmen. Die Toten und das Leid wirken daher schon fast surreal. Diverse Terroranschläge, vor allem 9/11, berühren uns da weit mehr und mahnen, dass der empfundene Frieden eher zerbrechlich ist.

Immerhin, die Demokratisierung Osteuropas und die deutsche Wiedervereinigung verliefen weitestgehend friedlich. Europäische Kriege, die es auch vor dem 1. Weltkrieg regelmäßig gab, werden der fernen Vergangenheit zugerechnet. Der Wille zur guten Nachbarschaft, gar europäischer Vereinigung scheint hier dominant zu sein. Der Sozialstaat kann zwar relative Armut nicht verhindern, schafft aber auch für Arme Lebensbedingungen, die Milliarden Menschen weltweit für erstrebenswert halten.

Große Themen der Revolutionen, wie die Bekämpfung feudaler Herrschaft und des ausbeuterischen Kapitalismus gehören der Vergangenheit. Befreiungsbewegungen in Südamerika und Entkolonialisierung sind Geschichte. Heute sind ganz andere Themen Gegenstand des linken Mainstreams. Während in der Studentenbewegung um die 68er Jahre noch Themen wie Arbeitszeit und freie Liebe, Verteilung des Produktivkapitals und eine progressive Lebenseinstellung zentral waren, geht es heute um die Bekämpfung einer angeblichen Pandemie, den Klimawandel, Antirassismus und den Kampf gegen rechts. Freiheit ist kein Thema mehr, im Gegenteil, der Begriff wird vermehrt den Rechten zugeordnet, die es doch zu bekämpfen gilt. In diesem Sinn ist das Verteidigen der Freiheit, sofern es sich nicht als Kampf gegen rechts darstellt, völlig unzeitgemäß. Ordnungsrufe und Sehnsucht nach Bevormundung schreien lauter.

Große Migrationsbewegungen, die vor allem viele Menschen islamischen Glaubens in die westlichen Gesellschaften führen, verändern das gesellschaftliche Gepräge und bestimmen massiv einen demographischen Wandel. Jene Menschen teilen nicht das Verhalten, dass die Reproduktionsrate deutlich unter 2 liegt, also dass die Bevölkerung massiv am Schrumpfen ist. Alleine dies zu thematisieren gilt als ‚rechts‘ und damit verdächtig.

Migration

Erstmals besonders nachdrücklich wurde das im „Summer of Love“, als die grundlegende Aufgabe eines jeden Staates, die Sicherung der eigenen Grenzen, einer abstrakten Hypermoral zum Opfer fiel. Die massenpsychologische Schulddisposition der (west)europäischen Gesellschaften hat in Deutschland eine geradezu perfekte Form für die Emotionalisierung des öffentlichen Lebens gefunden, bei striktem Ausschluss der Wirklichkeit. „Das Helfersyndrom“, so der Philosoph Rudolf Brandner, „fungiert damit als postreligiöses Heilssubstitut in Zeiten des Verfalls religiöser Orientierungsparadigmen.“ Die offizielle Politik in Deutschland hat aus der ungeregelten Einwanderung eine Art „Bußpflicht“ gemacht, selbst wenn sie von immer größeren Teilen der Bevölkerung wahrscheinlich abgelehnt wird.

Alexander Meschnig

Dies alleine wäre noch kein Grund, den Anfang vom Ende einzuläuten, zumal dies vor allem ausschließlich für Deutschland gilt, die im EU-Kontext zumindest teilweise entschärft wird. Dennoch haben wir nach wie vor massive Zuwanderung von kulturfremden Menschen, die vor allem alimentiert werden wollen und vergleichsweise wenig zum Bruttosozialprodukt beitragen. Im Kontext des demographischen Wandels nimmt es allerdings bedrohliche Formen für den German Way of Life an. Jenseits folkloristischer Deutschtümelei identifiziert sich die Hypermoral doch als große soziale Errungenschaft. Es ist naiv anzunehmen, dass diese auch im demographischen Wandel mittel- und langfristig erhalten bleiben wird.

Die Heiligsprechung alles Fremden und die Chance, mit der grenzenlosen Aufnahme aller Beladenen und Benachteiligten, die historischen Verbrechen des Westens (Kapitalismus, Kolonialismus, Faschismus) endlich zu sühnen, sprich: erlöst zu werden, bleiben wichtige psychologische Faktoren für ein Verständnis der aktuellen Situation. Deutschland imaginiert sich – in der Zuspitzung – als Christus, der sterben muss, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen. Das ist sozusagen die historische Aufgabe, die auf dem Hintergrund der eigenen Geschichte zu erfüllen ist. Ein kollektives Bedürfnis und eine Sehnsucht nach Anerkennung ist bereit, das Eigene im Rausch der Selbstbegeisterung der eigenen Empfindsamkeit zu opfern. 

Die deutsche Regierung folgt in der sog. Migrationspolitik bis hin zur eigenen Selbstzerstörung abstrakten Rechtsprinzipien und gesteht in der Festhaltung an von der Wirklichkeit überholten Asylgesetzen allen Menschen auf der Welt ein prinzipielles Recht auf Partizipation am deutschen Sozialstaat zu.

Alexander Meschnig

Meschnig zitiert einen ehemals linken Intellektuellen, der nun massiv unter ‚Rechts‘-Verdacht gefallen ist:

Ein altes Rechtsprinzip lautet ultra posse nemo obligatur, d.h. jede Verpflichtung hat ihre Grenze dort, wo die Selbstzerstörung begänne. Das Leben wie auch das Überleben des politischen Gemeinwesens hat einen Vorrang vor abstrakten Rechtsprinzipien, auch wenn es einzelnen freistehen mag, den Selbstmord zu wählen. Die politische Führung ist dazu jedoch nirgendwo ermächtigt. Man kann, wenn man will, die andere Wange hinhalten; die Regierung darf jedoch nicht die Wange des Volkes hinhalten, das sie gewählt hat.

„Das Migrationsproblem“ – Rolf Peter Sieferle

Seitens des Mainstreams wird allerdings davon ausgegangen, dass der Wandel keineswegs einer Selbstzerstörung gleicht. Es heißt, dass es Migration schließlich immer schon gab, und das Deutschland eben bunter werde. Ist das so? Immerhin gilt die Forderung, dass Zuwanderer zu Deutschen werden vor allem hinsichtlich der Sprache, die aber auch nicht zwingend immer gefordert wird, sondern im Zweifel durch Übersetzer Defizite ausgeglichen werden. Eine spezifisch ‚deutsche‘ Kultur gäbe es nicht, auch keine Leitkultur. Der aktuell gültige Trend der Hypermoral mit Weltrettung streng antirassistisch in gendergerechter Sprache ist allerdings ein Phänomen, dass wohl kaum langfristig Bestand haben kann.

Energiewende

Was für die Einwanderungspolitik gilt – moralische Vorreiterrolle und Retterin der Welt –, das gilt ebenso für die Diskussionen rund um die Energiewende und den Klimawandel. Auch hier ist man der stolze Vorreiter einer hysterisierten Klimabewegung, ergeht sich in Untergangsszenarien, beschwört Bilder der Apokalypse, hat in einer 18-Jährigen mit Asperger-Syndrom eine Heilige gefunden und zerstört um eines Prinzips willen mutwillig die heimischen Industrien, auf denen der Reichtum des Landes beruht. Die Energiewende markiert ebenso wie die offenen Grenzen den Weg aus der moralischen Verworfenheit in die zerknirschte Buße und die endgültige Erlösung von den Sünden der bestehenden Welt. Ohne Not wurde so nach dem Tsunami, der das Kernkraftwerk Fukushima im 10.000 Kilometer weit entfernten Japan zerstörte, ein Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Noch laufende Reaktoren werden sukzessive heruntergefahren, was eine kontinuierliche Energieversorgung mehr und mehr gefährdet. Dafür wird fleißig Atomstrom aus dem Ausland eingekauft. Nachweislich hat die sog. Energiewende bei horrenden Kosten, insbesondere für die Endverbraucher, keinerlei Einsparungen an C02 gebracht.

Alexander Meschnig

Breite Teile der Bevölkerung stimmen allerdings den Grünen, die diese Entwicklung treiben, zu. Nicht nur die Wähler der Grünen, sondern nahezu geschlossen die CDU, SPD, Linke und auch FDP halten die Energiewende für nötig. Auch wenn die Politiker fachlich und wissenschaftlich weitgehend unbedarft sind und durch eklatante Mängel fundierter Argumente auffallen, werden doch irgendwelche willfährigen Institute und Wissenschaftler als Experten bestallt, die dann die Zuversicht vermitteln sollen, dass es alles vernünftig sei, was jene da vorgeben.

Allerdings sind deren Behauptungen oftmals fadenscheinig und ermangeln Argumente, die auch Laien überzeugen können: Woher kommt der Strom in der Dunkelflaute? Reservekraftwerke auf Basis von Erdöl und Gas sollen dann bis über 80 % des Strombedarfs decken, wenn alle Kernkraft- und Kohlekraftwerke abgeschaltet sind. Stromspeicher stehen nur in sehr geringem Umfang zur Verfügung. Der Neubau von Kraftwerken, die zudem oft als Stand-By ungenutzt bleiben, verursachen folgende Probleme: Laufen sie, dann erzeugen sie ebenso CO2-Emissionen. Stehen sie nur bereit verursachen sie nur Kosten ohne Einnahmen. Auch bei einer angenommenen Auslastung zu 30 % kann ein kostendeckender Betrieb nicht erwartet werden, bzw. die Kosten treiben die Energiepreise weiter in die Höhe. Und auch das Überangebot an Strom bei ‚günstigen‘ Wind- und Wetterbedingungen bereiten zunehmend Probleme: Wohin damit?

Eine völlige CO2-freie Stromerzeugung kann somit auch langfristig nicht erwartet werden. Selbst wenn das der Fall wäre, so würden lediglich ein Drittel der CO2 Emissionen Deutschlands, die ihrerseits lediglich 2 Prozent der weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen ausmachen, vermieden werden. Der Strombedarf wird angesichts der weiter geförderten Elektromobilität ansteigen. Die Versorgungssicherheit ist trotz weiter steigender Kosten gefährdet.

Durch die erhöhten Energiekosten sinkt die sonstige Kaufkraft und gefährdet den Wohlstand und die Konkurrenzfähigkeit der Industrie.

Allerdings bedarf die Behauptung Meschnigs, die sog. Energiewende habe keinerlei Einsparungen an C02 gebracht, der Klärung: Offiziell haben sich die CO2 Emissionen Deutschlands signifikant reduziert. Die Senkungen bis etwa 2009 sind allerdings kaum der Energiewende zuzuschreiben, sondern Industrieverlusten der Ex-DDR und Effizienzsteigerungen. Solar und Wind waren bis dahin nur in geringem Umfang ausgebaut. Die Fragen sind bleiben beim Rechenmodell: Die Herstellung von Solarpanelen und Windkraft-Anlagen sind durchaus energieintensiv. Solarpanelen und andere Baumaterialen kommen oft aus dem Ausland, häufig China, wo diese überwiegend mit Strom aus Kohlekraftwerken erzeugt werden. Es wird damit eine CO2-Schuld importiert, die je nach Rechenansatz erst spät oder gar nicht einen Break-even erhält. Die Statistiken, die dies unter den Teppich kehren, wirken daher geschönt. Meschnigs Analyse ist darum zutreffend:

Das alleinige Setzen auf E-Mobilität, mit allen Problemen rund um den Abbau der dafür notwendigen Rohstoffe, die Entsorgung von Batterien, der zur Verfügung stehenden Ladestationen, die Zerstörung und Rodung von Wäldern für immer größere Windkraftanlagen, die nicht grundlastfähig sind und deren Recycling ungeklärt ist, fehlende Trassen, fehlende Speichermöglichkeiten, das notwendige und teure Backup durch konventionelle Kohlekraftwerke, die zur Stabilisierung des Stromnetzes am Netz gehalten werden müssen – alle diese Entwicklungen finden in der öffentlich-rechtlichen Medien kaum eine kritische Reflexion. Es geht ja um nicht weniger als die Rettung der Welt. Kritiker dieser Politik werden moralisch genauso diffamiert (Klimaleugner) wie diejenigen, die Einwände gegen die ungeregelte Migration formulieren.

Alexander Meschnig

Neben den Mängeln einer Politik, die durchweg irrational wirkt, ist der Mangel an einer Sachdiskussion ebenso beängstigend. Es wird nicht mehr die Frage nach Vernunft und Machbarkeit, Folgen und Kosten diskutiert, sondern ausschließlich auf eine nebulöse und argumentbefreite Nachhaltigkeit, aufgeladen von hypermoralisiernder Weltrettungsphantasie abgehoben. Jedwede Sachdiskussion wird im Doppelpack abgewiegelt: Das sei Sache der Experten (die ja handverlesene Erfüllungshelfer sind) und außerdem sei das alles ja ‚rechts‘, das man bekämpfen müsse.

Der Sinn dieses Unterfangens ist in mehrfacher Hinsicht fragwürdig:

Aufgrund von Simulationsmodellen, die mit vielen Unsicherheiten rechnen, wird ein abstraktes Ziel (Begrenzung des Temperaturanstieges um 1,5 Grad) vorgegeben, dem nun alles unterzuordnen ist und das den kompletten ökonomischen Umbau des Landes legitimiert. Im Prinzip ein irrsinniges Unterfangen, das den „deutschen Hang“ zum dogmatischen und moralischem Rigorismus, die unheilvolle Neigung zur Prinzipientreue, zu unerreichbaren Zielen und utopischen Zuständen sichtbar macht. Eine idealistische Grundhaltung, die in der Realitätsverdrängung und der Verwandlung von Politik in Moral ihr deutlichstes Symbol gefunden hat.

Alexander Meschnig

Wie bereits erwähnt würde bei einem Anteil von 2% weltweiter CO2 Emissionen eine völlige Klimaneutralität im weltweiten Wachstum unbemerkt verpuffen, auch wenn die Klimasimulationen recht hätten. Tatsächlich sind aber erhebliche Zweifel an dem prognostizierten Anstieg der Temperaturen angezeigt. Die wenigsten werden aber das Jahr 2100 erleben: Kritiker können nicht nachweisen, dass sie recht hatten, Energiewender und Experten können nicht zur Verantwortung gezogen werden. Und wenn, dann kann man sich Entschuldigungsfloskeln sehr gut vorstellen.

Es gibt Anzeichen, dass bis zum Jahr 2050 eher mit einem moderaten Temperaturanstieg gerechnet werden muss, vielleicht einer weiteren Erwärmungspause, denn die ozeanischen Zyklen PDO und AMO lassen verbunden mit einer schwachen Sonnenaktivität und einer eher geringen Klimasensibilität des CO2 einen weiteren starken Anstieg eher unwahrscheinlich erscheinen. Die Alarmisten gehen zum Teil ebenso davon aus und behaupten, dass es eben nach 2050 wieder rasant wärmer wird. Aber auch in 30 Jahren wird es wenige geben, die heute in Verantwortung sind. Es ist also sehr bequem, mit Verweis auf eine mittlere bis ferne Zukunft heute drastische Maßnahmen zu fordern, für die man wohl nie zur Verantwortung gezogen werden kann. Was aber innerhalb jener 30 Jahre geschieht hinsichtlich der Wirtschaft, Wohlstand und Demographie, bleibt offen.

Noch dramatischer ist die Atomangst, die zu einem Ausstieg aus der Kernenergie geführt hat. Endlager werden geplant mit einer Sicherheit für eine Million Jahre, obwohl der ‚Atommüll‘ heute schon als Wertstoff genutzt werden kann – Stichwort Transmutation. Für wessen Zukunft wird hier vorgesorgt? Viele Mitbürger, gerade Linksintellektuelle und auch die Bundeskanzlerin, haben keine Kinder. Ihre noch bestehende Lebenserwartung ist auf wenige Jahrzehnte beschränkt. Manche sehnen sich den ‚Volkstod‘ herbei. Wer den kommenden Niedergang überlebt, weiß keiner. Vielleicht Zombies aus einem pandemischen Islamismus?

Und nun die Pandemie …

Wer nun glaubt, dass die Regierung zuerst am Wohl der Bevölkerung und der Volkswirtschaft Interesse hat, mag nun erhebliche Zweifel daran haben:

Corona hat seitdem zu erheblichen Eingriffen in unsere Grund- und Freiheitsrechte geführt, mit breitem Konsens in der Gesellschaft. Merkel und die CDU haben so hohe Zustimmungswerte wie nie zuvor.

Alexander Meschnig

Das erste Interesse der Macht ist deren Erhalt und Ausbau. In einer Demokratie ist das nicht die Verfügung über Waffen und Helfershelfer, sondern die Medien und die öffentliche Zustimmung. Geschürte Angst hat sich darin stets als sehr wirksam erwiesen. Meschnig zeigt die Dimensionen dieser Politik:

Damit einher geht aber schon jetzt ein ökonomischer, kultureller und gesellschaftlicher Kahlschlag, dessen fatale Folgen noch gar nicht abzuschätzen sind und der ebenfalls eine Tendenz zur Selbstzerstörung in sich trägt. Machen wir uns nichts vor: Diese Politik wird von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt, denn das Argument des Überlebens, identisch eingeführt schon beim Thema Klimawandel, lässt keinen Widerspruch zu. Wer sich hier kritisch äußert, wird – ähnlich wie bei den Themen Einwanderung oder Klima – als „Unmensch“ getadelt, der über Leichen gehen will. Die moralische Erpressung funktioniert in allen Fällen und grenzt den Kritiker aus dem Kreis der Zurechnungsfähigen aus, um nicht politisch streiten zu müssen.

Alexander Meschnig

Ranghohe Wissenschaftler und viele Menschen aus aller Welt führen aber gute Gründe auf, warum COVID-19 keineswegs dramatischer zu bewerten ist als die regelmäßig wiederkehrenden Grippewellen, die ebenso Hunderttausende Tote weltweit fordern. Siehe: John Ioannidis oder die Great Barrington Erklärung

Was also treibt die Regierungen weltweit zu diesen Panik-Reaktionen? Sicher eine Bevölkerung, die aus Angst vor dem Tod lieber Selbstmord verübt.

Die „großen Erzählungen“ der Klimarettung, des Antirassismus oder der Weltrettung sind alle ganz oben bei der „Menschheit“ angesiedelt. Es geht buchstäblich immer um alles, jedes Thema wird essenzialistisch und so ihre Antagonisten zu Personifikationen von Gut oder Böse. Die Realität wird konsequent ignoriert, wenngleich sie sich früher oder später durchsetzen wird.

Alexander Meschnig

Stehen wir vor dem Abgrund? Dem Zusammenbruch der Zivilisation? Zuerst zerbröckelt die Weltwirtschaft, dann folgt das böse Erwachen, dass die immensen Schuldenberge nicht mehr getilgt werden können und die Quellen des Wohlstands versiegen. Die Steuerzahler können es gerade nach einem Wirtschaftszusammenbruch nicht mehr rausreißen. Arbeitslosigkeit, Insolvenzen, Hunger, steigende Kriminalität, Revolten … der Katalog des Schreckens lässt sich beliebig erweitern. Die Gefahren drohten bereits ohne Corona, denn die Staatsverschuldungen nahezu aller Länder überschreiten meist die Vorstellungen.

Niemand weiß, wie lange dieser Zustand der gesellschaftlichen Lähmung anhalten wird oder ob er nicht zum Dauerzustand werden wird, denn jedes neu auftauchende Virus könnte nach Corona sofort wieder den Modus des Lockdown reaktivieren. Wieso sollte ein Bürger hier noch in die Zukunft eines Unternehmens investieren, wenn von heute auf morgen durch Beschluss der Regierung sein Geschäft geschlossen werden kann? Der Umgang mit Corona, Migrationsfolgen, Energiewende und horrende Sozialkosten kumulieren sich zu einer Gefahr, die die Politik offenbar nicht einmal zur Kenntnis nimmt. Es wird weiter am „Wir schaffen das“ festgehalten.

Alexander Meschnig

Motive und Triebkräfte

Der Zeitgeist, der diese Entwicklung treibt, findet sich in vielen Ländern wieder, aber in Deutschland hat er eine besondere Prägung.

Der Arzt und Publizist Adorján Kovács sieht in der Selbstauflösung des deutschen Staates in einer Art europäischen Superstaat eine Lösung für die Abwertung des Eigenen, die eine rein negative Identität zur Folge hat und sich nach einer positiven Bestimmung sehnt. In einem Essay in der Zeitschrift TUMULT schreibt er: „Ein erweiterter Selbstmord als Sühneopfer für die leidende Welt, in einer irrealen Mischung aus Hybris und Demut. (…) Der größte Teil des deutschen Volkes scheint nichts dagegen zu haben, sondern feiert den Untergang oder akzeptiert ihn wenigstens. Hier zeigt sich der wahnhafte und zerstörerische Charakter der deutschen Politik.

Alexander Meschnig

Die Läuterungsagenda der Identitätslinken passt hier hervorragend in das Bild. Diese innere Dynamik zum Untergang findet sich auch in der Geschichte:

Der deutsche Nationalmythos, jedenfalls bis 1945, war nicht zufällig die Nibelungen, das Sinnbild eines heroischen und zugleich aussichtslosen Kampfes, der in der Auslöschung endet. Hermann Göring setzte noch das vergebliche Ringen um Stalingrad in seiner Rede am Jahrestag der Machtergreifung am 30. Januar 1943 mit dem Kampf der Nibelungen gleich. Ein Untergangsmythos, von dem eine dunkle Faszination des Opfers ausgeht, die offensichtlich in der deutschen Geschichte mentale Spuren hinterlassen hat. Reaktiviert sich folglich heute eine Art kollektive Mentalität, die für die Rettung der Welt, bei Strafe des eigenen Unterganges, ein Opfer verlangt?

Alexander Meschnig

Ob nun tiefenpsychologische Antriebe sich auch auf den Zeitgeist übertragen lassen?

Freuds Begriff des Todestriebes ist streng genommen eine Hypothese, die versucht, Unerklärliches verständlich und nachvollziehbar zu machen. Auch wenn der Begriff eine instinktive Abwehr erzeugt, solange keine bessere, alternative Erklärung für destruktive Prozesse vorhanden ist, sollte man sich damit beschäftigen.

Alexander Meschnig

Ganz offensichtlich sind hier weniger rationale Prozesse oder gar willentliche Entscheidungen gemeint. Kaum ein Mensch will bewusst den Tod oder will intentional den Untergang, sondern behauptet das Gegenteil. Auf der Ebene des öffentlichen Diskurses glaubt man ja nicht an den Niedergang und verspottet eher die ‚Prophets of Doom‘. Einerseits ist der gemeine Deutsche extrem ängstlich hinsichtlich des Klimawandels, Corona und der ‚Gefahr von Rechts‘, und einige Verschwörungstheorien kursieren. Andererseits werden weitaus offensichtlichere Gefahren dagegen mit atemberaubenden Bedenkenlosigkeit ausgeblendet. Aber die Regelmäßigkeit, mit der offensichtlich fatale Entscheidungen getroffen werden, lassen Zweifel an der Vitalität nur allzu berechtigt erscheinen. Das Gegenargument wäre, dass es eine innere Mechanik gäbe, die Entscheidungsprozesse aus nachvollziehbaren Gründen dahin führten, also keine unbewusste zerstörerische Motivation erfordern.

Sicher ist die Interessenlage bei diversen Teilen der Bevölkerung recht unterschiedlich. Mächtige entdecken die Möglichkeit der Kontrolle durch geschürte Ängste und bedienen gerne jeden Massentrend, um daraus einen Nutzen zu generieren. Aktivisten und die Medien, die sich mit jenen verbünden, sind oftmals ideologisch so stark aufgeladen, dass man hier weniger von persönlichem Nutzen ausgehen kann. Der gewöhnliche Bürger lässt sich von den Massentrends beeinflussen und glaubt in einer unüberschaubaren Lage gerne den Autoritäten aus Medien und Regierung. Die meisten hoffen, dass sie persönlich mit höchstens einem blauen Auge davonkommen und sonnen sich in dem wohligen Gefühl, nebenbei die Welt zu retten. Aber Motive sind nicht immer klar zu trennen. Es ist eher davon auszugehen, dass zeitgeistige Strömungen jedwede partikulären Interessen modulieren. Der Machtpolitiker und Manager, der auf den Wellen der aktuellen Trends surft und so alles zu seinem Nutzen zu rekrutiert, glaubt nachher noch jenen Experten, die er selbst aus dem dissonanten Chor der Wissenschaften aus Opportunität ausgewählt hat. Er ist dann der Überzeugung, selbst das Richtige und Gute zu tun, wenn er den großen Erzählungen folgt und will nicht wahrhaben, dass dies der Weg ins Verderben ist.

Ein Königsweg oder eine Lösung des gordischen Knotens ist zurzeit nicht in Sicht. Einerseits sind jene, die nachdenken und das dräuende Unheil erkennen einer Kassandra gleich, die sehend die üble Entwicklung durchleidet. Natürlich können wir alle hoffen, dass wir uns doch täuschten und wundersame Rettung herbeieilt, oder das es zumindest noch einige Zeit gut geht, zumal keine Gegenmaßnahmen zielführend erscheinen. Aber zumindest können wir in den kleinen Sphären des Beeinflussbaren dem Wahnsinn Einhalt gebieten und nicht dem Ungeist des Untergangs dienen. In diesem Sinn kann man allen Gefahren zum Trotz sich des Lebens erfreuen … so lange es eben geht.

Warum also?

Diese bange Frage lässt sich am besten mit einem Zitat beantworten:

Den Anspruch auf souveränes Denken wahren heute nur jene, die es aushalten, dass ihre Denkergebnisse auf absehbare Zeit nutzlos sein werden. …

Erkenntnis als Frucht der Begierde zu begreifen, was vor sich geht, ist heute annähernd überflüssiger Luxus. Es herrscht die Zuversicht vor, man könne sich die Welt nach Belieben zurechtmachen, müsse sie nicht erst erkennen.

Aber wir hängen am Luxus und nehmen gern das Risiko in Kauf, elitär zu erscheinen. Die Intellektuellen sind die Elite der Überflüssigen.

TUMULT

Ein Gedanke zu „Sehnsucht nach Selbstzerstörung“

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