Alterativlos entschuldigt?

Fraglos gibt es erzwungene Handlungen, bei der jede denkbare Alternative deutlich negativer ist. Dann, und nur dann, kann man von Alternativlosigkeit sprechen. Es sei denn, man ist Anhänger des Determinismus, der de Freiheitsgrade von Ereignissen auf Null reduziert ansieht – diesen schließen wir hier aus der Betrachtung aus. Zumeist aber ist die Behauptung der Alternativlosigkeit, vor allem in der Politik, äußerst fragwürdig. Die Behauptung, Sachzwängen zu unterliegen, rechtfertigt letztlich jede Entscheidung und entschuldigt den, der ja gar nicht anders kann. Auch werden demokratische Entscheidungsprozesse ausgehebelt, wenn man diese mit der Alternativlosigkeit begründet.

Aber was ist, wenn es durchaus Alternativen gibt? Vielleicht wesentlich bessere Alternativen? Entschuldigt dann die irrtümlich für alternativlos eingeschätzte Lage die fragwürdige Entscheidung? Vor dem Gesetz gilt, dass Unwissenheit vor Strafe nicht schützt. Noch schlimmer ist, wenn die behauptete Alternativlosigkeit nur als strategisches Argument verwendet wird, aber die Alternativen durchaus bekannt sind. Dann wäre es eine glatte Lüge, die in jedem Fall schuldig macht. In meinem letzten Essay ‚Sehnsucht nach Selbstzerstörung‚ wurden die These vertreten, dass die erkennbaren Fehlentwicklungen, die in mehrfacher Hinsicht in den Untergang führen, durch einen tiefenpsychologisch getriebenen Zeitgeist moduliert werden. Hier wollen wir dies auf Alternativen prüfen.

Zunächst die Ausgangsthese: Sind die behaupteten Fehlentwicklungen wahrlich fatal und alternativlos? Danach wird die Analyse untersucht: Welche Alternativen gibt es in der Deutung der Ursachen? Schließlich werden wir mit den Alternativen zu den Konsequenzen beschäftigen.

In der Postmoderne neigt man dazu, die Welt als Gegenstand der Anschauung und als Konstrukt zu verstehen. Es ist weniger die harte und absolute Realität, die unerbittlich alle Anschauungen als Irrtum entlarven, die dieser nicht entsprechen, sondern die Relativität der Ansichten, die persönliche Wahrheit bilden. Allein das ist m.E. eine fatale Fehlentwicklung, die die folgenden Aspekte befeuern.

Demographie

Die Trends der Entwicklung in Deutschland sind bekannt. Die Geburtenrate liegt seit Jahrzehnten deutlich unter 1,4, wo bei einer stabilen Entwicklung doch 2,1 erforderlich wären. Das diese zu einem langsamen Aussterben führt, ist offensichtlich. Die negativen Konsequenzen auch: Nicht nur die Sicherung der Renten, die auf dem Generationenvertrag führt fährt vor die Wand. Auch die Werte und kulturellen Errungenschaften des Volkes werden vergehen. Also ein Zustand, der sicher nicht wünschenswert ist, auch wenn es das Wort vom ‚Völkersterben von seiner schönsten Seite‚ gibt. Indes, Deniz Yücel bestätigt zunächst die These, dass die Deutschen verschwinden, und mit ihnen diese Kultur. Ist dieser Trend alternativlos? Nebenbei bemerkt: Yücel ist Vertreter jener deutschen Kultur, die er in seiner Kolumne scharf geißelt. Das brachte ihn in Haft und Folter in seiner Herkunftskultur.

Einerseits gibt es 101.000 Abtreibungen in Deutschland 2019 auf annähernd gleichem Niveau … obwohl es gute Verhütungsmethoden gibt. Natürlich wird hier nicht vertreten, dass unerwünschte Schwangerschaften die Demographie retten könnten. Aber es wird gefragt: Warum sind die Schwangerschaften so unerwünscht, dass Frauen die moralischen, psychologischen und medizinischen Risiken in diesem Umfang in Kauf nehmen?

Vordergründig ist die Vorstellung der vermeintlichen Selbstbestimmung fragwürdig und sicher nicht alternativlos. Aber die Frage nach einer Gesellschaft, die dies unterstützt und hier nicht entgegen wirkt, erschreckt. Warum ist in einem reichen Land das Bekommen von gesellschaftlich notwendigen Kindern ein großes Armutsrisiko? Warum ist die Adoptionsfreigabe ein unerwünschter Makel nach dem Austragen? Warum ist Leihmutterschaft ein Verbrechen, Abtreibung aber nicht? Warum gibt es keine Programme, die den gesellschaftlichen Wert der Mutterschaft aufwerten? Kurz: es gibt nicht nur persönliche Alternativen, sondern auch familienpolitische Alternativen, die weitgehend nicht genutzt werden.

Die Idee, den Bevölkerungsschwund durch massive Immigration zu bekämpfen, ist keine alternativlose Maßnahme. Zwar behauptete im Kontext massivem illegalen Zuzugs Katrin Göring-Eckardt „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt“ – aber das ist mehrfach falsch. Abgesehen von der Formulierung, die nach Sklaverei riecht, haben wir keine Verfügung über die Menschen. Sie werden voraussichtlich nicht die Rentenlücke schließen, denn sie belasten auch dauerhaft den Sozialstaat zusätzlich. Sie werden auch die Deutsche Kultur so nicht fortführen, sondern zeigen meist eine deutliche Distanz uns Ablehnung, bis hin zur Verachtung jener deutschen Kultur. Und Alternativen zur Migrationspolitik wurden umfangreich diskutiert.

Auch weltweit hat die Demographie Sprengkraft. vor allem das ungebremste explosionsartige Bevölkerungswachstums Afrikas führt zu wachsend unlösbaren Problemen. Einerseits wird durch das kommende Elend der moralische Druck zur Hilfe nicht mehr zu bewältigen. Andererseits wird der Migrationsdruck immer stärker steigen. Die Behauptungen der Regierungen, sie wollten die Fluchtursachen bekämpfen wirkt ausgesprochen lächerlich, wenn man keine erfolgversprechenden Ansätze betreibt, die Migrationsursache Nummer 1 zu bekämpfen. Es ist unverkennbar, dass hier massives ‚alternatives‘ Handeln zwingend erforderlich ist, quasi ‚alternativlos‘.

Währung und Wirtschaftspolitik

Unser Leben und Denken, unsere Kultur sind nur auf dem Hintergrund einer robusten Wirtschaftsentwicklung denkbar. Ohne Wohlstand, aber mit Existenznöten und Hunger wäre unsere Gesellschaft eine andere. Die Gefährdung der Gans, die goldene Eier legt, ist unbedingt zu vermeiden. Es geht darum nicht um marginale Wohlstandsverluste, die man vielleicht hinnehmen könnte, sondern um einen großen Zusammenbruch. Die dagegen propagierte große Transformation in ein Planwirtschaft hatte in der Geschichte Russlands, Chinas und jüngst Venezuelas (und vieler anderer Länder) zu erschreckendem Chaos und Tausenden und Millionen Toten und totalitärer Herrschaft geführt. Die Erwartung, das ein neuer Versuch zu weniger dramatischen Fehlschlägen führt, muss zu Recht bezweifelt werden.

Durch die Umwandlung der EG in eine EU mit gemeinsamer Währung, dem Euro, wurden strukturelle Probleme geschaffen, die letztlich nicht nachhaltig sein können. Das Euroland taumelt von Krise zu Krise. Griechenland ist nicht ‚gerettet‘, aber viele andere Länder taumeln am Staatsbankrott, dar nur durch massiven Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB vermieden wir. Jeder weiß nun, dass die No-Bailout Klausel des europäischen Einigungsvertrages nichts wert ist. Die Folge ist, dass die Verschuldung immer weiter atemberaubend steigt. An eine Rückzahlung ist nicht zu denken. Letztlich erkauft man sich Zeit, in der es noch gut geht. Aber früher oder später muss die Blase platzen, und das um so heftiger, je größer das Problem gewachsen ist.

Aber auch viele andere strukturelle Krisen würden ohne diese verhängnisvollen Rahmen erhebliches Gefährdungspotential tragen: Weltwirtschaftlich ist der Wohlstand der Gesellschaft durch verschieden Faktoren bestimmt: Sichere Infrastruktur, eine Bevölkerung die gut gebildet ein produktive Arbeitsmoral hat, technologisches Know-How. In nahezu allen Bereichen droh der Westen gegen ein übermächtiges Asien zu verlieren. Alleine China bildet bei hoher Bildungsqualität das Vielfache von Ingenieure des gesamten Westens, einschließlich Deutschlands aus. Mittelfristig ist von einem Verlust internationaler Konkurrenzfähigkeit auszugehen. Das bedeutet letztlich den Zusammenbruch des deutschen Wohlstands.

Hier entgegen zu wirken, und nicht nur einen Ausverkauf deutschen Know-Hows zu betreiben, sollte Priorität in der deutschen Politik haben. Dies allein wäre bereit eine gigantische Aufgabe, denn die Entwicklung ungeachtet aller weiteren Probleme und Scheinprobleme ist so bereits existenzgefährdend. Damit stellen auch in den Bereichen Währung und Wirtschaft die drängende Suche nach besseren Alternativen im Raum.

Klimakrise

Es gibt viele Menschen, die halten die kommende Klimakrise für das größte Problem der Menschheit. Das überrascht, denn die anderen aktuellen und mittelfristig existenzbedrohlichen Probleme werden hier offenbar ignoriert. Aktuell haben wir ein Klimaoptimum. Noch nie war die Nahrungsmittelproduktion so hoch wie heute. der Hunger ist trotz steigender Weltbevölkerung auch absolut gesenkt worden. Die Wetterkatastophen (Stürme Hagel, Dürren, Überflutungen) haben keinen erkennbaren Trend zur Verschlimmerung, auch wenn jedes Ereignis als herausragend skandalisiert wird und dem menschlich verursachten Klimawandel attribuiert wird. Auf ebene der UNO spricht man von einem 2-Grad-Ziel, bzw. einem 1,5-Grad Ziel. Das heißt, dass man von großen Schäden ausgeht, wenn im Jahr 2100 dieses Ziel überschritten wird.

Allen Verhandlungsergebnissen zum Trotz bleiben viel Fragen offen, u.a.:

  1. Sind die natürlichen Schwankungen und Einflüsse nicht der Gestalt, dass dieses Ziel auch ohne Maßnahmen erreicht wird? Die Wissenschaft kann hier keine robusten Antworten liefern.
  2. Sind die Konsequenzen bei Überschreitung des Ziels so dramatisch wie behauptet? Auch hier sind die Fragen berechtigt.
  3. Sind die angestrebten Maßnahmen überhaupt geeignet, wesentlich an der Zielerreichung mitzuwirken? Da eine steigende Weltbevölkerung und ein weiterer Emissionsanstieg Asiens bis mindesten 2030 sogar vertragskonform ist, können nationale Anstrengungen keine wesentliche Wirkungen entfalten, nur Kosmetisches bewirken.

Ganz offensichtlich gibt es wohl begründete alternative Einschätzungen zur Bedeutung der Klimaproblematik und der daraus begründeten Maßnahmen.

Hypermoral und Cancel-Culture

Die Entwicklung hinsichtlich des öffentlichen Diskurses ist ebenso bedenklich. Für eine offene Gesellschaft, eine funktionierende Demokratie ist eine Kultur des Diskurses und der Pluralität konstitutiv. Bedenken wachsen, wenn diese Regeln sich verschieben. Der Trend zu einem schleichenden Totalitarismus wird zuweilen vermerkt und ist auch nicht von der Hand zu weisen. Was treibt die Öffentlichkeit dazu, so stark Meinungen zu unterdrücken, zu delegitimieren und marginalisieren? Umfragen in Deutschland zeigen ein erschreckendes Bild, dass die Mehrheit meint, ihre Meinung nicht mehr unbefangen äußern zu können. Dies kann, vielleicht stärker als einige harten Fakten, massiv den Untergang befeuern.

Die Frage der Moral ist zumeist auch nicht eine des rationalen Umgangs, sondern ein emotionsgetriebenes Raunen. Es wird nicht nachgedacht, ob und was denn die Werte sind, die es zu verteidigen gilt, und welche Maßnahmen zielführend sind. Es wird weitgehend argumentbefreit eine Haltung proagiert, die einerseits einen klaren Trend erkennbar machen, andererseits kaum greifbar und definitiv sind. So ist die Frage der sogenannten Seenot-Rettung nach wie vor seltsam. Kritiker betonen, dass sie die sogenannte Seenotrettung für ein fatales Zusammenspiel zwischen kriminellen Schleuserbanden und Gutmenschen handelt, die einerseits wie ein Magnet auf Migranten wirkt und letztlich zu mehr Ertrunkenen führt. Allein, dieses Argument wird nicht offen diskutiert, sondern deren Vertreter als moralisch verwerflich denunziert. Ein wabernder Zeitgeist kann als Metapher sicher bemüht werden, aber eine faktenbasierte Analyse ist das nicht.

Definitv ist gibt es Alternativen in der Gestaltung des Umgangs mit Meinungsgegnern. Unterdrückern des freien Meinungsaustausch mögen Punktsiege gelingen, aber die Gesellschaft als Ganzes verliert ein wertvolles Gut, die Freiheit.

Corona-Krise

Aktuell wird durch die ausgerufene Covid-19 Pandemie weltweit Wirtschaft und Kultur herunter gefahren. Hier verhalten sich Länder unterschiedlich. Offensichtlich gibt es hier Alternativen. Die Bewertung, welche Strategie hier optimal ist, ist offen, zumal ein Modell, die auch die menschlichen Kosten des Lockdowns nachvollziehbar evaluiert, nicht existiert. Die Experten sind sich keineswegs einig, aber die Darstellung der Alternativlosigkeit wird von der Regierung und den Medien propagiert.

Klar ist, dass die Maßnahmen die Weltwirtschaft stark dämpfen. Ist dies eine temporäre Störung, oder ein neuer Dauerzustand? Ist die Krise der Hebel, um Machtpositionen der Herrschenden auszubauen? Unabhängig davon, sind die Belastungen, die durch die Maßnahmen entstehen, möglicherweise der Auslöser, dass einige kritische Blasen platzen lassen. Die Ursachen liegen allerdings tiefer und sind oft strukturell bedingt. Manche Stimmen sagen, dass die Corona-Krise zumindest als vorgeschobene Erklärung für den Zusammenbruch die Akteure entschuldigt.

Zumindest eines ist klar: Aktuell geht es vielen Menschen recht gut, aber die Risiken, dass es zu einer Niedergang kommt – den wir möglichst weit in der Zukunft erst wünschen – liegt auf der Hand. Die Frage allerdings bleibt, ob dies gar schicksalhaft ist, ob es Möglichkeiten zum wirksamen Gegensteuern gibt und ob die Frage der Schuld der beteiligten Entscheidern an der drohenden Katastrophe zu beantworten ist.

Analyse und Ursachen

Im Essay ‚Sehnsucht nach Selbstzerstörung‚ wurde die These diskutiert dass es tiefenpsychologische und unbewusste Motive sind, die hier eine Erklärung liefern. Daraus erwachsen viele Fragen: Ist das überhaupt zutreffend? Gibt es auch in diesem Fall gangbare Alternativen, mit dem Motiv umzugehen? Welche Konsequenzen hat es, wenn es keine valide Erklärung für die Trends gibt?

Verschwörungen

Im Allgemeinen gelten Verschwörungstheorien als absurd. In der Tat werden sich irgend welche Behauptungen aus der Luft gegriffen erweisen, wie z.B. wie die jüdische Weltverschwörung oder viele andere. Andererseits ist aber bekannt, dass Menschen nach Macht, Einfluss und Geld streben, und dazu auch unmoralische Methoden nutzen. Warum sollte es darum nicht eine oder mehrere reale Verschwörungen geben, die einen Nutzen von der Vielzahl von absurden Verschwörungstheorien haben, um sich in diesem Chaos gut zu tarnen?

Das Problem der Verschwörungstheorie ist nicht, dass es sie nicht geben könne, sondern dass sie nichts erklären. Weder haben die potentiellen Verschwörer das überlegene Wissen, sich über alle zeitgeistigen Strömungen und Ideologien völlig zu befreien, noch sind sie in der Gruppendynamik der Verschwörer frei. In mafiösen Strukturen muss jeder fürchten, selbst Opfer von Ausschlussmaßnahmen, bis hin zum Mord zu werden. Er muss also unter Bedingungen funktionieren, wie es auch bei den öffentlichen Mächtigen bekannt sind. Darüber hinaus muss es das Interesse der Mächtigen sein, ihre Macht zumindest zu erhalten. Ein Niedergang und Zusammenbruch von Wirtschaftssystemen ist wenig geeignet, hier ein rationales Motiv zu liefern.

Notwendigkeiten und Zufall

Strukturen entstehen durch gewisse natürliche Interessen. Politiker und Mächtige haben zumeist einen sehr vollen Arbeitstag. Sie müssen Termine wahrnehmen und viel kommunizieren. Sie haben nicht die Zeit, sich mit Sachfragen und deren Hintergründen eingehend zu beschäftigen. Immerhin sind nahezu alle Problemfelder – Wirtschaft, Klima, Moral etc. – komplex und erfordern Kraft, Zeit und den Willen, sich selbst sachkundig zu machen. Es gilt in diesen Kreisen als selbstverständlich, dass das gar nicht geht. Darum werden diese Tätigkeit delegiert an Menschen, denen die ‚Entscheider‘ dann vertrauen müssen. Wie aber werden diese Experten und Referenten ausgewählt? Wer kann dann die fachliche Kompetenz beurteilen, wenn doch gerade dazu eine Mindestkompetenz erforderlich ist? Ist nicht nur eine fachliche Kompetenz, sondern auch sogenannte Softskills entscheidend? Also die Fähigkeit, Vertrauen zu erwecken, überzeugen zu können, zu funktionieren und verlässlich zu sein, auf ein einflussreiches Netzwerk zurückgreifen zu können? Tritt nicht dadurch die fachliche Kompetenz in den Hintergrund – also nicht mehr die sachlich richtige Aussage ist zu erwarten, sondern jene, die ins Bild passt? Und erzeugt das nicht notwendig eine ‚Inzucht‘ mit Konformitätsdruck? Denn Ansichten und Meinungen, die fachlich noch so begründet sind, stehen unversehens im Konflikt mit etablierten Ansichten, die sich aufgrund ihrer gewachsenen Macht besser durchsetzen können. Es haben sich dann Strukturen verfestigt, die eine rationale Problembehandlung weitgehend aushebeln.

Davon ausgehend ist zu fragen: Ist es dann reiner Zufall, welches die inhaltlichen Positionen der Macht sind? Wachsen nicht Strukturen, die sich selbst verstärken, mit entweder schicksalsmächtigen oder zufälligen Ergebnis heran? Der Mensch als das Opfer der – irrationalen – Strukturen, die er selbst gebaut hat? Der Begriff der Rationalität ist zu klären: Auf einer Metaebene ist es durchaus rational, Macht und deren Mechanismen geschickt zu nutzen. Wenn dies aber im Widerspruch zum Sachproblem und deren gesuchten Lösung steht, kann man dies Wirkung offensichtlich nicht mehr als zielführend erkennen, wenn denn die Lösung des Sachproblems als Ziel angenommen wird.

Die These lautet hier: Es ist eine Harmonie zwischen den Mitteln der Macht und der Lösung sachlicher Probleme anzustreben. Immerhin sollten Erfolge in der Problemlösung auch ein Gewinn an Macht und Einfluss bedeuten. Wie oben gezeigt, trifft dies aber in nahezu allen Problemfeldern nicht zu. Werden die als notwendig erkannten Maßnahmen unpopulär und führen zum Ausschluss aus dem Gefüge der Macht, kann nichts erreicht werden. Aber ein Königsweg des Kompromisses ist nicht erkennbar, der beide Aspekte vereint. In der Entscheidungsnot wirken die Strukturen der Macht stärker als der Wille zur sachlichen Problemlösung.

Entscheidend wirken hier viel mehr Megatrends, die eine angemessene Berücksichtigung der fachlichen Komplexität nicht benötigt. Emotionen vor Argumenten.

Zeitgeistige Motive

Damit sind wir zurück bei der Ausgangsthese, dass ein anonymer Zeitgeist die Entwicklung treibt und auf Motive in den Menschen abhebt. Weder sinistere Masterminds, die eine Verschwörung betreiben, noch sachlich unabänderliche Notwendigkeiten treiben diesen Zeitgeist an. Was also sonst? Vieles spricht für die Ausgangsthese, dass die beobachteten Trends eben nicht auf rationaler Bearbeitung von Problemen beruht, sondern eine Eigendynamik tiefenpsychologischer Antriebe geschuldet ist.

Konsequenzen

Ausgehend von dieser Analyse möchte man schier verzweifeln, denn einer anbrandender Woge des Unheils vermag man auch mit guten Argumenten nicht zu trotzen. Einerseits kann die Hoffnung, dass die Woge sich doch irgendwie bricht und nicht alles mit sich reißt, zunächst weiterhelfen. Zum Anderen kann man auch bei mäßigen Erfolgsaussichten sich dennoch der Rationalität verschreiben und seinen eigenen Beitrag liefern, um das Schlimmste zu verhindern. Hier gilt es, Bewusstsein zu wecken und Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht gibt es doch die kritische Masse an Menschen, die hier klarsichtig sind und sich gegen den verhängnisvollen Trend stemmen. Hoffnungslosigkeit entschuldigt nichts, auch keine Versäumnisse zu Gegenmaßnahmen, deren Notwendigkeit erkannt wurden.

Letztlich aber gilt es, sich so gut als möglich zu wappnen, die kommenden Katastrophen zu überstehen.

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