Das Ende der Mobilität

Dramatische Titel vom Ende und Untergang wirken auf mich recht morbide. Natürlich hoffen wir, dass sich all diese Unkenrufe als weit weniger dramatisch erweisen würden. Der Anlass hier ist ein Artikel: Ihr werdet alle elektrisch fahren. Mit der Bahn. Manchmal.
Klaus-Dieter Humpich beschreibt darin zutreffend, dass die Beschlusslage in Brüssel vorsieht, dass ab 2030 Grenzwerte vorsieht, die völlig undurchführbare Forderungen an die Automobilindustrie stellen. Und zwar wegen der Grenzen der Physik. Alternativen existieren praktisch nicht. E-Mobilität kann nicht in die Lücke springen – auch nicht mit horrenden Kosten. Wird es also künftig keine Autos und Automobilindustrie geben? Was bedeutet das für unser Leben? Wie können wir unser Einkommen dann noch sichern?

Humpich thematisiert darin noch nicht einmal, dass bereits aktuell die Beschlusslage den Neuverkauf belastet:

Als Faustregel für Käufer von Benzinmotorautos gilt darum: Stichtag ist das Erstzulassungsdatum 1. September 2018. Wer heute einen Neuwagen mit Benziner kaufen will, sollte darauf achten, dass der Partikelfilter Teil des Angebots ist.

Beim Selbstzünder ist der wichtige Stichtag der Erstzulassung der 1. September 2019, mithin ein Jahr nach den Benzinern. Dann müssen alle neu zugelassenen Pkw die Euro 6d-TEMP einhalten. 

Abgasnormen im Überblick

Das scheint noch nicht das Ende zu sein, treibt aber die Kosten weiter. Immerhin geht es hier um Werte, die für viele neue Fahrzeuge bereits nicht eingehalten wurden. Aber auch der weitere Weg ist mehr als steinig:

Bis 2021 dürfen alle neu zugelassenen Pkw in der EU im Schnitt maximal 95g CO2/km ausstoßen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel bzw. 4,1 Liter Benzin. 

EU setzt Vorgaben für Pkw

Diese Werte sind bereits so ‚ambitioniert‘, dass es unklar ist, wie dies in so kurzer Zeit zu vertretbaren Kosten auch erreicht werden könnte. Humpich aber weist auf die Grenzwerte von 2030, die aus physikalischer Sicht gar nicht mehr erreichbar sind.

Übersetzen wir deshalb mal schleunigst diesen geplanten Grenzwert in Maßeinheiten, die jedem Autofahrer nur zu vertraut sind: 60 gr CO2/km entspricht etwa einem Verbrauch von rund 2,5 Liter Benzin beziehungsweise 2,3 Liter Diesel pro 100 km.

Klaus-Dieter Humpich

In der Vergangenheit war eine Verbesserung immer mit Augenmaß und Durchführbarkeit gefordert worden. Nun aber driftet die Welt der Vorgaben und die einer realisierbaren Wirklichkeit immer weiter auseinander. Das hat diverse philosophische Aspekte:

Wirklichkeit und Grenzen

Es erscheint, das die Welt der Bürokraten und überraschender Weise auch vieler Fachleute sich wenig an der Realität orientiert. Immer unbesorgter werden objektive Grenzen der Physik ignoriert. Man glaubt, dass man die Erfolge der Vergangenheit bei Einsparungen beliebig fortsetzen könnte. Werden nur die Messlatten herausfordernd genug gesetzt, wird die Industrie schon über das Stöckchen springen. Das dies immer weniger gelingt, zeigen die vielen Skandale, die über konkretes Fehlverhalten der Akteure hinaus auf das Grundproblem verweisen: Die Vorgaben lassen sich kaum noch, wenn überhaupt erreichen. Dass man dann mit Betrug das Problem lösen will, ist zwar nicht entschuldbar, aber verständlich.

Warum also überhaupt derartige Vorgaben? Einerseits dienen diese ja angeblich der Gesundheit der Menschen. Natürlich sind Schadstoffemissionen grundsätzlich nicht gut und sollten vermieden werden. Aber es ist kein Geheimnis, dass geringe Mengen ans Schadstoffen gesundheitlich unbedenklich sind: Die Dosis macht das Gift. Durch die Entwicklung wurden auch erstaunliche Verbesserungen erreicht. Moderne Kraftfahrzeuge sind wesentlich weniger belastend als noch die Generationen zuvor. Die Luftqualität in den Städten hat sich kontinuierlich verbessert. Die Lebenserwartung liegt in den Städten oft über der auf dem Land. Besteht dann überhaupt noch Handlungsbedarf für weitere Verbesserungen? Müssen gar nicht vorhandene Probleme gelöst werden?

Die Wissenschaften habe erfreuliche Fortschritte gemacht, die Technologie konnte diese in beachtlicher Weise umsetzen. Um so erstaunlicher ist es, dass Entscheider immer weniger Bezug zur Physik und Realität zu haben scheinen. Man delegiert das Wissen an Experten und sucht sich dann die Experten, die das sagen, was man hören will.

Dieses Verfahren induziert natürlich die Korruption. Zumeist schlicht nicht in plumper Weise. Kaum einer wird sein Wissen und Überzeugungen gegen die Aussicht auf einen besseren Job verkaufen. Der Prozess ist eben schleichend, fast wie in evolutionären Mechanismen beschrieben: Es gibt auch unter Fachleuten ein gewisses Meinungsspektrum: Wer die Seite vertritt, die wohl gelitten ist, wird Förderung bekommen, wer gegen die vorherrschende Macht opponiert, wird Nachteile erfahren. Nahezu keiner braucht seine überzeugungen zu verdrehen, aber am Ende sitzen jene an den Schalthebeln, die der Macht dienen. Es liegt auf der Hand, dass dies mit Wissenschaft wenig, de facto aber viel mit Korruption zu tun hat.

Und die Realität? Die lässt sich mit diesen Mechanismen nicht neu erfinden … oder doch? Die Frage des Pilatus – Was ist Wahrheit? – ist in der Postmoderne um so aktueller geworden. Wenn es die absolute Wahrheit nicht gibt und alles eine Frage der Ansicht ist, ist es doch nur folgerichtig, wenn man sich die Welt so macht, wie sie einem gefällt. Und demnach hat sich die Physik der Politik unterzuordnen. Tut sie das auch? Wohl kaum!

Konsequenzen für unser Leben

Wenn die Grundlage unseres Lebens in einer komplexen Gesellschaft darin bestehen, dass Waren und Dienstleistungen in gewachsenen Flüssen organisiert sind, dann heißt das nicht, dass diese immer so bleiben müssen. Sie verändern sich so oder so. Mal mit gewollten Einflüssen, mal aus unerwünschte Ergebnisse vieler Faktoren. Eine Veränderung kann durchaus positive Chancen haben, kann aber auch zur Zerstörung führen. Das Prinzip der Veränderung ist darum weder gut noch schlecht. Der moderne Konservative will nicht darum den gegebenen Zustand einfrieren, weil er diesen als Wert an sich sehen würde, sondern weil er sich gegen schädliche Veränderungen wehren will.

Was also sind die erkennbaren Veränderungen, die als Konsequenzen des oben genannten deutlich werden? Ist es tatsächlich eine weitere Verbesserung der Umwelt? Wohl kaum, denn die Lage ist bereits weitgehend unbedenklich. Aber es gibt für eine Mobilität, wie sie für uns heute existiert,keinen Raum mehr:

  • Die neuen Grenzwerte lassen keine Lösungen für Verbrennungsmotoren realisierbar erscheinen.
  • E-Autos sind aus vielerlei Hinsicht nicht massentauglich: Reichweite, Kosten und erforderliche Infrastruktur werden auch in naher und ferner Zukunft zu keinen Lösungen führen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel sind bereits heute überlastet. Ein Ausbau dieser Kapazitäten ist in dem erforderlichen Umfang wohl nicht zu leisten

Das heißt, dass das Leben teurer bis unmöglich wird. Die Unterschiede zwischen arm und reich werden sich verschärfen, bis letztlich die Wirtschaft als Gesamtgefüge zusammenbrechen wird und auch Reiche in diesen Strudel gesogen werden. Womit sollten die Menschen ihr Geld verdienen? Wenn sie nicht mehr zur Arbeit fahren können, wären sie auf lokale Arbeitsplätze angewiesen – was den Trend der letzten Jahrzehnte völlig konterkariert.

Großindustrie, oft angetrieben von der Automobilindustrie, verliert ihre Grundlage. Der Verdacht, dass alles wie ein Kartenhaus einstürzen kann, erscheint nur allzu begründet. Ist es nur der Mangel an Phantasie, wie es nicht doch funktionieren könnte? Oder ist es der Mangel an Phantasie, wie der Niedergang aussieht.

Vielleicht kommen die Menschn aber zur Vernunft, wenn sie merken, dass ein Plan nicht funktioniert. Man könnte die nun beschlossenen Grenzwerte einfach aussetzen. Darauf zu vertrauen wäre allerdings fatal. Allzu oft wurden an schädlichen Entscheidungen auch dann festgehalten, wenn offensichtlich etwas nicht funktioniert. Z.B. bei den NO2-Grenzwerten für Außenluft. Es stehen uns also auch aus dieser Seite getrieben schwere Zeiten bevor.

Wie darauf reagieren? Politisches Engagement zum Entgegensteuern? Der Rückzug ins Private, da man ja doch nichts ändern kann? Einfach weiter wie bisher, es wird schon irgendwie gut gehen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.