Buße, dass hat doch was mit Sünde und Strafe zu tun, so mag man denken. Also unangenehme Begriffe, die man besser meidet. Dabei geht es im Kern um etwas anderes, nämlich zuerst um die Erkenntnis, dass man falsch lag, und schlecht handelte. Die Buße soll also zur Umkehr führen, und das Übel so weit möglich aktiv heilen und für die Zukunft vermeiden. Während dies im Kleinen in vielen Bereichen möglich ist, meint Bekehrung eher den Wendepunkt in seinem Leben, also Buße im Großen. Zuerst sind dies christliche Begriffe, aber diese gelten mehr oder minder auch für säkulare Themen.
Was aber heißt NPC? Diese Abkürzung kommt aus der Welt der Computerspiele und steht für Non-Player-Charakter. Das sind programmierte Personen, die das Verhalten wirklicher Menschen mehr oder minder simulieren sollen, aber in Wirklichkeit nur den Vorgaben folgen. NPCs können keine Buße empfinden oder sich bekehren, es sei denn, sie sollen genau das gemäß Vorgabe simulieren. Es hat sich verbreitet, die Menschen, die unkritisch dem Mainstream und Zeitgeist folgen, als NPC zu bezeichnen. Was bedeutet das für mein Leben?
Es hat den Geruch des Überheblichen, andere Menschen als NPC zu bezeichnen, denn diese werden damit diskreditiert und nicht mehr ernst genommen. Auch selbst sieht man sich wohl nicht als NPC. Aber das trifft wohl in beider Hinsicht nicht zu. Denn jene als NPC geschmähten lebenden Personen mögen tatsächlich in einigen Bereichen sich von den Vorgaben des Zeitgeistes nicht unterscheiden, in anderen Bereichen aber sehr wohl. NPC könnte darum wohl eher als partieller Status angesehen werden, woraus sich Menschen immer wieder lösen – wobei wir wieder bei Buße und Bekehrung sind. NPC-Sein ist kein unabwendbares Schicksal für lebende Menschen und die Möglichkeit von Buße und Bekehrung ist der Ausweg.
Auch ist jeder, auch man selbst, grundsätzlich nicht gefeit davor, unkritisch irgend welchen Vorgaben zu folgen. Also dient diese Beobachtung bei Dritten, so zutreffend sie auch sein kann, besser nicht für das gute Gefühl, überlegen zu sein, sondern sich der selbstkritischen Reflektion zu öffnen. Diese kann schmerzhaft sein, sollte aber nicht überziehen, dass sie das eigene Denken lähmt.
Gerade bei Menschen ohne starkem Selbstbewusstsein besteht die Neigung, sich der Ansicht Anderer zu unterwerfen, als bestens belegt. Das könnten einzelne Autoritäten sein, oder auch indifferenten Massen, die unisono bestimmte Behauptungen als unbestreitbare Tatsachen etablieren. Deutungshoheit ist aber oft nicht sachlich hinreichend begründet, sondern eine gesellschaftliche Machtposition, gestützt von Medien, Wissenschaft und Politik. Viele Versuche haben diese gruppendynamischen Effekte sehr gut belegt. Eingedenk dessen, dass sich Macht am effektivsten ausüben lässt, wenn man das Denken der anderen, oder besser der Massen direkt oder subtil beeinflussen kann. Darum ist es gut und notwendig, den NPC-Status bei anderen Menschen zu erkennen und auch zu benennen. Denn dadurch wird der Einzelne befähigt, sich gegen einen Gruppendruck zu erwehren und die vermeintliche Mehrheit nicht als Autorität wirksam werden lassen, was den Menschen nur zum Opfer macht.
Die Verführung des Zeitgeistes
Natürlich ist nicht alles, was man dem Zeitgeist zuordnet, automatisch böse und abzulehnen, aber es bleibt potentiell böse und muss darum immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. Auch Propaganda muss nicht immer einer perfiden Absicht folgen, sondern kann in ehrlicher Entrüstung ihre Wurzel haben … dann aber verzerrt oder Irrtümern aufsitzt. Dies Methoden der Propaganda sind bereits für den Mächtigen verführerisch, der seine Macht mit den Methoden der Propaganda festigt und ausweitet. Auch wenn es keine Verschwörung sei, sondern ’nur‘ gruppendynamische Prozesse wirksam sind, so bleibt das Ergebnis gleicherweise gefährlich. Denn wer in einer Fremdbestimmung gefangen ist, stellt bereits die eigen Verantwortung und Würde in Frage.
Darum hat es über den christlichen Kontext hinaus Gültigkeit, wenn Paulus schreib:
Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Römer 12:2
Wenn es doch so einleuchtend erscheint, sich nicht dem Zeitgeist und Gruppendruck zu unterwerfen … warum erscheint es trotzdem, dass sich Mehrheiten oft wie NPCs verhalten und man selbst zuweilen dem Mainstream entspricht?
Anknüpfungspunkte sind die menschlichen Bedürfnisse und Unzulänglichkeiten. Jeder Mensch will geliebt, oder zumindest respektiert werden. Dies gefährdet er, wenn er aneckt und sich gegen Andere und vermeintliche Wahrheiten stellt. Er möchte schon als Außenseiter, Spinner, Wahrheitsfanatiker, Moralapostel, Verschwörungstheoretiker gelten oder einer Gruppe zugeordnet werden, die gesellschaftliche Ächtung bekommt? Darum ist der Konformismus wesentlich ungefährlicher. Wer will da schon für die Wahrheit und das Gute alles aufs Spiel setzen? Was sollte es auch bringen, sich selbst zum Märtyrer für die vermeintlich gute Sache zu machen, wo man selbst vielleicht auch im Irrtum wäre? Andererseits bleibt: Wer diesen Versuchungen erliegt, wird zum NPC – und da hilft kein Schönreden.
Andere Gründe könnten diese Motivlage verschleiern: Das Streben nach Macht und Wohlstand, Genuss und dem süßen Leben, der Bequemlichkeit und einigem Mehr sind starke Verbündete des Konformismus. Schließlich kann man ja auch nicht alles wissen und muss in vielen Punkten auf Dritte vertrauen … warum sich also in das gefährliche Fahrtwasser begeben und gegen den Strom schwimmen zu wollen?
Aber auch in christlichen Gemeinschaften gibt es diese Mechanismen des Gruppendrucks und des Konformismus. Auch wenn die Mahnungen des Paulus nicht nur hier aufrüttelnd sind und den Christen doch der Heilige Geist verheißen wurde, so verhalten sich Christen oftmals nicht viel anders wie ihre säkularen Genossen. Dies wurde in allen möglichen Phasen der Kirchengeschichte deutlich, am krassesten bei den ‚Deutschen Christen‘ in der Nazi-Zeit, aber auch da, wo man heute dem Zeitgeist folgt, bei Corona-Maßnahmen, Abtreibung und Genderwahn. Überall gibt es auch in den Kirchen das Bestreben, nicht anzuecken und übernimmt oftmals Positionen, die im straken Kontrast zu den Weisungen des Neuen Testaments stehen.
Wer sich nun mutig gegen jene Versuchungen stellt und allen Kompromisse und Gefälligkeiten entsagt, steht aber in einer anderen Gefahr: Denn der Wunsch, sich selbst zum Märtyrer zu machen, könnte auch daran liegen, sich selbst als Held zu inszenieren und wiederum der Sünde fehlendem Demuts anheim zu fallen. Wo also ist die richtige Balance zwischen den Übeln? Eine Patentrezept gibt es nicht, aber man ist gut beraten, eine kritische Distanz zum Zeitgeist zu bewahren.
Beharrungskräfte und Buße
Es ist unvermeidlich, das man irgend welchen Versuchungen erliegt, und sei es der des Hochmuts. Aber dann setzen mehrere Schritte ein, die eine Erkenntnis dessen verhindert. Denn der erste Schritt wäre ja, das Übel, also den Irrtum, die Sünde etc., zu erkennen. Gemäß der Verführung ist bereits das Aufbäumen in der Erkenntnis schmerzhaft, denn es stellt ja genau das in Frage, dem man bisher folgte. Macht man sich selbst zum Idioten und Propagandaopfer wenn man erkennt, einem Irrtum oder Betrug aufgesessen ist? Dieses negative Selbstbild wollen viele vermeiden und halten es für leichter, bei ihren Ansichten zu bleiben, die sie eigentlich als Irrtümer erkennen könnten.
Aus der Erkenntnis, auf der falschen Seite zu stehen, wächst die Konsequenz, sein Verhalten zu ändern und sich somit in gefährliches Wasser zu begeben. Wenn die eigene berufliche Existenz oder gesellschaftliche Reputation auf dem Spiel steht, wird man Gründe suchen, diese Schmerzen zu vermeiden. Man kann in der Rechtfertigung, bei fragwürdigen Positionen aus ganz praktischen Gründen bleiben zu müssen, das fieberhafte Bestreben erkennen, die kognitive Dissonanz aufzulösen. Und da finden sich leicht Muster und Stereotype: Bin ich den hinreichend Informiert, um hier den Brustton der Überzeugung anzustimmen? Gibt es nicht andererseits Gründe, warum auch die bequemere Ansicht vertretbar ist? Müssen wir nicht doch bestimmten Experten vertrauen?
Diese Muster ähneln sich, ob es sich nun um kleine Sünden wie das Naschen und Genusssucht, um sexuelle Untreue oder um politischen Konformismus handelt. In allen Fällen wird man erfinderisch, um Argumente und Gründe zu finden, die eine Umkehr und Buße zu vermeiden ermöglicht. Wenn das alles nicht hilft, so ist doch die Macht der Gewohnheit das letzte Ass im Ärmel des Sünder. Auch wenn hier oft Schläue und Spitzfindigkeit zum Einsatz kommen, so unterscheidet sich das Ergebnis oft nicht vom Erscheinungsbild des NPC.
Praktische Beispiele
In der Nazi-Zeit ließen sich viele Menschen von den Erfolgen Hitlers blenden. Die Wirtschaftsentwicklung war äußerst positiv. Ein arbeitsloses Volk am Boden, zerrüttet von inneren Querelen war plötzlich in Arbeit und aufstrebendem Wohlstand, Kriminalität wurde massiv gesenkt, bürgerliche Werte und Familien waren im Aufschwung … was wollte man mehr? Man übersah die Brutalität des Regimes, die Ausgrenzungen der Juden, Verzicht auf Meinungsfreiheit und vieles mehr. Die Verführung funktionierte. Selbst die Kriegstrommeln führten Anfangs zu Kriegsbegeisterung, und militärische Erfolge schienen das Regime zu bestätigen. Als die Blase Platzte, die Front und die Wirtschaft kollabierte, hätten viele aus ihrem Traum vom 3. Reich aufwachen müssen, aber sie hielten der verderblichen Ideologie die Treue. Selbst nach dem Zusammenbruch bekehrten sich alte Nazis nicht, sondern trotz offensichtlicher Dysfunktionalität und moralischer Verkommenheit taten sie keine Buße und blieben bei diesem antichristlichen Todeskult. Die Beharrungskräfte einer entzauberten Ideologie waren enorm. Auch in der Folge gab und gibt es Neo-Nazis, die trotz eklatanter Verbrechen sich noch immer von dieser abscheulichen Ideologie faszinieren lassen.
In den 80er Jahren waren die Medien voll mit der ‚wissenschaftlichen‘ Behauptung, eine neue Eiszeit stehe vor der Tür, aber bevor diese geschürten Ängste Massenwirksamkeit erlangten, wurde diese ersetzt vor einer gefährlichen Erderwärmung, die drastische Maßnahmen weltweit erfordere. Diese Panikmache funktionier seit den 90er Jahren noch immer, auch wenn längst deutlich wurde, dass die Fakten weit weniger dramatisch sind, aber die tausenden Milliarden, die man zur Bekämpfung jener Klimaveränderung aufwandte, völlig wirkungslos blieben. Im Zeichen der Dekarbonisierung, die das Klima angeblich schützen sollte, wurde und wird die deutsche Volkswirtschaft in den Abgrund geführt. Die weltweiten CO2 Emissionen steigen nach wie vor nahezu ungebremst. Die Einsparungen, die man in Deutschland erreichte, wurden weitgehend durch die Verlagerung ins Ausland wirkungslos. Aber trotz der offensichtlichen Nutzlosigkeit der Maßnahmen fahren weite Teile der Bevölkerung und der weltweiten Politik fort, diese suizidalen Maßnahmen durchzusetzen und werden weiter von der Bevölkerung gewählt.
Die Zeugen Jehovas hatten klar datierte Weltuntergangsprophetien und die Behauptung, dass sie die Auserwählten 144 000 Menschen für das Reich Gottes sei. Die Gemeinschaft wurde eine Welt für sich, die sich auch gerade durch ihre Abkehr von der Mehrheitsgesellschaft verfestigte. Nur traten die Prophezeiungen nicht ein, und dennoch bleiben die Anhänger dabei … und wuchsen zahlenmäßig weit über die Zahl 144 000 – wo es offensichtlich keine Verheißungen für die späten Anhänger mehr gab. Kognitive Dissonanzen werden in Ideologischer Verblendung ertragen.
Beim Irak-Krieg flogen einige krasse Propaganda-Lügen auf. Denn es wurden eben nicht kleine Säuglinge in einer Kuwaitischen Geburtsklinik von bösen Irakischen Soldaten brutal getötet. Auch im Folgekrieg gab es keine Massenvernichtungswaffen, die als Grund für das Massenbombardement von Tausenden herhalten mussten. Aber auch weiterhin werden fragwürdige Narrative verbreitet, um das nächste tausendfache Ermorden von Menschen zu rechtfertigen. Immer wieder fallen Menschen auf Propaganda herein und lernen anscheinend nichts daraus, sondern rechtfertigen die Ansichten auch dann noch, wenn der Schwindel längst aufgeflogen ist.
Als die COVID-19 Pandemie ausgerufen wurde, waren viele Menschen in Angst und wollten wirksame Maßnahmen, um sich vor dem Tod und dauerhafter Erkrankung zu schützen. Nur wurden die Maßnahmen, die viele Menschenrechte und die Rechte des Grundgesetz massiv beschnitten oft derartig abstrus, dass anfangs eine deutliche Minderheit erkannt, dass diese auch dann ungeeignet wären, selbst wenn die behauptete Pandemie so gefährlich gewesen wäre. Aber die Panikmeldungen erwiesen sich schnell als schlechte Propaganda, an der die Regierung, alle Leitmedien und einige Wissenschaftler und Ärzte beteiligt waren, und auch die Kirchen machten mit. Die Katastrophe erwies sich als weniger gefährlich als eine starke Grippe-Epidemie, die man früher als unvermeidbar hingenommen hatte. Kritiker wurde aufs schärfste diskriminiert und auch häufig juristisch verfolgt. Auch nachdem der Schwindel aufgeklärt wurde und sich die behauptete wissenschaftlichen Fakten als politische Propaganda erwiesen, blieben viele Menschen bei der Ansicht, dass man es nicht hatte besser wissen können, die Maßnahmen wirksam gewesen seien und schlimmeres verhindert hätten. Eine Erkenntnis, dass man einem gewaltigen Schwindel aufgesessen war, dass zu einem klaren Umdenken führt, wurde oftmals nicht vollzogen.
Empfehlungen
Natürlich sollte man von Anfang an skeptisch bei fragwürdigen Entscheidungen sein und die Gründe kritisch prüfen, damit man sich nicht erst auf das dünne Eis begibt. In allen Fällen gab und gibt es 1Warner, die mit guten Argumenten dem Irrtum entgegen wirken und ein Hereinfallen auf die Versuchung der Leichtgläubigen hätten vermeiden können. Aber dennoch ist niemand davor gefeit, auf Propaganda und Irrtümern hereinzufallen.
Was wäre denn die richtige Reaktion gewesen, wenn man klar erkennen kann, dass man getäuscht wurde, bzw. sich hat täuschen lassen und das der Schwindel letztlich Irrtum war? Zunächst ist es wichtig, nüchtern zu bleiben und nicht zu meinen, wenn viele Menschen auf einen Schwindel hereinfallen, dass es kein Schwindel sei. Eine kritische Reflektion ‚eigener‘ Überzeugungen muss helfen, Irrtümer zu erkennen. Dazu ist erforderlich, die Möglichkeit des Irrtums als Gefahr zu bemerken. Dann sollte nicht falscher Stolz dazu führen, den eigenen Irrtum vor dem bitteren Eingeständnis zu bewahren.
Der öffentliche Diskurs und die Meinungsvielfalt können helfen, Irrtümer zu erkennen. Dazu sollte aber ein offener Umgang mit Argumenten gepflegt werden, nicht die Dämonisierung des Meinungsgegners und Grabenkämpfe zwischen weltanschaulichen Lagern. Leider beobachten wir vor allem in der Gegenwart, dass Argumente immer weniger im Diskurs zählen und andere Methoden Verbreitung finden. Lassen Sie es nicht zu, problematischen Positionen die Deutungshoheit zuzubilligen, denn das ist nahezu ein Garant, der Propaganda zum Opfer zu fallen.
Dies alles gilt sowohl in Fragen der persönlichen Moral, der politischen Meinungen und dem Glauben an Gott. Es bedarf der Demut, Fehler einzugestehen. Es sind eben nicht nur die Fehler der andern, die man wie einen Splitter im Auge des Bruders sieht, während man den Balken im eigenen Auge nicht wahr haben will. Wo die Bereitschaft zur Umkehr ist, da besteht Hoffnung.
